RevisionsPraktiker 10-11/2016

cover_rp_10_2016Liebe Leserinnen und Leser,

vom englischen Naturforscher Charles Darwin stammt das Zitat „Es ist nicht die stärkste Spezies, die überlebt, auch nicht die intelligenteste, es ist diejenige, die sich am ehesten dem Wandel anpassen kann“.

Veränderungen und Wandel sind stetiger Begleiter des Lebens, sowohl im Leben der Menschen als auch der Unternehmen. Das ist insofern nichts wirklich Neues. Die Veränderungsgeschwindigkeit, deren Dimensionen und Auswirkungen, mit der sich die „Spezies“ Finanzdienstleistungssektor und hier insbesondere die Mitglieder der drei Banksäulen seit geraumer Zeit konfrontiert sehen, verdunkelt den Himmel jedoch zusehends und lässt die Frage nach dem Morgen, dem „Wie-soll-es-weitergehen?“, der Zukunftsfähigkeit insgesamt jedoch immer drängender werden.

Es bedarf mutiger, tatkräftiger Entscheider in den Kreditinstituten, die Entschlossenheit an den Tag legen, um sich der Aufgaben und Herausforderungen anzunehmen. Immanent ist diesen die Bereitschaft zum Wandel – idealerweise gepaart mit unternehmerischer Kreativität.

Die Innenrevision kann hierzu im Rahmen ihrer Aufgaben und Tätigkeiten einen wesentlichen, sinnstiftenden Beitrag leisten. Das bezieht sich jedoch nicht nur auf die prüfende und beratende Tätigkeit der Innenrevision als solche. Auch sie selbst ist aufgefordert, ihre Handlungs- und Vorgehensweise in regelmäßigen Abständen – wenn nicht sogar permanent – auf den Prüfstand zu stellen. Um diesen Aspekt, den sich die Innenrevision überwiegend aus eigenem Antrieb heraus bereits zu Herzen nehmen dürfte, Nachdruck zu verleihen, hat die Bankenaufsicht dieses klarstellend kodifiziert. Neben Ausführungen in den Mindestanforderungen an das Risikomanagement (z. B. BT 2 Tz 2 hinsichtlich Prüfungsplanung, -methoden und -qualität) hat die BaFin ihrer Erwartungshaltung hierzu durch Schreiben vom 25.10.2013 bzw. im BaFinJournal vom März 2014 weiter konkretisiert.

Die im Februar 2016 angestoßene Konsultation der BaFin zu den MaRisk in der Version 6.0 wirft ihre Schatten auf das künftig als Mindestnorm anzusehende Risikomanagement der Kreditinstitute voraus. Die Innenrevision sollte sich aktiv in Form einer Projektbegleitung bzw. Beratung einbringen. Wie und in welchem Maße ist abhängig von den künftigen Erwartungshaltungen der Bankenaufsicht unter Berücksichtigung von Art, Umfang, Risikogehalt und Komplexität der vom Institut betriebenen Geschäfte.

Auch die eigene Revisionstätigkeit hat künftig weitere Aspekte zu berücksichtigen. Dieses in die Revisionsprozesse einfließen zu lassen, bedarf der Sensibilisierung und Unterstützung der Revisionsmitarbeiter.

Ich bin mir sicher, dass Sie als Revisoren auch diesen Wandel aktiv und im Sinne ihres Unternehmens und ihrer Abteilung zukunftsgerichtet und zukunftssichernd gestalten.

Herzliche Grüße und viel Spaß beim Lesen des aktuellen RevisionsPraktikers.
Ihr Bernd Knake
Leiter Innenrevision, Volksbank Region Leonberg eG


Prüfung von Auslagerungen

Anforderungen an die Interne Revision

Wenn ein Institut eine Geschäftsaktivität oder einen Geschäftsprozess auf einen Dritten auslagert, besteht das grundsätzliche Risiko, dass aufsichtsrechtliche Risikomanagementanforderungen nicht mehr zur Anwendung gelangen, sondern den Risikomanagementvorgaben des Dritten unterliegen. Zur Aufrechterhaltung der bankaufsichtlichen Anforderungen enthalten die MaRisk konkrete Vorgaben für Auslagerungsprozesse. Diese Obliegenheiten werden um weitere europäische Hinweise,
z. B. in den EBA-Leitlinien zur Internen Governance (GL 44) ergänzt. Der Artikel beschäftigt sich mit der Prüfung des Auslagerungsmanagements aus Sicht der Internen Revision. Die dargestellten Prüfungsprozesse berücksichtigen neben den Anforderungen der MaRisk die IIA-Standards als maßgeblichen Revisionsstandard.

PRÜFUNGSTIPPS

  • Erheben Sie in der Prüfung alle Prozesse und die damit einhergehenden Risiken, um klare Aussagen zu den Prüfungszielen, dem Umfang der Prüfung und den benötigten Ressourcen treffen zu können.
  • Bewerten und beurteilen Sie entsprechend der IIA-Standards die Risikomanagementprozesse und Kontrollprozesse im Auslagerungsmanagement.
  • Durch Nutzung der IIA-Standards können Sie Mehrwerte in der Prüfung und Mehrwerte für das Unternehmen schaffen
  • Betrachten Sie die prozessualen Auswirkungen von Auslagerungen im Rahmen der betroffenen Prüfungsprozesse und informieren Sie auch die Auslagerungsbeauftragten über diese Erkenntnisse.

Autor: Michael Claaßen, Bereichsleiter, Interne Revision, Volksbank Marl-Recklinghausen eG


Neue Prüfungsberichtsverordnung

Erfahrungen & Fallstricke aus der Jahresabschlussprüfung 2015

Die neue Verordnung über die Prüfung der Jahresabschlüsse der Kreditinstitute und Finanzdienstleistungsinstitute sowie über die darüber zu erstellenden Berichte (Prüfungsberichtsverordnung – PrüfbV) beinhaltet viele Änderungen im Vergleich zur bisherigen Fassung. Die Anpassungen umfassen dabei Konkretisierungen bestehender Regelungen sowie Neuerungen auf Grund aktueller Entwicklungen. Der Beitrag gibt einen Einblick in die Erfahrungen und Fallstricke aus der Jahresabschlussprüfung 2015.

PRÜFUNGSTIPPS

  • Hinsichtlich der Neuerungen und Ergänzungen sind insbesondere zu erwähnen
    • Die Neuerungen und Ergänzungen in der neuen PrüfbV betreffen eine Vielzahl von Prüffeldern. Dabei handelt es sich nicht nur um notwendige Anpassungen im Zusammenhang mit den Neuregelungen im Aufsichtsrecht (KWG, CRR etc.). Neben der Neuregelung von Anforderungen in Anlehnung an die bisherige Praxis stellt die neue PrüfbV Anforderungen, die über die bisherigen hinausgehen.
  • Risikomanagement und Geschäftsorganisation
    • Beurteilung der Wirksamkeit des Risikomanagements (bisher nur Angemessenheit),
    • Beurteilung, ob die Geschäftsstrategien auf eine nachhaltige Entwicklung ausgerichtet sind,
    • Beurteilung der Wirksamkeit der besonderen Funktionen (Risikocontrolling- und Compliance-Funktionen sowie Interne Revision),
    • Organe – Neue Anforderungen an die Geschäftsleiter sowie Verwaltungs- oder Aufsichtsorgane,
    • Auslagerungen – Urteil zur Nachvollziehbarkeit der Wesentlichkeitseinstufungen,
    • Vergütungssysteme – Beurteilung der Angemessenheit und Einhaltung der aufsichtsrechtlichen Anforderungen (InstitutsVergV),
    • IT-Systeme – umfangreichere Darstellung und Beurteilung der IT-Systeme.
  • Angaben zum Kreditgeschäft
    • umfangreichere Anforderungen insbesondere hinsichtlich Prüfung und Berichterstattung bez. Organkredite.
  • EMIR
    • Umfangreiche Neuregelungen durch AbwMechG eingefügt.

Autor: Daniel Beyer, WP, Referent, Grundsatzfragen Prüfung Banken, Genossenschaftsverband e.V., Frankfurt/M.


Prüfungsfelder im Avalgeschäft

Anregungen für die Prüfungstätigkeit der Internen Revision

Nicht in nur Zeiten schwacher Zinserträge gehört die Herauslegung von Avalen mittels Gewährung von Avalkrediten zum täglichen Gewerbe- und Firmenkundengeschäft. In den Bereichen Bau, erneuerbare Energien, Maschinen- und Anlagenbau lässt sich das Rechtsinstitut der Avale gar nicht wegdenken. Dabei gibt es eine Reihe von Fallstricken, die es zu beachten und zu umgehen gilt. Der nachfolgende Beitrag soll eine kleine Hilfestellung dazu geben, worauf im Avalgeschäft besonderer Augenmerk gelegt werden sollte und der Internen Revision zugleich Anregungen für ihre Prüfertätigkeit geben.

PRÜFUNGSTIPPS

  • Nach Möglichkeit soll das Kreditinstitut das Herauslegen von abstrakten Garantien sowie die Stellung von Rückavalen vermeiden.
  • Bei der Besicherung durch ein Festgeld ist diese durch einen Verpfändungsvertrag darzustellen, um Massekosten zu vermeiden.
  • Vereinbarte Kreditsicherheiten sind zeitnah mit Abschluss des Kreditvertrags zu stellen, um eine Insolvenzanfechtung durch das Bargeschäftsprivileg zu vermeiden. Bei den einzelnen Avalarten kann auf externe Hilfestellung zurückgegriffen werden, so dass eine nachhaltige Reduzierung der Avalinanspruchnahme erreicht werden kann.
  • Bei Mängelavalen sollte die verschuldensunabhängige Haftung in jeglicher Hinsicht Berücksichtigung finden.
  • Mit Blick auf die selbständigen Sicherungsrechte sollte beim Sicherungsvertrag möglichst kein Ausschluss derselben vereinbart werden.
  • Rückzahlungsansprüche aus ausgezahlten Garantien sollten im Avalkreditvertrag, soweit möglich, abgetreten sein, damit der Rückzahlungsanspruch einer unberechtigten Garantieziehung nicht der Insolvenzmasse (also dem ehemaligen Firmenkunden) zusteht.

Autoren:
Torsten Steinwachs, geschäftsführender Partner, und  Jörg Eckert, Rechtsanwalt und Steuerberater, Leiter Recht und Steuer,
beide BMS Bond Management Support GmbH & Co. KG, Frankfurt am Main, Avalmanagement für Kreditinstitute und  Kautionsversicherungen
Holger Bruhn
Interne Revision, Sparkasse Hohenlohekreis


Gesamtbanksteuerungsprüfung: Aktuelle Ansätze für weniger bedeutende Institute (LSIs)

Prüfungshandlungen der Internen Revision zwischen regulatorischer Europäisierung und Niedrigzinsumfeld

Die Prüfung der Gesamtbanksteuerung erfordert im Rahmen des aktuellen Niedrigzinsumfeldes weiterführende Prüfungsansätze und zukunftsgerichtete, geschäftspolitische Gedankengänge. Die Bankenaufsicht hat diesen Sachverhalt erkannt und mittlerweile einheitliche aufsichtsrechtliche Regelungen (SSM, SREP) sowie Datenauswertungen (CoRep, FinRep, FinaRisikoV, Umfrage zur Ertragslage und Widerstandsfähigkeit deutscher Kreditinstitute im Niedrigzinsumfeld) eingeführt, welche nicht nur die Risikoseite, sondern auch die Ertragskraft der Institute im Blick haben.

PRÜFUNGSTIPPS

  • Ergänzen Sie Ihre Prüfungshandlungen gem. MaRisk um die Perspektive des SREP-Prozesses. Beziehen Sie hierbei ertrags- und risikoseitige Überlegungen mit ein.
  • Gehen Sie explizit auf die einzelnen SREP-Elemente ein: Prüfen Sie das Geschäftsmodell und die Ertragsdiversifikation (Nachhaltigkeit). Ist die Ertragsgenerierung vor dem Hintergrund deutlich höherer Eigenmittelanforderungen ausreichend (Tragfähigkeit)? Prüfen Sie, ob die internen Governance-Strukturen und institutsweiten Kontrollen sowie ICAAP und ILAAP dem Geschäftsmodell, der Größe, der Komplexität, dem Risikoprofil und den Markterwartungen Ihres Instituts entsprechen.
  • Prüfen Sie, ob konkrete Änderungen in den Risikocontrolling- und Steuerungsprozessen erforderlich sind – zeigen Sie Schwachstellen frühzeitig auf, weisen Sie auf Dokumentationslücken hin.
  • Analysieren Sie auf der Ertrags- und Risikoseite historische Zeitreihen, Plandaten und Peergroup-Vergleiche. Ziehen Sie Rückschlüsse zur gegenwärtigen strategischen Ausrichtung des Instituts.
  • Nutzen Sie aus dem Instrumentenkasten ex ante wirkende Prüfungsmethoden wie „Continuous Auditing“, „Targeted Control Reviews“, Prozessanalysen und ganzheitliche Betrachtungen.
  • Prüfen Sie die Kapital- und Liquiditätsplanung, auch unter adversen Entwicklungen.
  • Analysieren Sie vor dem Hintergrund des Niedrigzinsumfeldes, ob Rentabilitätsziele über unverhältnismäßige Erhöhungen der Risikopositionen, Lockerung der Kreditrichtlinien, stärkere Inanspruchnahme kurzfristiger Refinanzierungen oder Vergleichbares erreicht werden.
  • Setzen Sie risikoorientierte Schwerpunkte, um den Prüfungsumfang zu kontrollieren.
  • Verknüpfen Sie Prüfungshandlungen und -erkenntnisse aus verschiedenen Prüffeldern wie z. B. Jahresabschluss, Meldewesen, IT, Outsourcing und Gesamtbanksteuerung.

Autor: Marcel Saur, Leiter Interne Revision, Rostocker Volks- und Raiffeisenbank eG


Prüfung des Pfandbriefgeschäftes

Interessantes Refinanzierungsinstrument; engmaschiges Sicherheitsnetz und gute Krisenfestigkeit aufgrund hoher Qualitätsstandards; bedeutsames Prüffeld der Internen Revision

Insbesondere die Emission von Hypothekenpfandbriefen ist für alle Banken und Sparkassen als Refinanzierungsinstrument interessant, deren Kerngeschäft die private und/oder gewerbliche Baufinanzierung ist. Die Einhaltung der Vorschriften des Pfandbriefgesetzes sowie der dazu gehörenden Verordnungen, u. a. der Beleihungswertermittlungsverordnung, ist bei diesen Pfandbriefbanken ein wesentliches Prüffeld der Internen Revision.

PRÜFUNGSTIPPS

  • Die Verteilung der Prüfungsobjekte auf einen mehrjährigen Prüfungsrhythmus ist mit Blick auf die Komplexität einer Pfandbriefprüfung sinnvoll.
  • Die Schnittstellen zu unterschiedlichen Themenbereichen Kredit, Treasury, Unternehmenssteuerung sowie Informationstechnologie erfordern eine integrierte Prüfung durch entsprechende Fachrevisoren.
  • Ein regelmäßiger Austausch insbesondere mit der Treuhänderassistenz/dem Treuhänderbüro trägt der Forderung nach kontinuierlicher Prüfungshandlung Rechnung (Stichwort: Continuous Auditing).
  • Die ordnungsgemäße Umsetzung und stringente Einhaltung der BelWertV sollte ein wesentlicher Prüfungsschwerpunkt sein.

Autor: André Althof, Bereichsleiter Interne Revision, Volksbank Darmstadt-Südhessen eG


Erscheint im RevisionsPraktiker, Ausgabe 10-11/2016.
Weitere Infos unter http://www.revisonspraktiker.de/


 

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