RevisionsPraktiker 12-01/2017

27. Januar 2017 in Kategorie RevisionsPraktiker, Vorstand / Revision / IT

Liebe Leserinnen und Leser,

die nächste Novelle der InstitutsVergV steht bevor. Einen entsprechenden Gesetzesentwurf hat die BaFin am 10.08.2016 zur Konsultation gestellt. Auf diese Weise sollen die Vergütungsguidelines der EBA (EBA/GL/2015/22) mit Wirkung zum 01.01.2017 in deutsches Recht umgesetzt werden.

Die BaFin hält zwar im Rahmen des Gesetzesentwurfs an der Unterscheidung zwischen bedeutenden und nicht-bedeutenden Instituten fest. Auf europäischer Ebene ist jedoch ein Gesetzgebungsverfahren angestoßen, das diesbezüglich zu Änderungen führen könnte. Im Bereich der allgemeinen Anforderungen hat insbesondere das Erfordernis der Risk Taker-Identifizierung durch sämtliche CRR-Institute erhebliche praktische Konsequenzen. Das gilt namentlich für die nicht-bedeutenden Institute. Denn dieses komplexe Verfahren ist mit erheblichem Aufwand verbunden.

Verschärfungen ergeben sich außerdem im Hinblick auf den Abschluss von Abfindungsvereinbarungen und bei der Gestaltung der Vergütungsparameter, neben qualitativen und quantitativen Parametern sollen zukünftig auch absolute und relative Parameter in den Vergütungssystemen verankert sein. Gleichzeitig gibt es Erleichterungen bei der Zulässigkeit von Funktionszulagen.

Die variable Vergütung im Vertrieb steht einmal mehr im besonderen Blick der EBA. Am 28.09.2016 hat die EBA die finalen Guidelines zur Vertriebsvergütung im Retail-Bereich vorgelegt (EBA/GL/2016/06). Dies hat auch die BaFin aufgegriffen, so dass ein Vergütungssystem für den Vertriebsbereich nicht unter Vernachlässigung qualitativer Kriterien wie Kundeninteresse und -zufriedenheit ausschließlich Absatzziele oder die Zahl genehmigter Anträge in den Vordergrund der Zielerreichung stellen soll. Prominentes Beispiel hierzu ist die Baufinanzierung, die Auslegungshilfe zur neuen Institutsvergütungsverordnung weist noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass die Vergütung nicht an Absatzziele oder die Zahl genehmigter Anträge gekoppelt sein darf.

Die anstehende Reform wird die Kreditinstitute u. a. einmal mehr vor die Herausforderung stellen, bestehende arbeitsrechtliche Regelungen an aktuelle regulatorische Novellierungen anzupassen. Die Revisionsbereiche werden sich zeitnah intensiver als bisher mit der Auswirkung der Regulatorik auf die Personalbereiche beschäftigen und diese in ihre Prüfungspläne aufnehmen müssen.

Schöne Grüße und viel Spaß beim Lesen des RevisionsPraktiker

Ihr Marcus Michel
Geschäftsführer Finanz Colloquium Heidelberg GmbH


Auslagerungsmanagement: Prüfung und Vergabe der Prozesse bei Dienstleistern

Auslagerungen schaffen Chancen – Ist das wirklich so? – Verantwortung und Prüfung bleiben

Nicht erst die internationale Finanzkrise hat es gezeigt! Bei den Kreditinstituten ist irgendwann auch das „Ende der Fahnenstange“ erreicht. Wo sind die Reserven, um Unwägbarkeiten aufzufangen? Die sprudelnden Erträge? Lange vorbei! Woher soll es auch kommen? Äußerst niedrige Zinseneinnahmen bei Kreditvergaben – die Zinsspanne – allein der Begriff ist schon eine spannende Herausforderung. Aus dem „Brot-und-Buttergeschäft“ eines Standard-Kreditinstituts mit Vollbank-Charakter lässt sich nicht mehr viel an zusätzlichem Ertragspotential generieren; denn auch an der Gebührenschraube lässt sich nur begrenzt drehen. Die Produkte sind ja im Wesentlichen alle gleich – es geht nur immer wieder um das Eine – ums Geld und dessen Verpackung. Die Konkurrenz aus der eigenen Branche ist groß. Das Sparten-Banking, ohne oder mit nur partiellem Filialnetz, hat es bereits vorgemacht. Im mächtigen Bankenapparat lässt sich perfekt wildern. Gute Ideen und ein gelungenes Marketing- und Vertriebskonzept, gepaart mit schneller Umsetzung, bergen Ertragschancen, die bereits genutzt werden.

PRÜFUNGSTIPPS

  • AT 8.2 MaRisk-Einbindung der Internen Revision zum Erkennen bevorstehender Auslagerungen nutzen.
  • Begleitung des Auslagerungsprojekts durch die Interne Revision risikoorientiert festlegen.
  • Bei der Bewertung der Auslagerungsrisikoanalyse auf Revision des Dienstleisters eingehen.
  • Bereits im Auslagerungsprozess Erkenntnisse zur Dienstleisterrevision gewinnen.
  • Prüfung des Auslagerungsprojektmanagements für ggf. erforderliche Anpassungen nutzen – notfalls über (Ad-hoc-)Berichterstattung.
  • Zeitlich nahe am Verlauf des Auslagerungsprojekts begleiten/prüfen.
  • Zeitnahe Information über Prüfungsteilergebnisse sicherstellen.
  • Business-Case-Erfüllung in die Auslagerungsbegleitung einbeziehen.
  • Fachliche (Projekt-)Bewertung ist was für Spezialisten.
  • Revisionsberatungsansatz als unterstützendes Medium der Qualitätssicherung nutzen.
  • Kein Verzicht auf eigene Prüfungen – nur andere Intensität durch Bewertung von Prüfungsergebnissen.
  • Auslagerungsvertragsentwürfe immer in den Prüfungsfokus nehmen.
  • Unbedingt Prüfungsrechte – auch der Aufsicht – absichern.
  • Einbindung von Experten bewerten (z. B. Datenschutz, Informationssicherheit, Compliance).
  • Der Auslagerungsprozess schafft die Grundlage für eine erfolgreiche Dienstleistersteuerung.

Autor: Ulli Stanke, Prüfungsleiter Operations & Support, Zentralund IT-Revision, Prüfung zentral ausgerichteter Prozesse sowie der IT, Nassauische Sparkasse Wiesbaden.


Prüfung der Corporate Governance

Stetig ansteigende Bedeutung der Papiere der EBA und BCBS für große Institute als neue Herausforderung für die Revision

Die BCBS 328 „Guidelines Corporate Governance Principles for Banks“1 stellen wesentliche Anforderungen für eine gute Corporate Governance an Überwachungsorgane, Geschäftsleitung, Senior Management, Risikomanagement, Compliance und Interne Revision. Ebenso betroffen sind Vergütungssysteme und Offenlegungspflichten. Das Papier wurde im Juli 2015 veröffentlicht und kann als eine Weiterentwicklung des 2010 veröffentlichten „Principles for enhancing corporate governance“ (BCBS 176) verstanden werden. Die BCBS 328 schaffen einen Rahmen, innerhalb dessen Banken und Aufseher Risikomanagement und Entscheidungsfindung transparent und zuverlässig gestalten sollen. Inhaltlich bestehen viele Überschneidungen zu der EBA Guideline „Leitlinien zur Internen Governance“ (GL44, 2011).

PRÜFUNGSTIPPS

  • Für die Revision unmittelbar besteht gem. BCBS 328 die Anforderung, dass bei Abberufung des Revisionsleiters dies zuveröffentlichen ist. In diesem Zusammenhang bestehen Informationspflichten an Überwachungsorgan und Aufsicht.
  • Zu den wichtigen Elementen des Risikomanagements zählt künftig auch die Entwicklung, Förderung und Integration einerangemessenen Risikokultur innerhalb des Instituts und der Gruppe. Die Interne Revision sollte hier frühzeitig beratend tätig werden und den Prozess eng begleiten sowie die Prüfung dieses Prozesses in der Prüfungsplanung berücksichtigen.
  • Hervorzuheben in einer Prüfung der Corporate Governance ist die Beurteilung der Unternehmens- bzw. Organisationskultur im Sinne des „Tone at the Top“, dem v. a. von der Geschäftsleitung kommunizierten und gelebten Leitbild. Dies ist die Basis für Angemessenheit und Wirksamkeit eines Compliance- und Risikomanagementsystems im Unternehmen. Entscheidend ist, dass der „Tone at the top“ durch die Top-Führungskräfte des Unternehmens verkörpert und gelebt wird.
  • Eine angemessene prüferische Bewertung auch der kulturellen Steuerungs- und Überwachungsmechanismen bedingt die Entwicklung neuer Prüfungsansätze.
  • Zur Einschätzung verschiedener Aspekte der Corporate Governance besteht auch die Möglichkeit eine strukturierte Befragung des Senior Managements der Bank durchzuführen. Es ist empfehlenswert in dieser Befragung Stellenwert, Einfluss und Durchsetzungsvermögen der zweiten und dritten Verteidigungslinie zu berücksichtigen.

Autoren: Stefan Hebebrand, CRMA, Diplom-Ökonom, Bankabteilungsdirektor Revision, und Oliver Blöchl, CCrA, CIA, Dipl. Betriebswirt (FH), Bankabteilungsdirektor Revision, beide NORD/LB.


Jahresabschluss: Prüfung durch die Interne Revision noch erforderlich?

Synergieeffekte aus der Zusammenarbeit von Interner Revision und Abschlussprüfer

Jedes Kreditinstitut ist gesetzlich verpflichtet über eine funktionsfähige Interne Revision zu verfügen (§ 25a Abs. 1 Satz 3 Nr. 3 KWG). Die qualitativen und quantitativen Anforderungen an die Interne Revision eines Kreditinstitutes sind in den letzten Jahren ständig gestiegen, was insbesondere der „Regulierungswut“ der Bankenaufsicht zu verdanken ist. Insbesondere sind hier – neben den Verordnungen und technischen Standards („Guidelines“) der EBA1 – die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) zu nennen, welche erstmals unter dem Datum vom 20.12.2005 veröffentlicht und zuletzt am 14.12.2012 geändert wurden. Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Beitrages standen die „MaRisk 6.0“ in ihrer finalen Abstimmung. Daneben steigt der Kostendruck der Banken im Wesentlichen bedingt durch das Niedrigzinsumfeld. Es ist somit nicht von der Hand zu weisen, dass händeringend nach Einsparpotenzialen gefahndet wird, auch im Bereich der Internen Revision. In diesen Zusammenhang stellt sich auch die Frage nach der Ausgestaltung bzw. Intensivierung der Zusammenarbeit von Interner Revision und Abschlussprüfer und damit nach der erforderlichen Prüfungsintensität der Internen Revision im Bereich der Jahresabschlussprüfung.

PRÜFUNGSTIPPS

  • Sehen Sie die Jahresabschlussprüfung auch immer als Chance zur Prozessprüfung und damit auch als Chance Verbesserungspotentialzu erkennen, welches nicht dem originären Bereich des Abschlussprüfers zuzuordnen sein muss (IKS-Prüfung).
  • Klären Sie, ob eine Entbindung des Abschlussprüfers von der Schweigepflicht Ihnen gegenüber von Ihrer Geschäftsführunggewollt ist. Nur dann können Prüfungsergebnisse offenbart werden.
  • Klären Sie intern, ob Sie sich auf die Prüfungsergebnisse des Abschlussprüfers verlassen wollen und diese – soweit möglich – verwerten möchten. Seien Sie sich bewusst, dass die Verwertung von Ergebnissen Dritter immer mit Risiken verbunden ist. Fehleinschätzungen Dritter können zu Reputationsschäden führen!
  • Die rechtzeitige Abstimmung der Prüfungshandlungen im Rahmen der Vorbereitung der Jahresabschlussprüfung mit dem Abschlussprüfer ist zur Vermeidung von Doppelarbeiten („Redundanzen“) und damit zur Vermeidung überhöhter Kosten elementar. Die Kooperation zwischen Abschlussprüfer und Interner Revision ist hierfür unerlässlich.
  • Das Kosteneinsparpotential bei der Internen Revision ist gering, bei der weitgehenden Kooperation mit dem Abschlussprüfer bei den Prüfungskosten jedoch gegeben.

Autor: Mario Pries, Wirtschaftsprüfer, AWADO Deutsche Audit GmbH.


Interne Revisionsfunktion: Angemessenheit und Wirksamkeit

Einordnung des IDW EPS 983 in das Normengefüge und dessen Bedeutung für die Prüfungspraxis bei Kreditinstituten

Bereits heute besteht eine Vielzahl von Normen, die sich mit der externen Überprüfung der Internen Revision (IR) befassen. Sämtliche Quellen stellen bei der Beurteilung der IR grundsätzlich auf die Begriffe „Wesentlichkeit“, „Angemessenheit“ und „Wirksamkeit“ sowie „Funktionsfähigkeit“ ab. Eine einheitliche Definition dieser Begriffe hat sich allerdings in der Literatur noch nicht etabliert.Vielmehr sind diese Begriffe geprägt durch die prüferische Praxis. Die externe Überwachung der IR von Kreditinstituten ergibt sich aus §§ 25a Abs. 1 S. 3, 29 Abs. 1 Nr. 2 lit. a KWG i. V. m. § 11 Abs. 2 Nr. 4 PrüfbV bzw. auch aus IDW Prüfungsstandard „Interne Revision und Abschlussprüfung (IDW PS 321)“.

PRÜFUNGSTIPPS

  • Interne Revisionen sollten sich bereits frühzeitig mit den Inhalten des IDW EPS 983 auseinandersetzen.
  • Der IDW EPS 983 sollte in Kreditinstituten ergänzend zu den Anforderungen der MaRisk herangezogen werden.
  • Die Definition der „Wesentlichkeit“ gem. IDW EPS 983 kann als Transfer zur Erfüllung der Anforderung gem. BT 2.3 Tz. 3 der Konsultationsfassung der MaRisk dienen.

Autoren: WP/StB Prof. Ulrich Bantleon, Professor für Unternehmensbewertung, Abschlussprüfung sowie nationale und internationale Rechnungslegung, Hochschule Offenburg, Christoph Horn (CIA, CFSA, CRMA) Leiter Interne Revision und Risikomanagement der EGT AG, Triberg sowie Chief Compliance Officer der EGT-Unternehmensgruppe und Dr. Christoph Schmidt, LL.M. (oec.), Dipl. Betriebswirt (FH), One More Consulting.


Gesamtbanksteuerung: Pragmatische Ansätze zur Prüfung der Konsistenz in den Prozessen

Wie sind die wesentlichen Prozesse in der Gesamtbanksteuerung? Welche Aspekte sind in der Prüfung zu berücksichtigen? Was ist eine Schlüsselkontrolle und wie kann sie ermittelt werden?

Für die Prozesse in der Gesamtbanksteuerung der Banken und Sparkassen existieren strenge aufsichtsrechtliche Anforderungen. Die Erfüllung dieser Vorgaben bedeutet für die Institute einen nicht zu unterschätzenden Zeit- und damit auch Kostenaufwand, der jedoch durch den konsequenten Einsatz klar strukturierter Prozesse in der Gesamtbanksteuerung erheblich reduziert werden kann. Welche Arten an Prozessen typischerweise in den Kreditinstituten aufzufinden sind, möchten wir anhand der Darstellung in Abbildung 1 aufzeigen. Im Rahmen unserer Ausführungen wollen wir uns hauptsächlich mit den Regelprozessen bzw. Managementprozessen beschäftigen, da diese für das Thema Gesamtbanksteuerung von primärer Bedeutung sind.

PRÜFUNGSTIPPS

Grundsätzliche Tipps zum Vorgehen bei der Prüfung:

  • Prüfen Sie immer Prozessschritte einzeln.
  • Ggf. auch einzelne Sachverhalte innerhalb des Prozesses als Stichprobe.
  • Achtung: bei einer grundsätzlichen Prüfung der einzelnen Dokumente in ihrer Gesamtheit werden Inkonsistenzen aufgrund des großen Umfangs an Dokumentationen nur selten erkannt.
  • Unklarheiten beim „Lesen“ sind ein gutes Indiz für Inkonsistenzen!

Strategische Ziele:

  • Können die definierten Strategischen Ziele überhaupt erreicht werden? Besteht eine hinreichende Konsistenz zwischen Eckwertplanung, Kapitalplanungsprozess, Berichtswesen sowie Risikosteuerungs- & Controllingprozessen?
  • Ist die Messbarkeit der Strategischen Ziele überhaupt gegeben?

Planungsannahmen:

  •  Sind die Annahmen bezüglich der geplanten GuV zwischen den Dokumenten Eckwertplanung, Kapitalplanungsprozess,Risikodeckungsmasse aus dem Ergebnis sowie dem Planwert in der Ergebnisvorschaurechnung konsistent?

Planungsprozess:

  • Prüfen Sie, ob die Bank eine plausible und angemessene Eckwertplanung aufgestellt hat!
  • Achten Sie darauf, dass der Betrachtungszeitraum der Kapitalplanung ausreichend lang gewählt ist! Die Vollendung der Kapitalanforderungen in 2019 ist darzustellen!
  • Bei Eigenkapital-schwächeren Banken sind zwingend nähere Betrachtungen und mehrere verschiedene adverse Szenarien zu betrachten!
  • Prüfen Sie, ob sich die Bank, bei einer prognostizierten Untererfüllung, mit den Alternativen zur Beschaffung von zusätzlichem Eigenkapital auseinandergesetzt hat!
  • In diesem Fall ist zusätzlich zu belegen, dass der Markt/die Nachfrage für die externe Eigenkapitalbeschaffung gegeben ist! Die entsprechenden Mehraufwendungen sind in der Planung zu berücksichtigen!
  • Achten Sie auch hier auf die Konsistenz zwischen Strategie, Risikoinventur, Eckwertplanung, Risikotragfähigkeit und Kapitalplanung!

Eigenanlagestrategie:

  • Wenn die Bank im Zinsbuch eine aktive Steuerungsstrategie verfolgt, bedeutet dies, dass Handelsgeschäfte anhand einer Zinsprognose erfolgen, deren Annahmen auch zu beachten sind. Bei prognostizierten Zinsanstiegen dürfen nur kurzfristige Geldanlagen getätigt werden. Andernfalls werden bewusst Abschreibungen einkauft.
  • Wenn die Bank eine semi-aktive Strategie verfolgt, muss die Fristigkeit der Geldanlage auch regelmäßig in das Cashflow- Profil passen (unabhängig davon, ob in anderen Laufzeiten attraktivere Renditen verfügbar sind.
  • Wenn die Bank definiert hat, dass nur Wertpapiere im Investmentgrade gekauft werden, darauf achten, dass bei vorhandenen Fonds auch das Mindestrating strategiekonform ist.

Strukturlimite:

  • Sind die Grenzen hinreichend individualisiert und aus der Risikostrategie ableitbar?
  • Ist die Risikotragfähigkeit bei Vollauslastung des Limits nach CRR (Einzelhöchstkreditgrenze) darstellbar?
  • Strukturlimite werden für (potenzielle) Risikokonzentrationen definiert. Die Einschätzungen hierzu müssen konsistent sein!

Autoren: Oliver-Norbert Baron, Bereich Prüfung/Betreuung Banken in Nordhessen und Mitarbeiter im Spezialistenteam Prüfung Gesamtbanksteuerung, Genossenschaftsverband e.V., Thomas von Brasch, Spezialistenteam Gesamtbanksteuerung/Prüfungsaußendienst, Themenverantwortlicher für Prozesse im Controlling/Berichtswesen und Liquiditätsrisiko, Genossenschaftsverband e.V. und AWADO Deutsche Audit GmbH und Jan Kühne, Referent für Grundsatzfragen Prüfung Banken, Genossenschaftsverband e.V.


Dynamische Prüfungsplanung: Praxisansätze für die Interne Revision

Flexibilität und Transparenz durch eine systematische Verarbeitung und Bewertung prüfungsrelevanter Informationen

Die risikoorientierte Prüfungsplanung der Internen Revision in Instituten wird gem. der Vorgaben der MaRisk auf der Grundlage einer mindestens jährlichen Risikoeinschätzung der Prüffelder durchgeführt. Dabei sollen auch die zum Planungszeitpunkt erkennbaren Entwicklungen berücksichtigt werden1. Nach einer vollständigen Erfassung aller Geschäftsaktivitäten und Prozesse soll die Prüfungsplanung auf diese Weise einerseits diejenigen Prüffelder identifizieren, die abweichend vom grundsätzlich dreijährigen Turnus einer jährlichen Prüfung zu unterziehen sind und andererseits eine angemessene Prüfungsintensität durch die risikoadäquate Allokation der Prüfungskapazitäten unterstützen. Die Fähigkeit, sich frühzeitig auf geänderte Rahmenbedingungen einzustellen, hat bereits in der Frühzeit der Menschheitsgeschichte das Überleben sichergestellt. Während sich gravierende Veränderungen in diesem Fall teilweise über mehrere hundert Generationen hinzogen, finden Veränderungen im Wirtschaftsleben heute deutlich schneller statt. Im Zeitalter der Digitalisierung scheint dieser Evolutionsprozess nunmehr sogar in Echtzeit zu verlaufen.

PRÜFUNGSTIPPS

  • Die aufsichtsrechtlichen Anforderungen an eine flexible Prüfungsplanung werden durch die Novellierung der MaRisk weiter steigen.
  • Gestalten Sie die Aufbauorganisation sowie den Mitarbeitereinsatz innerhalb der Internen Revision dynamisch und flexibel.
  • Starre Planungsprozesse binden Ressourcen für Prüfungshandlungen, die unter Risikogesichtspunkten nicht erforderlich sind.
  • Setzen Sie die Ressourcen der Internen Revision vorrangig dort ein, wo das Risiko und die daraus abgeleitete Prüfungsintensität am größten sind und bilden Sie strukturübergreifende Prüfungsteams.
  • Die Risikoeinschätzung der Prüffelder sollte im Fall deutlich gewordener Mängel bzw. sonstiger Veränderungen der risikorelevanten Informationen überprüft und ggf. angepasst werden.
  • Etablieren Sie ein praxisnahes Verfahren, das eine Erfassung, Bewertung und Dokumentation von prüfungsrelevanten Informationen ermöglicht.
  • Wählen Sie den Zuschnitt der Prüffelder in Anlehnung an das Prozessmanagement des Instituts. Hier sollten Teilprozesse zu sachgerechten Prüffeldern zusammengefasst werden.
  • Es wird empfohlen, die Anzahl der Prüffelder zu beschränken und die inhaltliche Ausgestaltung der Prüffelder auf einer weiteren Ebene detailliert zu planen.
  • Die Detailanalyse der Prüfungsthemen innerhalb der Prüffelder bildet die Grundlage für die Prüfungsplanung der Prüfungsaufträge. Die prüfungsrelevanten Informationen sollten auch für diese Planung herangezogen werden.
  • Leiten Sie die Prüfungsintensität auf Grundlage aktueller Informationen aus der Detailplanung des Prüfungsauftrags ab.

Autor: Jan Meyer im Hagen, CIA, Direktor Interne Revision, Sparkasse Paderborn-Detmold.


Aktuelle Entwicklungen bei der Prüfung von Stresstests

Verstärkter Fokus auf Methodik und Stresstestverfahren

Stresstests stehen bei der Bankenaufsicht weiterhin ganz oben auf der Agenda. Die Anforderungen an Methodik und Governance nehmen zu bzw. werden anspruchsvoller. Aber nicht nur aus diesem Grund sollte sich die Interne Revision verstärkt mit Stresstestverfahren und -methoden beschäftigen: Zum einen helfen Sie bei der Überprüfung von Unzulänglichkeiten in den verwendeten Risikomodellen, zum anderen um Extremsituationen auf die Überlebensfähigkeit bzw. Risikotragfähigkeit und Solidität von Kreditinstituten auszuloten. Die Ergebnisse aus den unterschiedlichen Stresstests können somit Indikatoren für potenzielle Schwachstellen aufzeigen: Bei Risikoberechnungen, bei der Ausstattung mit Risikodeckungsmasse oder hinsichtlich vorhandener Risiken bzw. Risikokonzentrationen und deren Limitauslastung(en). Der gedankliche Wechsel von der Komfortzone in ungemütlichere (Stress-)Situationen trägt dazu bei, die Standfestigkeit und Nachhaltigkeit des Instituts zu verbessern, indem Schwachstellen transparent werden und Maßnahmen eingeleitet werden können.

PRÜFUNGSTIPPS

  • Die Prüfungsplanung der Internen Revision muss eine hinreichende Anzahl von Prüfungstagen für die Beurteilung von Stresstestverfahren vorsehen.
  • Parallel sollte die Interne Revision auch ausreichende Prüfungszeiten für Modellprüfungen im Prüfungsplan berücksichtigen.
  • Es sind ausreichende finanzielle und zeitliche Budgets für den Kompetenzaufbau zu berücksichtigen.
  • Die Regelungen zu den Systemen und Verfahren von Stresstests sollten klar und eindeutig beschrieben sein.
  • Die Regelungen zur Durchführung von Stresstests sind kompetenzgerecht festzulegen.
  • Neben dem Turnus für das Durchführen der Stresstests ist auch der Termin zur Erstellung des entsprechenden Reportings zu fixieren.
  • Die Angaben in den Berichten sollten sich konsistent aus den Stresstest-Szenarien zugrundeliegenden wesentlichen Annahmen ableiten lassen.

Autoren: Dr. Karsten Geiersbach (CIA), Bereichsdirektor Interne Revision und Stefan Prasser (CIA), Dipl.-Math., Referent Interne Revision für Gesamtbanksteuerung, beide Kasseler Sparkasse


Erschienen im BankPraktiker, Ausgabe 12-01/2016-2017
Weitere Infos unter http://www.revisionspraktiker.de/

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