Risikokultur – Schwerpunktthema der neuen MaRisk

26. April 2017 in Kategorie Geschäftsleitung

von
Dr. Michael Schiwietz
Leiter Kreditrevision, UniCredit Bank AG


Eine der wichtigsten und grundlegendsten Neuerungen der aktuellen Überarbeitung der MaRisk ist das Thema der Risikokultur. Mangelndes Risikobewusstsein, unangemessene Geschäftspraktiken und übermäßige Risikoübernahme waren ursächlich für die Schieflagen von Einzelinstituten und in der Konsequenz auch für die Krise des gesamten Finanzsystems.

Vor diesem Hintergrund wurde das Thema der Risikokultur international intensiv diskutiert und hat seinen Niederschlag im aufsichtlichen Überprüfungsprozess (SREP) der EZB als Teil des Verhaltensrisikos („conduct risk“) gefunden. Mit den Anforderungen an eine angemessene Risikokultur im Rahmen der MaRisk zieht die BaFin hier nach.

Kultur ist ein wesentlicher Treiber von Denken und Handeln. Und ohne ausgeprägte Risikokultur sind die etablierten Methoden, Verfahren und Prozesse des Risikomanagements limitiert wirksam. Wesentlicher Bestandteil einer verantwortungsvollen Unternehmensführung ist daher die bewusste Entwicklung und Förderung einer angemessenen Risikokultur auf allen Institutsebenen.

Neben der Festlegung strategischer Ziele und des Risikoappetits des Instituts wird hierdurch die bewusste Auseinandersetzung mit traditionellen und neuen Risiken im täglichen Geschäft fest in der Unternehmenskultur verankert. Ein glaubwürdiges und auf allen Führungsebenen vorgelebtes Wertesystem und ein geeigneter Verhaltenskodex sollen Mitarbeiter zu ethisch und ökonomisch wünschenswertem Verhalten anleiten.

Angesichts ihrer herausgehobenen Rolle ist die Interne Revision in besonderer Weise Teil der Unternehmens- und Risikokultur. Dies setzt bei Prüfern und Prüfungsleitern ein intensives Verständnis der unternehmerischen Werte und Strategien voraus, weit über formale Regelungen und Vorgaben hinaus. Risikokultur und Risikoverhalten sollten prägende Elemente der täglichen Revisionspraxis sein. Dies gilt gleichwohl bei Prüfungen, der Begleitung von Projekten, der laufenden Kommunikation mit den Unternehmensbereichen wie auch nicht zuletzt bei der Maßnahmenverfolgung.

Die Beurteilung der Risikokultur stellt auch erfahrene Prüfer vor Herausforderungen. Gewohnt, ihr Urteil auf Basis eindeutiger Evidenz und Fakten zu bilden, erfordert es einen qualitativen Entwicklungsprozess, weniger greifbare und messbare Beobachtungen zu verknüpfen, zu gewichten, plausibel und nachvollziehbar zusammen zu führen und konkrete Maßnahmen abzuleiten. Wegen ihres potenziell sehr persönlichen Charakters können Aussagen zur Risikokultur in Revisionsberichten besondere Brisanz entwickeln.

Mit Weitblick für die diversen Ausprägungen traditioneller und neuer Risiken kann die Revision auch jenseits formeller Vorgaben das Verhalten im Umgang mit Risiken hinterfragen und Defizite thematisieren. Dies eröffnet neue Perspektiven der Revisionstätigkeit, abhängig – ausgehend von den Leitungsfunktionen – von der Revisionskultur im Unternehmen und einem positiv-konstruktiven Umgang mit deren Empfehlungen und Maßnahmen.

PRAXISTIPPS

  • Greifen Sie das Thema Risikokultur auf und setzen Sie sich bewusst damit auseinander.
  • Hinterfragen Sie, wie das Thema von den Governance Gremien bespielt und wirksam in das Institut getragen wird.
  • Haben Sie einen Blick auf entsprechende Entwicklungen im Institut
  • Beziehen Sie die Risikokultur in ihren diversen Ausprägungen aktiv in ihre Prüfungspraxis mit ein, sei es durch eigene Prüfungen derselben oder dadurch, dass ein Bewusstsein für Aspekte der Risikokultur bei allen Prüfungen mitschwingt.
  • Berücksichtigen Sie, dass eine praktizierte Risikokultur auch ein Thema für die Revision selbst darstellt.

SEMINARTIPPS

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Dieser Beitrag ist erschienen im Newsletter Banken-Times SPEZIAL Geschäftsleitung, Ausgabe April 2017.
(Kostenlose) Bestellung möglich unter http://www.fc-heidelberg.de/bankentimes
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