RevisionsPraktiker 06-07/2016

Cover RevisionsPraktikerLiebe Leserinnen und Leser,

der Bankensektor bewegt sich in Zeiten epochaler Veränderungen. Kaum ein Tag vergeht ohne neue Nachrichten über teure Rechtstreitigkeiten, Strafzahlungen, Filialschließungen, Mitarbeiterentlassungen sowie neu erwachsende Konkurrenz in den traditionellen Geschäftsfeldern von Zahlungsverkehr und Einlagen- und Kreditgeschäft durch Nichtbanken. „Banking is necessary, banks are not“, dieses Zitat von Bill Gates aus dem Jahre 1994 erscheint aktueller denn je. Fundamental veränderte Rahmenbedingungen seitens der Märkte, die Steuerungswirkungen detaillierter Regulierung sowie der Megatrend der Digitalisierung mit modernen Technologien im Bereich von Finanzdienstleistungen ändern die Spielregeln des Bankgeschäfts. Ein Beispiel hierfür ist die Blockchain-Technologie mit revolutionierendem Potenzial im Bereich der Kontenführung, dem Ankerprodukt des Bankgeschäfts. Diese Trends zu ignorieren, ist keine Option. Ihnen durch fundamentale Neuausrichtung aktiv zu begegnen, ist die entscheidende Herausforderung der Zukunft.

Zwangsläufige Folge ist eine Verschiebung des Risikoprofils von Banken. Traditionelle Risiken wie Kredit- und Marktpreisrisiken werden zunehmend überlagert durch Risiken der Ertragskraft und der Nachhaltigkeit der Geschäftsmodelle, von Rechtsrisiken und Verhaltensrisiken sowie von Risiken des technischen Fortschritts und der nötigen Flexibilität und Anpassungsgeschwindigkeit. Dies erfordert nicht nur eine neue Risikokultur, sondern auch innovative Ansätze des Risikomanagements.

Auch die EZB stellt das Risiko im Zusammenhang mit Geschäftsmodellen und Ertragskraft an die erste Stelle ihrer Prioritätenliste für das Jahr 2016. Noch bleibt abzuwarten, in welchen Aufsichtsinitiativen sich dies in der Praxis konkret niederschlagen wird. Klar erscheint jedoch, dass die Nachhaltigkeit von Geschäftsmodellen und Ertragskraft ins Zentrum der Betrachtungen rücken und die Gespräche mit der Geschäftsleitung und den Steuerungsgremien der Institute bestimmen werden. Denkbar ist, dass sich auch die Innenrevision Fragen zur Berücksichtigung dieser Themen in ihrem risikoorientierten Prüfungsplan wird stellen müssen.

Im Zentrum von allem steht die Gretchenfrage nach zukunftsfähigen Geschäftsmodellen von Banken. Noch vor wenigen Jahren postulierte Eigenkapitalrenditen von 25 % und mehr sind mittlerweile der Existenzfrage gewichen. Wie wird die deutsche Bankenlandschaft in fünf bis zehn Jahren aussehen? Eines erscheint klar: Der Druck auf der Ertragsseite nicht zuletzt auch durch das extreme Zinsumfeld und die Kosten der erhöhten Kapital- und Liquiditätsanforderungen wird sich kurzfristig kaum ändern. Auch die Regulierungskosten und Kosten der digitalen Transformation werden nicht spurlos an den Instituten vorübergehen.

Entscheidend in diesem Umfeld ist neben geeignetem Kostenmanagement und interner Prozesseffizienz die Konzentration auf nachhaltige und ertragsstabile Geschäftsfelder mit Mehrwert im Sinne des Kunden. Auch seitens der Kunden ändern sich dabei Bedürfnisse und Denkweisen. Diejenigen Institute werden letztlich als Gewinner hervor gehen, die in der Lage sind, den Kunden verlässlich, schnell und unkompliziert diejenigen Services zu bieten, die er von seiner Bank erwartet.

Ihr Dr. Michael Schiwietz, Leiter Kreditrevision, UniCredit Bank AG, München


 

Rechtliche und wirtschaftliche Grundlagen effizient prüfen

Effizientes Prüfungsvorgehen bei gleichzeitigem Mehrwert für die Bank

Eine effiziente Prüfung der rechtlichen und wirtschaftlichen Grundlagen liefert einen Mehrwert für die Bank, kann Kosten und Risiken reduzieren und ist daher ein wichtiger Bestandteil des Prüfungsplanes der Internen Revision.

PRAXISTIPPS

  • Teilen Sie die „Unter”-Prüffelder sinnvoll auf.
  • Grundsätzlich empfehlenswert ist hierbei ein dreijähriger Prüfungsturnus.
  • Der Prüfung der Aktualität in rechtlicher Hinsicht der AGB bzw. des Preisaushangs kommt eine besondere Bedeutung zu! Ist in Ihrem Hause sichergestellt, dass bei allen Bankstellen immer aktuelle Formulare verwendet werden? Gab es Besonderheiten bei der Einführung neuer AGB? Sind Abmahnungen erfolgt? Im Falle einer Abmahnung: Wurde vor Abgabe einer Unterlassungserklärung rechtliche Beratung eingeholt?
  • Wurden neue wesentliche Verträge abgeschlossen? Wurden die ggf. erforderlichen Zustimmungserfordernisse der Überwachungsgremien (Aufsichtsrat) beachtet?
  • Entspricht der Versicherungsschutz noch den Anforderungen? Sind die Versicherungssummen angemessen? Wurden die vereinbarten Versicherungshöchstgrenzen im Kassenbereich durchgängig eingehalten?
  • Betreibt Ihre Bank weitere „besondere“ Geschäfte, die ggf. eine zusätzliche Versicherung erforderlich machen (z. B. Veranstaltung von Kundenreisen)?
  • Bestehen aktuell Rechtsstreitigkeiten, die die Vermögens- bzw. Ertragslage der Bank belasten könnten? Bestehen Regelungen, dass bei Bedarf rechtzeitig eine rechtliche Beratung eingeholt wird? Sind alle Rechtsstreitigkeiten – gem. den geltenden Regelungen – in der Schadensfalldatenbank „operationelle Risiken“ erfasst?
  • Sind größere Baumaßnahmen im Gange oder geplant? Ist sichergestellt, dass der Bauablauf und die eingehenden Rechnungen kompetent und zeitnah überwacht werden? Ist die Höhe der Kosten der geplanten Maßnahmen plausibel? Ist die Vorteilhaftigkeit der Maßnahme für die Bank zweifelsfrei gegeben? Entspricht die steuerliche Behandlung der Baumaßnahme den Erfordernissen der Bank? Ist die Erfassung der Anlagenbuchhaltung zutreffend erfolgt?
  • Hat Ihr Haus Tochtergesellschaften? Sind die Kompetenzen für die Buchhaltung bei den Tochtergesellschaften klar geregelt? Wie ist die wirtschaftliche Lage der Tochtergesellschaften? Wird aus den Tochtergesellschaften ein nachhaltiger Ertrag für die „Mutter“ erzielt? Prüfen Sie die Tochter ggf. jährlich risikoorientiert, wenn Umsätze von wesentlicher Bedeutung für die Mutter generiert werden.
  • Die Prüfung der „Organe“ bietet sich insbesondere dann an, wenn Wechsel im Vorstand und/oder Aufsichtsrat erfolgt sind. Nehmen Sie Einsicht in den Dienstvertrag des neuen Vorstands. Dies sollte zwingend vertraulich erfolgen, ggf. ohne Kopien bzw. Scans. Wurden der Geschäftsverteilungsplan und das Organigramm zeitnah an die veränderte Besetzung des Vorstandes angepasst?
  • Weisen neue Aufsichtsratsmitglieder die erforderliche persönliche und fachliche Qualifikation auf? Wird die EBA-Guideline 2012/06 angemessen beachtet? Sind Schulungen für neue Aufsichtsratsmitglieder im Hinblick auf Umfang und Zeitnähe angemessen?
  • Achten Sie bei allen Prüffeldern in diesem Bereich auf die betriebswirtschaftliche Komponente, d. h. wo können ggf. Kosten eingespart oder Risiken reduziert werden?

Autor: Ulrich Münch, Projektleiter Vollauslagerung Interne Revision, Audit GmbH Karlsruhe Stuttgart Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


 

Prozessprüfungslandkarte

Instrument zur Risiko- und Wesentlichkeitsdarstellung

Grundlage der implementierten Prüfungsprozesse ist eine Prüfungsplanung entsprechend den Anforderungen des BT 2.3 der MaRisk, die auf Basis eines Risikobewertungsverfahrens stichtagsbezogen und kontinuierlich zu erfolgen hat. Eine Prozessprüfungslandkarte kann bei entsprechender Ausgestaltung als Instrument genutzt werden, um ex post sowie ex ante Risikoparameter im Rahmen der Risikobeurteilung zur kontinuierlichen Risikobewertung und damit Wesentlichkeitseinstufung abzubilden.

PRAXISTIPPS

  • Verschaffen Sie sich ein transparentes Bild über die risikobehafteten Parameter Ihrer Prüfungsfelder und stellen Sie diese nach einer definierten Systematik dar.
  • Sorgen Sie dafür, dass Ihre Risikoeinschätzung stets aktuell ist.
  • Integrieren Sie dieses Instrument in Ihre fortlaufenden Betrachtungen, um einen dynamischen Prüfungs- und Bewertungsansatz zu erzielen.

Autor: Michael Claaßen, Bereichsleiter, Interne Revision, Volksbank Marl-Recklinghausen eG


 

Von der Finanzmarktkrise zur Risikokultur – Aspekte für die Arbeit der Internen Revision

Die Risikokultur wurde neu in die aktuelle MaRisk-Konsultation aufgenommen, aber eigentlich sollte sie bereits ein „alter“ Bekannter sein. Nicht nur in bankfachlichen Veröffentlichungen. Risikokultur sollte – auch ohne die MaRisk – in den Instituten akzeptiert und praktiziert werden. Was bedeutet dies für die Interne Revision und wie kann sie zur Verstetigung einer unternehmensweiten Risikokultur(entwicklung) beitragen?

PRAXISTIPPS

  • Die Prüfungsplanung sollte um die Komponente „Internes Umfeld“ erweitert werden.
  • Auch Prüfungsstrategien für einzelne Prüfungsaufträge sind um die Komponente „Internes Umfeld“ für eine Bewertung der Risikokultur beim Prüfungsobjekt zu ergänzen.
  • Risikokultur sollte Bestandteil von Beurteilungen in Beratungsaufträgen und Prüfungen von projektbegleitenden Prüfungen werden.
  • Die Interne Revision sollte als Multiplikator und Förderer zur Risikokultur im Unternehmen pro aktiv wirken.
  • Unternehmens- und Risikokultur muss von Führungskräften vorgelebt werden, damit sie von allen Mitarbeitern akzeptiert wird.

Autor: Dr. Karsten Geiersbach (CIA und registrierter Quality Assessor), Bereichsdirektor Interne Revision, Kasseler Sparkasse


 

Immobilienfinanzierungen: Fallstricke im Vermittlergeschäft

Vermittelte Immobilienfinanzierungen bergen auch nach Inkrafttreten der Wohnimmobilienkreditrichtlinie 2016, welche einen neuen Rahmen für das Einbinden von Vermittlern schafft, zusätzliche Betrugsrisiken gegenüber dem direkt abgeschlossenen Kreditgeschäft. Daneben erhöht sich neben dem Ausfallrisiko durch Betrug auch das Risiko, dass dem Kreditinstitut ein Fehlverhalten des tätig gewordenen Vermittlers zivilrechtlich zugerechnet wird, so dass Ersatzansprüche das Schadenspotenzial weiter erhöhen können.

PRAXISTIPPS

  • Im vermittelten Kreditgeschäft stecken strukturell höhere Risiken. Daher sollte auf Basis technischer Hilfsmittel ein regelmäßiges Reporting existieren, aus denen die gebundenen Vermittler, dass Ihnen jeweils zuzuordnende Volumen und etwaige Besonderheiten, wie auch Ausfälle, hervorgehen.
  • Die Wohnimmobilienkreditrichtlinie schafft dazu Anlass und eine Struktur, diese Risiken zu minimieren. Vermittlerverträge sind zu überarbeiten und zu vereinheitlichen. Die nunmehr erforderlichen Nachweise sollten regelmäßig geprüft werden.
  • Die konkrete Gefährdungssituation ist genauso institutsindividuell, wie die sich daraus ableitenden Maßnahmen zu ermitteln bzw. festzulegen. Der wichtigste Schritt dabei ist wohl, zunächst einmal das Problem zu erkennen und „schwarze Schafe“ konsequent auszusortieren.

Autor: Sven Lotz, Rechtsanwalt, Abteilungsleiter Recht/Abwicklung Sparkasse Mittelthüringen


 

Strategische Positionierung der Internen Revision in bewegten Zeiten

Kein „weiter so“ – Neuausrichtung mit Mehrwert

Nach wie vor erfüllt die Interne Revision in einigen Häusern nur eine „Feigenblatt-Funktion“. Dass dies nicht ausreichend ist, zeigen Erkenntnisse aus Prüfungen nach § 44 Abs. 1 KWG und kommende neue Anforderungen. Zudem sind in der Vergangenheit nicht angemessen umgesetzte Verfahren zu hinterfragen.

PRAXISTIPPS

  • Wirken Sie (auch im eigenen Interesse) auf eine weitgehende Vereinheitlichung des Begriffes „Wesentlichkeit“ für Ihr Institut hin!
  • Begleiten Sie den Prozess der jährlichen Strategieanpassung!
  • Es ist im Interesse des Instituts, dass Schwachstellen und Verbesserungspotenziale möglichst frühzeitig aufgezeigt werden. Indem die Interne Revision den Anteil ihrer ex ante-Maßnahmen deutlich erhöht, trägt sie zu einer Verbesserung der Unternehmensprozesse bei. Dazu ist es erforderlich, in den entsprechenden (schriftlichen) Informationskanälen im Institut aktiv eingebunden zu sein!
  • Erhöhen Sie den Anteil der ex ante-Maßnahmen sichtbar (nachvollziehbar) in den Prüfungsplänen (so konkret wie möglich)!
  • Überprüfen Sie Ihr Modell zur risikoorientierten Prüfungsplanung mit Blick auf das Schreiben der BaFin vom 23.10.2013 bzw. die neuen MaRisk!

Autor: Michael Helfer, Geschäftsführer, FCH Consult GmbH


 

Fragen will gelernt sein – Erfolgreiche Fragetechniken für die Innenrevision

Einsatz gezielter Fragetechniken zur Steigerung der Effizienz und Wirksamkeit der Revisionstätigkeit

In Zeiten zunehmender Komplexität und Änderungsgeschwindigkeit in nahezu allen Industriezweigen und vor allem auch im Finanzsektor nehmen auch die Herausforderungen an die Innenrevision ständig zu. Von entscheidender Bedeutung sind in diesem Umfeld das Kommunikationsverhalten und hierbei vor allem die Qualität der Fragen, mit denen die Prüfer agieren.

PRAXISTIPPS

  • Fragen sind ein wichtiges Instrument der täglichen Revisionsarbeit. Fragetechniken sollten damit ein festes Element der methodischen Ausbildung von Revisoren darstellen.
  • Die Anwendung der Grundprinzipien von Fragetechniken versetzen Prüfer in die Lage, effizient Prüfungsgespräche zu führen, diese offen zu gestalten und gleichzeitig zielgerichtet zu steuern.
  • Jedes Revisionsgespräch ist individuell und erfordert daher auch eine spezielle „Mixtur“ an Fragen. Beherzigen Sie dabei die 80/20-Regel: 80 % der Fragen sollten offen sein, nur 20 % geschlossen. Denn nur mit offenen Fragen erfahren Sie etwas wirklich Neues.
  • Durch Perspektivenwechsel und Variabilität der Fragen beleben Sie das Gespräch und geben ihm eine persönliche Note.
  • Umgehen Sie zu lange und somit komplexe Fragestellungen und achten Sie darauf, suggestive Fragen grundsätzlich zu vermeiden.

Autoren: Andreas Patrzek, Geschäftsführer Questicon, Institut für Gesprächsführung und Fragetechnik, Bichl bei München und Dr. Michael Schiwietz, Leiter Kreditrevision, REV2, UniCredit Bank AG, München


Erscheint im RevisionsPraktiker, Ausgabe 06-07/2016
Weitere Infos unter
www.revisionspraktiker.de

Antwort auf "RevisionsPraktiker 06-07/2016"

  • Heimo B. sagt:

    Bezüglich Artikel: RevisionsPraktiker 06-07/2016:
    Guten Tag,
    ein sehr interessanter Beitrag. Ich erinnere mich an das Zitat von Bill Gates von 1994: Banking is necessary, banks are not.“ Ich bin ebenfalls der Auffassung, dass die „Nachhaltigkeit von Geschäftsmodellen und Ertragskraft“ in Zukunft im Focus stehen werden. Die Generation, die heute 20+ ist, ist mit dem Internet aufgewachsen und hat ganz andere Erwartungen an Banken und die virtuelle geschäftliche Kommunikation und Service. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt darauf, was in den nächsten Jahren passieren wird. MfG Heimo B. aus Stuttgart

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