GmbH & Co. KGs bei Leasingobjektfinanzierungen

12. April 2017 in Kategorie Leasing

von
Marcus Schmitt
Kreditreferent, Kapitalmarkt Service-Center, Nassauische Sparkasse


Ein Charakteristikum von GmbH & Co. KGs ist die Möglichkeit, die Haftung zu beschränken. So ist der Vollhafter (Komplementär) zumeist eine Management-GmbH, die keine Eigenbonität aufweist. Das Eigenkapital wird im Wesentlichen vom Kommanditisten zur Verfügung gestellt. Dessen Haftung ist auf das Kommanditkapital beschränkt. Die Möglichkeit der Haftungsbeschränkung ist gerade für Non-Recourse-Leasing-objektfinanzierungen interessant. Wie können solche Finanzierungen nun beurteilt werden?

Non-Recourse-Leasingobjektfinanzierung

Die Hausbanken bieten in Zusammenarbeit mit Leasinggesellschaften Objektfinanzierungen in Form eines Leasingmodells an. Dabei werden das Leasingobjekt und die zugehörige Finanzierung auf die individuellen Bedürfnisse des Kunden (= Leasingnehmer) zugeschnitten und die Bau- und spätere Objektbetreuung wird als Servicekomponente durchgeführt. Dies spart Kapazitäten und Kosten beim Kunden und er kann auf das Know-how der Leasingge-sellschaft zurückgreifen. Darüber hinaus besteht nach HGB auch die Möglichkeit, die Investition außerhalb der Bilanz darzustellen, was zu einer Verkürzung der Bilanzsumme und damit höheren Eigenkapitalquote führt. Nach IFRS jedoch ist dies nach dem künftigen Rechnungslegungsstandard (IFRS 16) kaum noch möglich.

Grundlage der Finanzierung ist der Leasingvertrag zwischen der Leasingobjektgesellschaft (= Leasinggeber), der die Finanzierung aufnimmt, und dem Kunden (= Leasingnehmer). Hier können Vollamortisationsverträge sowie Teilamortisationsverträge ohne offenen Restwert (= Andienungsrecht des Leasinggebers an den Leasingnehmer zu einem vorher festgelegten Restwert in Höhe der restlichen Finanzierung) und mit offenen Restwert (= kein Andienungsrecht des Leasinggebers) individuell vereinbart werden.

Die Gesellschafter der GmbH & Co. KG haften bei der Finanzierung über das ggf. eingebrachte Eigenkapital hinaus nicht. Dies wird zusätzlich in den Kreditverträgen explizit vereinbart.

Aufbau

Der Komplementär der Leasingobjektgesellschaft ist eine reine Management-GmbH im Eigentum der Leasinggesellschaft. Da die Stimmrechte beim Komplementär liegen, sichert sich die Leasinggesellschaft hierüber die Geschäftsführung an der Objektgesellschaft. Ein ggf. bestehender Eigenkapitalanteil für die Finanzierung kann dann vom Leasingnehmer als Kommanditist eingebracht werden. Für Baukostenerhöhungen und Bauzeitüberschreitungen haftet i. d. R. im Rahmen vertraglicher Vereinbarungen der Leasingnehmer, der die zusätzlichen Mittel häufig dann als nachrangige Gesellschafterdarlehen einbringt.

Gruppe verbundener Kunden (GvK)/ Kreditnehmer nach § 14 KWG (KNE)

Prinzipiell ist die Leasingobjektgesellschaft zunächst der GvK und KNE der Leasinggesellschaft zuzurechnen. Darüber hinaus könnte jedoch die Kreditnehmerfiktion der BaFin (RS BA 52-K5200-2013/002 vom 02.07.2014) greifen und damit die Zurechnung der Leasingobjektgesellschaft zu der GvK und KNE des Leasingnehmers. Dies ist immer anhand der von der BaFin im Rundschreiben genannten Kriterien individuell zu prüfen. Dabei ist zu beachten, dass die Kreditnehmerfiktion noch vorbehaltlich der Zustimmung der Europäischen Bankaufsicht aufgestellt wurde und sich hier ggf. noch eine andere Auffassung durchsetzen kann.

Was bedeutet das für die Analyse?

Die Kreditgeber müssen allein auf die zukünftig zu erwirtschaftenden Cashflows aus dem Objekt und dessen Vermögenswertentwicklung in der Kreditentscheidung abstellen. Dabei ist die Amortisation der Finanzierung während der Leasingvertragslaufzeit zu beachten.

Bei Vollamortisation und Teilamortisation ohne offenen Restwert kann alleine auf die wirtschaftlichen Verhältnisse des Leasingnehmers abgestellt werden. Das Leasingobjekt gewinnt hier mehr den Charakter einer Sicherheit. Bei Teilamortisation mit offenem Restwert ist zusätzlich die Vermietbarkeit und Verwertbarkeit des Leasingobjektes am Ende der Leasingvertragslaufzeit zu beurteilen. Denn nur hieraus kann der offene Restwert dann zurückgeführt werden.

Rating

Das Rating spiegelt in den oben genannten Vertragsmodellen immer die Bonität des Leasingnehmers wider. Bei einem offenen Restwert nach Ablauf des Leasingvertrages ist zusätzlich eine Objektbonität zu ermitteln und die Gesamtratingnote einzubeziehen. Entsprechende Ratingtools für Non- Recourse-Leasingobjektfinanzierungen sind hierzu notwendig.

Fazit

Bei Non-Recourse-Leasingobjektfinanzie-rungen bietet die Rechtsform der GmbH & Co. KG gute Möglichkeiten die typische Haftungsbeschränkung für diese Finanzierungen unkompliziert umzusetzen. Für die Kreditgeber besteht nicht die Möglichkeit, über das Finanzierungsobjekt hinaus zusätzliche Sicherheiten einzuholen und damit die Haftungsbeschränkung rückgängig zu machen. Es ist explizit auf die nachhaltig zu erzielenden Cashflows und damit den Leasingnehmer abzustellen. Bei einem offenen Restwert kommt noch zusätzlich das Objekt hinzu, aus dem dieser zurückgeführt wird.

PRAXISTIPPS

  • Genaue Analyse des zugrunde liegenden Leasingvertrages, da sich hieraus die wesentlichen Risiken für den Kreditgeber ergeben.
  • Individuelle Prüfung der Kreditnehmerfiktion gem. BaFin-Rundschreiben.

SEMINARTIPPS

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Dieser Beitrag ist erschienen im Newsletter Banken-Times SPEZIAL Leasing, Ausgabe 2. Quartal 2017.
(Kostenlose) Bestellung möglich unter http://www.fc-heidelberg.de/bankentimes
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