Quick-Check-Analyse Kreditentscheider und Votierer

15. März 2017 in Kategorie Kredit

von
Dr. Thomas Kohlhase
Senior Credit Analyst, Fixed Income, Talanx Asset Management GmbH


Kreditentscheider und Votierer müssen in der Alltagspraxis häufig innerhalb kurzer Zeit mehrere Kreditentscheidungsvorlagen prüfen und genehmigen. Die Bilanzund Bonitätsanalyse als Grundlage von Kreditentscheidungen darf auch dabei nicht zu kurz kommen. Durch zielgenaue Analyse und Anwendung zentraler Kennzahlen, Konsistenzchecks und kritisches Hinterfragen lassen sich in kurzer Zeit wichtige Erkenntnisse gewinnen.

Der Bonitätsanalyse kommt im Rahmen des Firmenkundenkreditgeschäftes ein sehr hoher Stellenwert zu. Aus der Analyse von Jahresabschlusszahlen und unterjährigen Daten lassen sich nicht nur wichtige Hinweise über das Risikoprofil eines Kunden gewinnen, sondern auch Ansatzpunkte für Neugeschäft. Die Ergebnisse der Bonitätsanalyse determinieren maßgeblich die damit verbundene Kreditwürdigkeit und den Risikoappetit einer Bank. Über die daraus abzuleitende Ausfallwahrscheinlichkeit wird nicht nur das Pricing bestimmt, sondern auch Art und Höhe des Geschäfts sowie gegebenenfalls dessen Strukturierung.

Mit Hilfe der Quick-Check-Analyse von Kundenbilanzen können Entscheider auf Markt- und Marktfolgeseite schnell das Gesamtrisikoprofil eines Firmenkunden erfassen. Ausgehend von der Branchenanalyse, über das Aufspüren zentraler bilanzpolitischer Stellschrauben bis zur Identifizierung von Schlüsselkennzahlen eignet sich diese Konzeption nicht nur für das Bestandskundengeschäft, sondern auch für die Akquisition von Neukunden.

Abhängig vom Geschäftsmodell des Kunden stellt die Branchenanalyse dabei einen zentralen Bestandteil einer ausgewogenen Bonitätsbeurteilung dar. Denn die übergeordnete Wettbewerbs- und Wachstumsdynamik sowie Zyklik einer Branche haben nicht zuletzt Rückkoppelungen auf das Ergebnis und die erwirtschafteten Cashflows eines Unternehmens. Mit Hilfe des Five-Forces-Konzepts nach Porter lassen sich dabei zügig erste Erkenntnisse zur Gesamtbeurteilung ableiten. Auch das Erkennen von Frühwarnindikatoren innerhalb eines Sektors und die Identifikation von No-Go-Branchen spielen eine wichtige Rolle.

Für Firmenkunden, die nach BilMog bilanzieren, eröffnen außerdem zentrale bilanzpolitische Stellschrauben Möglichkeiten, ihren Ausweis zu gestalten. Wichtige Positionen wie u. a. Herstellungskosten, Firmenwert, (Pensions-)Rückstellungen und weitere Positionen, gilt es sich genau auf Ansatz und Bewertung anzuschauen. Im Anschluss daran können die bilanzpolitischen Auswirkungen erst aufgedeckt werden. Mit Unterstützung von Risiko-Quick-Check- Listen lassen sich die wichtigsten Aspekte einer Unternehmensanalyse schnell abarbeiten und aufdecken.

Das Gesamtbild, das man sich vom betreffenden Unternehmen macht, nimmt nun klare Züge an. Noch deutlicher wird der Gesamteindruck schließlich durch die Anwendung spezieller Kennzahlen. Dabei geht es darum, aus mehreren hundert möglichen Kennzahlen, die sich aus einem Jahresabschluss berechnen lassen, nur jene – sogar nur eine Handvoll – Kennzahlen auszuwählen, die zur Beurteilung der tatsächlichen Vermögens-, Finanz- und Ertragslage ausreichend sind. Durch die Fokussierung auf wenige Zahlen, welche Kapitalstruktur, Cashflow und Schuldentilgungsfähigkeit berücksichtigen, wird zudem der Blick auf das Wesentliche geschärft.

Außerdem gilt es, die Kennzahlen richtig (z. B. je nach Branche und Geschäftsmodell) zu interpretieren: Eine operative Marge von einem Prozent mag für ein Handelsunternehmen ausreichend sein, würde aber für ein fertigungsintensives Unternehmen mittelfristig den Ruin bedeuten.

PRAXISTIPPS

  • SWOT-Analysen gemeinsam zwischen Markt- und Marktfolgeseite erarbeiten
  • Checklisten erstellen, um Faktoren wie Branche, Risikoprofil, Krisenindikatoren, Neugeschäftspotentiale etc. strukturiert darzustellen

SEMINARTIPPS

BUCHTIPP


Dumas/Fentz/Gudera/Kohlhase/Steffen-Taege/Strauß

Fachbuch für die Branchenanalyse

Erscheinungstermin: 15.06.2016
Umfang: 231 Seiten
Preis: € 119,-
ISBN: 978-3-95725-006-3
Hier erhalten Sie weitere Infos zum Buch und die Möglichkeit zur Bestellung im Online-Shop

 

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Dieser Beitrag ist erschienen im Newsletter Banken-Times SPEZIAL Kredit,
Ausgabe März 2017
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(Kostenlose) Bestellung möglich unter http://www.fc-heidelberg.de/bankentimes
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