Das Kreditmeldewesen im Fokus externer und interner Prüfungen

24. März 2017 in Kategorie Revision

von
Andreas Gertz
Diplom-Kaufmann
Fachrevisor in der Abteilung Kreditrevision, Schwerpunkte Prüfung des Kreditgeschäfts und der Problemkreditbearbeitung einschl. Risikovorsorge, Kredit-Meldewesen, Projektarbeit Sparkasse Essen


Die Groß- und Millionenkreditvorschriften gehören zu den wichtigsten gesetzlichen Normen der Kreditwirtschaft. Sie sind regelmäßig Gegenstand externer Prüfungen. Untersuchungen des KWG-Meldewesens erfolgen in Sparkassen durch die regelmäßige (häufig jährliche) Prüfung des zuständigen Sparkassenverbands oder durch unregelmäßige Prüfungen der Aufsicht.

Die Interne Revision prüft und beurteilt die Wirksamkeit und Angemessenheit des Risikomanagements und des Internen Kontrollsystems sowie die Ordnungsmäßigkeit grundsätzlich aller Prozesse und Aktivitäten.

Insbesondere dient ihre Tätigkeit der Einhaltung der für das Kreditinstitut geltenden Gesetze und sonstiger Vorschriften und der Sicherung der Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit der Geschäftstätigkeit des Kreditinstituts. Somit steht das Kredit-Meldewesen regelmäßig im Fokus der Prüfungstätigkeiten der Internen Revision. Die nachfolgende Übersicht zeigt auf, wie sich der Prüfer dem Prüffeld „Kredit-Meldewesen“ nähern kann und wo die Schwerpunkte der Prüfung des Kredit-Meldewesens gesetzt werden können.

Prüfungsansätze und -schwerpunkte

  • Idealerweise verfügt die Prüferin/der Prüfer über Leserechte der Meldewesen- Software.
  • Die Prüfung des Kredit-Meldewesens kann als separate Funktionsprüfung oder als integraler Bestandteil einer Kreditengagementprüfung durchgeführt werden. Letztere bietet den Vorteil, die Einhaltung aufsichtsrechtlicher Regelungen feststellen zu können und Aussagen zur Bonität eines Kreditnehmers/ einer Gruppe verbundener Kunden treffen zu können.
  • Jede Engagementprüfung sollte die Untersuchung der Vollständigkeit und Richtigkeit der Kreditnehmereinheit/ der Gruppe verbundener Kunden umfassen. Die Richtigkeit des Kreditverbunds ist für eine ordnungsgemäße Meldung von sehr hoher Bedeutung.
  • Weitere Schwerpunkte der Prüfung sollten die Beschlussfassung (bei Großkrediten), die Stammdaten, die eigentliche Groß- und Millionenkreditmeldung (Betragsdaten) und die Einhaltung der Großkreditobergrenze sein.
  • Die Prüfung von Millionenkrediten kann auf Basis einer geeigneten Stichprobe erfolgen; im Großkreditregime kann hingegen eine Vollprüfung erforderlich sein (Grund: tendenziell geringe Anzahl von Großkrediten im Institut; jeweils individuelle Regelungen).
  • Prüfungen von Groß- und Millionenkreditmeldungen (einschließlich der Durchschau von Konstrukten) können anhand detaillierter Checklisten vollständig und systematisch überprüft werden.
  • Die Überprüfung der Betragsdaten erfordert gute Kenntnisse der kreditwirtschaftlichen Regelungen (u. a. zur Beschlussfassung, Sicherheitenverrechnung, EWB-Bildung). Die Untersuchung des RWA erfordert zusätzlich Kenntnisse der Eigenkapitalunterlegung einzelner Risikoklassen.
  • Der Abgleich der Betragsdaten im Haupt- und/ oder Subsystem mit denen in der Meldewesen-Software und der Meldung fördert das Verständnis der Meldewesen Systematik.
  • Schließlich sollte der Fokus der Prüfungstätigkeiten auf manuelle Eingriffe in das Kredit-Meldewesen gelegt werden (z. B. manuelle Erfassung von Sicherheiten, Bearbeitung indirekter Beteiligungen).

PRAXISTIPPS

  • Die Bildung und Überprüfung von Kreditnehmereinheiten/Gruppen verbundener Kunden sollte eindeutig in den Internen Organisationsrichtlinien geregelt sein. Diese sollten auch die Differenzierung von KNE und GvK und die Bildung von Silos im Rahmen des sog. Kommunalkonzernsplittings enthalten.
  • Achten Sie auf pragmatische Lösungen! (z. B. Vorratsbeschlüsse, Ausschluss bestimmter Privilegierungen und Ausnahmeregelungen); Voraussetzung: aufsichtsrechtlich vertretbar.
  • Die Überschreitung der Großkreditobergrenze sollte organisatorisch ausgeschlossen sein; gleichwohl sollte ein Maßnahmenkatalog definiert sein, wenn es zu einer Überschreitung kommt (z. B. aufgrund von Fusionen von Kreditnehmern).
  • Bei manuellen Eingriffen in das Meldewesen ist ein in den internen Organisationsrichtlinien dokumentiertes funktionsfähiges Internes Kontrollsystem erforderlich.
  • Für die genutzte Meldewesen-Software ist durch den Administrator ein aktuelles Rollen-/Rechte-Konzept vorzuhalten.

SEMINARTIPPS

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Dieser Beitrag ist erschienen im Newsletter Banken-Times SPEZIAL Revision, Ausgabe März 2017.
(Kostenlose) Bestellung möglich unter http://www.fc-heidelberg.de/bankentimes
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