BankPraktiker 03/2017

Liebe Leserinnen und Leser,

die Einführung der SREP-Guidelines durch die EBA im Dezember 2014 hat den aufsichtlichen Überprüfungsprozess um die Analyse und Bewertung der Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells der Banken erweitert.

Gleichzeitig geraten die seit Jahrzehnten im Vergleich mit anderen Branchen nur wenig veränderten Geschäftsmodelle durch die zunehmend spürbare Negativzinsphase weiter unter Druck. Insbesondere deutsche Banken sind im internationalen Vergleich aufgrund ihrer Struktur anfällig, da etwa drei Viertel ihres Ergebnisses aus dem gefährdeten Zinsüberschuss resultiert. Der technologische Fortschritt verstärkt diese Entwicklung in einem bisher nicht erlebten Tempo.

Die systematische Nutzung der schnellen und intelligenten Verarbeitung riesiger Datenmengen (Big Data) erfordert spezielles Wissen und eine Unternehmenskultur, die in FinTechs selbstverständlich ist, in den meisten Banken aber nur langsam Einzug hält. Gesetzliche Initiativen hinsichtlich der Fremdnutzung von Kundendaten (PSD II) erleichtern weitere Angriffe auf das Geschäftsmodell.

Über die unter den herausfordernden Wettbewerbsbedingungen zunehmende Regulatorik wird gerne – sicher nicht immer zu Unrecht – geschimpft. Lösungen werden oft in der zusätzlichen Übernahme von Risiken gesucht. So werden nicht selten die Eigenanlagen um spekulative Anlageklassen erweitert. In einer Phase, in der die Märkte aufgrund übergeordneter politischer Ziele der EZB mit Liquidität geflutet sind, ein zunehmend riskanter Weg.

So sinken zwar die Risikoprämien, nicht aber die Risiken. Oder es wird in bankferne Geschäftsfelder investiert um das Kerngeschäft zu subventionieren. Dass die Aufsicht hier verstärkt beobachtet und ggf. eingreift ist m. E. nur verständlich. Aber mal ehrlich. Ist das die Lösung, die unsere Kunden erwarten oder gibt es eine Alternative?

Schwieriger, aber wahrscheinlich langfristig erfolgreicher ist es, die Herausforderungen anzunehmen und das Geschäftsmodell umfassender und schneller als jemals zuvor zu erneuern. Die Digitalisierung in erster Linie als Kostensenkungsinstrument zu sehen, ist jedoch zu kurz gedacht. Weit mehr Potenzial liegt in den Möglichkeiten, weiteren Kundennutzen zu schaffen. So lässt sich das Produktangebot durch die Möglichkeiten der Digitalisierung sinnvoll ergänzen. Beispielsweise lässt sich das bestehende Vertrauen in die Banken und die Sicherheit der Rechenzentren für die virtuelle Speicherung und Organisation von Kundendaten, wie z. B. wichtigen Verträgen, nutzen. Diese neuen Dienstleistungen können monetarisiert werden und tragen somit zur Reduktion der Abhängigkeit vom Zinsüberschuss bei.

Wer also den schwierigen, aber nachhaltigen Weg der Erneuerung des Geschäftsmodells erfolgreich meistert, hat gleichzeitig einen großen Teil zur Erfüllung der zunehmenden aufsichtsrechtlichen Anforderungen geleistet.

Herzliche Grüße und viel Spaß beim Lesen des BankPraktiker
Ihr André Thaller
Vorstand Vertrieb, PSD Bank Köln eG


Verbraucherkredit: Neue Möglichkeiten durch Digitalisierung

Qualifizierte elektronische Signatur nach eIDAS

Die Digitalisierung hält unvermindert und mit Nachdruck Einzug in das Geschäft der Banken und macht auch vor dem schriftlichen Kreditvertragsabschluss bei Verbraucherdarlehensverträgen nicht halt. Die Schriftform kann durch die elektronische Form mittels qualifizierter elektronischer Signatur ersetzt werden. Die qualifizierte elektronische Signatur ist nunmehr europarechtlich einheitlich in der eIDAS- Verordnung geregelt. Das eröffnet neue Möglichkeiten für einen bequemen, schnellen und papierlosen Kreditantragsprozess.

PRAXISTIPPS

  • Die eIDAS-Verordnung (EU) Nr. 910/2014 bietet neue Chancen für einen zeitgemäßen digitalen Verbraucherkreditvertragsschluss. Dabei spielt die qualifizierte elektronische Signatur als mobile Fernsignatur künftig eine entscheidende Rolle. Diese wird nach den Vorgaben der Verordnung auch in Deutschland möglich.
  • Bei der Ergreifung dieser sich bietenden Chancen ist es unerlässlich, die Voraussetzungen der eIDAS-Verordnung für eine qualifizierte elektronische Signatur – insbesondere bei grenzüberschreitenden Lösungen – genau zu prüfen und kritisch zu hinterfragen. Die Berücksichtigung ausländischer Rechtsnormen, beispielsweise für die Identifikation im Rahmen der Ausstellung eines qualifizierten Zertifikats, spielt dabei eine wesentliche Rolle.
  • Trotz aller berechtigter Begeisterung für neue digitale Prozesse dürfen die nationalen Rechtsfolgen bei fehlender Schriftform – denn diese liegt immer dann vor, wenn den Anforderungen an eine qualifizierte elektronische Signatur nicht entsprochen wird – nicht aus dem Auge verloren werden. Die dazu ergangene Rechtsprechung macht deutlich, dass es mit der Empfang- bzw. Inanspruchnahme des Darlehens durch den Verbraucher keinesfalls getan ist.

Autor: Christoph Johannes Heibel, Rechtsanwalt und Bankjurist, Rechtsbereich, Kreditrecht, Deutsche Postbank AG


Interne Revision: Anforderungen an die Wirksamkeit

Ein Vergleich von IDW EPS 983 und MaRisk

Mit Veröffentlichung des Entwurfs des Prüfungsstandards „Grundsätze ordnungsmäßiger Prüfung von Internen Revisionssystemen“ (IDW EPS 983) durch das Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (IDW) sowie der vorläufigen Fassung des Revisionsstandards Nr. 3 („Prüfung von Internen Revisionssystemen (Quality Assessments)“) des DIIR – Deutsches Institut für Interne Revision e.V. existieren nunmehr weitere Normen zur Prüfung des Internen Revisionssystems. In diesem Beitrag erfolgt ein Vergleich mit den Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk). Im Beitrag „Interne Revisionsfunktion: Angemessenheit und Wirksamkeit“ (RevisionsPraktiker 12/2016-01/2017, S. 246-251) greifen die Autoren die allgemein anwendbare Definition der Begriffe „Wesentlichkeit“, „Angemessenheit“ bzw. „Wirksamkeit“ im IDW EPS 983 auf.

PRAXISTIPPS

  • Kritische Auseinandersetzung mit den Inhalten des IDW EPS 983 vor dem Hintergrund der MaRisk (Soll-/Soll-Vergleich); der IR kann hierbei die Rolle eines Coachs der Geschäftsleitung sowie des Aufsichtsorgans (Adressaten des IDW EPS 983; §§ 91 Abs. 2, 93 Abs. 1, 107 Abs. 3 S. 2 AktG) zukommen.
  • Abklärung der Erwartungshaltung der Geschäftsleitung sowie des Aufsichtsorgans durch Leiter IR hinsichtlich der Durchführung einer Prüfung nach IDW PS 983.
  • Proaktive Durchführung einer Selbstbeurteilung der IR auf Basis der 82 Einzelkriterien.
  • Grundsätzliche und zeitnahe Überwachung der Entwicklung nationaler und internationaler Normen und Best Practice zur IR.
  • Abklärung mit Abschlussprüfer über Auswirkungen des IDW EPS 983 auf dessen Tätigkeit.
  • Überwachung des Einflusses des IDW EPS 983 auf aufsichtsrechtliche Vorgaben zur IR.

Autoren:
Prof. Ulrich Bantleon, WP/StB, Hochschule Offenburg
Christoph Horn, CIA, CFSA, CRMA, Leiter Konzernrevision und Risikomanagement, Chief Compliance Officer, EGT, Triberg
Dr. Christoph Schmidt, LL.M. (oec.), Dipl. Betriebswirt (FH), One More Consulting


Kapitalplanung der Banken und Sparkassen: Aufsichtliche Vorgaben

Kapitalbedarf frühzeitig identifizieren und seine Erfüllung überwachen

Seit der vierten MaRisk-Novelle vom 14.12.2012 gelten bankenaufsichtliche Vorgaben zur Kapitalplanung und zum Kapitalplanungsprozess. Diese Vorgaben sind als Weiterentwicklung der bankenaufsichtlichen Vorgaben zur Risikotragfähigkeitsrechnung zu sehen. Ziel des Kapitalplanungsprozesses ist es, frühzeitig einen Kapitalbedarf zu identifizieren und diesen bzw. dessen Erfüllung im Weiteren zu planen bzw. zu überwachen.

PRAXISTIPPS

  • Im Rahmen des Prozesses der Kapitalplanung soll frühzeitig ein möglicher Kapitalbedarf aufgespürt werden. Als Ergänzung der eher kurzfristigen Risikotragfähigkeitsrechnung sollte hier ein im Zweifel längerfristiger Zeithorizont gewählt werden.
  • Änderungen des wirtschaftlichen Umfelds sowie der geschäftspolitischen Ausrichtung und der strategischen Ziele sind natürlich ebenfalls nicht zu vernachlässigen.
  • Nicht nur die reinen Planzahlen sind zu betrachten; vielmehr ist adversen Entwicklungen eine besondere Beachtung zu schenken.

Autor: Dr. Stefan Scheve, Leiter des Sachgebiets Sparkassen, Regionalbereich Banken und Finanzaufsicht, Deutsche Bundesbank, Hauptverwaltung in Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, Hannover


Copulas in der Marktpreisrisikosteuerung: Ein aktuelles Modellierungsbeispiel

Aufzeigen von Chancen und Risiken komplexer Risikomessverfahren anhand eines Praxisbeispiels

Im Rahmen der Gesamtbankrisikoaggregation sind Copulas hinlänglich bekannt, im Rahmen der Marktpreisrisikosteuerung zur integrierten Betrachtung von Zins- und Spreadrisiken finden sie jedoch (noch) kaum Anwendung. Der vorliegende Beitrag erläutert die Vor- und Nachteile anhand eines praktischen Beispiels und gibt Handlungsimpulse für Institute.

PRAXISTIPPS

  • Prüfen Sie, ob der Einsatz einer Copula – wenn auch nur zur Überprüfung Ihres bestehenden Modells – sinnvoll ist.
  • Copulas sind hochkomplex und verlangen viele Parameter, die es ebenfalls gut zu begründen gilt. Hier sollten Sie die Vor- und Nachteile der Anwendung kritisch einander gegenüberstellen.
  • Unbenommen dessen gilt es, aktuelle Marktpreisrisikomodelle kritisch im Kontext der Niedrigzinsphase zu analysieren.
  • Überlegen Sie, ob es gerade für die Risikotragfähigkeit nicht doch sinnvoll sein kann, mit einfachen Szenarien zu arbeiten.

Autoren:
Prof. Dr. Svend Reuse, Bereichsleiter Gesamtbanksteuerung, Stadtsparkasse Remscheid
Annika Rüder, Spezialistin Risikocontrolling, comdirect bank AG
Noel Boka, Spezialist Risikocontrolling, PSD Bank Rhein-Ruhr eG


Die neuen MaRisk: Ihre Bedeutung für das OpRisk-Management

Auswirkungen der neuen Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) auf das Management und Controlling operationeller Risiken

In dem Entwurf der neuen MaRisk finden sich verschiedene Neuerungen, die auf Handlungsbedarf für das Management operationeller Risiken schließen lassen. Der Beitrag thematisiert die geplanten Veränderungen mit Bezug zum OpRisk und gibt Handlungsempfehlungen.

PRAXISTIPPS

  • Das OpRisk-Management beginnt mit dessen institutsspezifischer Definition und seiner Abgrenzung zu anderen Risikokategorien.
  • Bei Verwendung einer institutsspezifischen OpRisk-Definition ist der Einbezug aller wesentlichen operationellen Risikoarten sicherzustellen.
  • In Zusammenhang mit der Implementierung einer angemessenen Risikokultur und der Erhöhung des Risikobewusstseins im Institut ist der Kommunikation der internen OpRisk-Definition an die Mitarbeiter eine hohe Bedeutung beizumessen.
  • Bei Verlustfällen, die nicht eindeutig einer Risikokategorie zugeordnet werden können, ist durch eine Ursachenanalyse eine möglichst eindeutige Kategorisierung sicherzustellen.
  • Der Prozess der Verlustdatensammlung sollte möglichst genau definiert, dokumentiert und im gesamten Institut kommuniziert sein.
  • Die Einführung einer Bagatellgrenze bei der Schadenfallsammlung kann zweckmäßig sein, um den Aufwand für die Erfassung zu reduzieren.
  • Eine dezentrale Erfassung von Ereignissen in der Schadenfallsammlung kann das Risikobewusstsein bei den Mitarbeitern erhöhen.
  • Die Vollständigkeit der Schadenfallsammlung kann durch Kontenabfragen, Abgleiche mit dem Beschwerdemanagement und einem Austausch mit der Rechtsabteilung und zentralen Funktionen erhöht werden.
  • Die Anforderungen zur Risikoberichterstattung erfordern auch für kleinere Institute, ihre Reporting-Prozesse zu optimieren, um so die geforderte Zeitnähe und Verlässlichkeit der Informationen sicherzustellen.
  • Fehler im Neu-Produkt-Prozess können zu Verlustereignissen führen. Eine Beteiligung der OpRisk-Verantwortlichen am Überprüfungsprozess ist vor diesem Hintergrund empfehlenswert.
  • Das Auslagerungsmanagement stellt sicher, den aufsichtsrechtlichen Vorgaben gerecht zu werden und insbesondere das Risiko, das aus der Auslagerungsbeziehung erwächst, zu beherrschen. Es ist in Abhängigkeit von Größe und Komplexität des Auslagerungsportfolios zu gestalten.
  • In der Schadenfallsammlung des auslagernden Instituts sind auch Ereignisse zu erfassen, die aus ausgelagerten Aktivitäten und Prozessen entstanden sind.

Autorin: Sandra Strelow, Revisorin, Allgemeine Revision, Deutsche WertpapierService Bank AG


Erschienen im BankPraktiker, Ausgabe 03/2017
Weitere Infos unter http://www.bankpraktiker.de/

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