Mind the Gap – oder warum man Dolmetscher für die Weltsprache Englisch bucht

17. April 2017 in Kategorie AufsichtsEnglisch

von
Renate Kretz
Konferenzdolmetscherin, AIIC Deutschland – Internationaler Verband der Konferenzdolmetscher


Sie ist wohl jedem schon einmal passiert – die berühmte Verständnislücke mitten im Fachgespräch. Trifft HGB auf GAAP und IFRS, steht die „German GAAP“ dabei nicht für die berühmte „Mind-the-Gap“-Ansage in der Londoner U-Bahn, sondern für die „deutsche Rechnungslegung nach HGB“, also die „German Generally Accepted Accounting Principles“ im Unterschied zu den „International Financial Reporting Standards“.

Man könnte viele Beispiele anführen, zumal mit jeder EU-Verordnung und jeder Verhandlungsrunde für internationale Finanz- und Handelsabkommen neue politische wie fachliche, meist aus dem Angelsächsischen stammende Begrifflichkeiten hinzukommen. Englisch ist heute die bestimmende Weltsprache, und ihre Sprecher kommen aus ganz unterschiedlichen Rechts-, Finanz-, Wirtschafts- und Sprachsystemen. Sie haben unterschiedliche Sprechgewohnheiten, Akzente und Terminologien.

Hier setzt die Arbeit von professionellen Konferenzdolmetschern an – selbst wenn die Geschäfts- und Verhandlungspartner über sehr gute Englischkenntnisse verfügen. Eine simultane Verdolmetschung umschifft potenzielle sprachliche, kulturelle oder terminologische Missverständnisse und ermöglicht es den Diskutierenden, sich voll und ganz auf die Gesprächsführung sowie die zu verhandelnden Inhalte zu konzentrieren. Sitzungen von Kontrollorganen, in denen komplexe finanzielle Zusammenhänge wie z. B. Anforderungen der internationalen Regulierungsbehörden diskutiert werden, stellen nur eines von vielen möglichen Beispielen dar.

Ist wirklich sichergestellt, dass die genutzten englischen Begriffe allen Beteiligten in ihrer gesamten Bedeutung vertraut sind? Oder besteht das Risiko, dass die für bestimmte Kompetenzbereiche verantwortlichen Personen einem Prozess nicht bis in alle relevanten Details folgen können? Dolmetscher haben die Erfahrung gemacht, dass Einführungsschulungen, die von muttersprachlichen Fachexperten angeboten und von erfahrenen Dolmetschern begleitet werden, eine gute Lösung sein können.

Da bei vielen angelsächsischen Begriffen keine 1-zu-1-Übersetzung ins Deutsche, Italienische oder Französische besteht, wird in solchen Schulungsmodulen zunächst von (englischsprachigen) Experten der genaue Hintergrund bzw. das Konzept bestimmter Begriffe erklärt und mittels Verdolmetschung den nicht-englischsprachigen Teilnehmern erschlossen. Einige Unternehmen bieten ihren Führungskräften und Mitarbeitern, insbesondere in Bereichen wie Rechnungslegung, Aktuariat oder Compliance, bereits derartige Schulungen an.

Der Einsatz von Dolmetschern ist immer auch ein Abwägen des langfristigen Nutzens. Möchte ein Unternehmen in einem internationalen Kontext agieren, so empfiehlt es sich, von Beginn an das Thema der Sprachversiertheit aller Beteiligten zu berücksichtigen. Sprache fliegt einem nicht zu, und ein deutscher Mitarbeiter, der in seinem Fachgebiet exzellent ist, ist nicht zwangsläufig auch ein hervorragender Kommunikator in Englisch oder einer weiteren Fremdsprache.

Die Teilnahme an internationalen Verhandlungen, Projekten und Arbeitsgruppen sollte dennoch selbstverständlich sein, z. B. per Dolmetscher. Oder dadurch, dass themenspezifische Einführungen und Schulungen in den oben genannten Fachgebieten für die relevanten Fremdsprachen angeboten werden. Ansonsten droht der schleichende Verlust von Kompetenzen innerhalb des Unternehmens. Und das wiederum könnte für ein Unternehmen deutlich teurer werden als die Investition in entsprechende Maßnahmen.

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Dieser Beitrag ist erschienen im Newsletter Banken-Times SPEZIAL AufsichtsEnglisch,
Ausgabe Februar/März 2017
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