RevisionsPraktiker 04-05/2017

Liebe Leserinnen und Leser,

etwas über ein Jahr ist nun seit Einführung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie vergangen und man kann sicher behaupten, dass es für die Bankenbranche eine bisweilen schwere Geburt war. Die Eingriffe des Gesetzgebers unter dem Anstrich des Verbraucherschutzes sind weitreichend, in manchen Fällen gar dramatisch. Der faktische Ausschluss älterer Menschen vom Kreditmarkt, die Stigmatisierung befristet Beschäftigter als nicht nachhaltig kreditwürdig und der massive Eingriff in die persönliche Lebensgestaltung, wie z. B. das Verbot, die Rückführung des Darlehens aus dem finanzierten Objekt zu ermöglichen sind geschaffene Tatsachen, welche man sich vor einigen Jahren nicht einmal im Traum vorstellen konnte.

Den wohlgemeinten Ansatz, den Verbraucher vor Negativeffekten zu schützen, wie sie in der Immobilienkrise in den USA entstanden sind, darf man dabei nicht verkennen und im aktuellen Marktumfeld werden zunehmend Warnungen vor solchen Immobilienblasen vorgetragen.

Doch es war sicher nicht das Geschäftsmodell der deutschen Immobilienfinanzierer, überteuerte Immobilien zu verkaufen und immer höher zu beleihen, um weitere Kredite vergeben zu können. Die Kreditausfälle der Vergangenheit haben gezeigt, dass zum einen die Banken grundsätzlich mit Augenmaß Kredite vergeben haben und zum anderen die Kreditnehmer „fürs Häusle“ bereit sind, auch weitreichende Einschränkungen in der individuellen Lebensführung hinzunehmen, um die Immobilie zu halten. Einschränkungen wohlgemerkt, die sich der Kreditnehmer selbst auferlegt, nicht der Gesetzgeber!

Nun aber hat die Gesetzgebung tatsächlich auf die deutlichen Hinweise aus der Praxis reagiert und Nachbesserungen bei der Wohnimmobilienkreditrichtlinie auf den Weg gebracht. Der Bundesrat spricht in seiner Stellungnahme davon, dass die geplanten Änderungen zu mehr Rechtssicherheit und mehr Kreditvergabemöglichkeiten führen und dies „gut, richtig und wichtig“ sei. Ärgerlich nur, dass es erst Nachjustierungen bedarf, statt das man im Vorfeld auf exakt die Einwände aus der Kreditwirtschaft gehört hätte, die nun auf offenere Ohren stoßen. Es bleibt zu hoffen, dass die Einsicht weiter um sich greift und weitere Entschärfungen folgen werden.

Welche Wirkung dabei die geplanten Eingriffsmöglichkeiten in die Geschäftstätigkeit der BaFin, z. B. bei drohenden Immobilienblasen haben werden, kann heute noch nicht abgeschätzt werden. Es bleibt zu hoffen, dass die BaFin den Auftrag der proportionalen Aufsicht auch weiterhin mit Augenmaß lebt.

Was bedeutet dies nun aber für die Interne Revision? Sie ist letztlich in einem Spannungsfeld gefangen, so dass sie die Einhaltung von Regelungen einfordern muss, auch wenn sich ihr die Sinnhaftigkeit mancher Regelung nicht erschließt. Sie sollte die Rechtssicherheit im Auge behalten, aber auch darauf achten, dass die Auslegung der Rechtsnormen noch eine solide Geschäftsgrundlage für die Bank gewährleistet. Wenn nur ein abgelehnter Kredit ein juristisch einwandfreier Kredit ist, haben letztlich alle verloren. Die Überarbeitung der gesetzlichen Grundlage lässt aber hoffen, dass sich das angesprochene Spannungsfeld künftig entschärfen wird.

Freundliche Grüße und viel Spaß bei der Lektüre
Holger Aurisch
Bereichsdirektor Interne Revision, Volksbank Breisgau Nord eG


Risikotragfähigkeit: Risikokultur und das Konfidenzniveau

Analyse und Überwachung durch die Interne Revision

Das Konfidenzniveau ist ein wichtiger Teil der Gesamtheit aller Annahmen und Parametern, die für die Risikoquantifizierung unterstellt werden. Es ist jedoch nicht losgelöst von der Risikokultur, Risikoappetit und Risikostrategie zu sehen. Veränderungen des Konfidenzniveaus sind zu analysieren und mit dem Überwachungsorgan zu erörtern.

Autor: Dr. Karsten Geiersbach, Bereichsdirektor Innenrevision der Kasseler Sparkasse


Informationssicherheitskreislauf: Der Weg in die Risikosteuerung

Bankenaufsichtliche Anforderungen an die Interne Revision

Ein etablierter Informationssicherheitskreislauf muss heute nach jahrelangen Bemühungen in allen der deutschen Bankenaufsicht unterliegenden Instituten vorausgesetzt werden. Die Anforderung der MaRisk AT 7.2 nach Einhaltung gängiger Standards hat in den vergangenen Jahren zur Einführung von Informationssicherheits-Prozessen geführt. Mit den voraussichtlichen Formulierungen der „Bankenaufsichtlichen Anforderungen an die IT“ (BAIT) im Jahr 2017 wird dies auch nochmals bankenaufsichtlich konkretisiert – in jedem Institut sind demnach Prozesse der Informationssicherheit zu etablieren, die dem typischen Regelkreisdenken aus Planung, Umsetzung, Kontrolle, Optimierung und Verbesserung entsprechen. In vielen Häusern besteht jedoch Handlungsbedarf bez. der Verbindung des Informationssicherheits- mit den Imformationsrisikomanagement und der Verbindung zu den Risikosteuerungs- und -controllingprozessen.

Autoren:
Robert Kaltenböck, Abteilungsleiter IT-Consulting, Deutscher Sparkassenverlag
Dr. Ralf Kühn, Wirtschaftsprüfer/CPA, ebenso CIA/CISA, Geschäftsführer Audit GmbH Karlsruhe Stuttgart WPG


Effizienzsteigerung: Optimierung in der Internen Revision

Potentiale zu Effizienzsteigerungen in der Internen Revision vor dem Hintergrund notwendiger Kosteneinsparungen in Kreditinstituten

Der steigende Kostendruck in Kreditinstituten verschließt sich auch nicht vor der Internen Revision. Die Herausforderungen bestehen darin, mit den begrenzt zur Verfügung stehenden Ressourcen den permanent steigenden Anforderungen in einem sich wandelnden Umfeld unter Beibehaltung eines hohen Qualitätsanspruches gerecht zu werden. So wie alle Prozesse und Abläufe eines Kreditinstitutes permanent auf Optimierungspotenziale überprüft werden, ist die Notwendigkeit für die Prozesse in der Internen Revision ebenso erforderlich.

Autor: Marko Mohrenz, Bereichsleiter Interne Revision, Volksbank Greven eG


Baurevision: Checklisten zur Prüfung von Baumaßnahmen

Ansatzpunkte für die Prüfungsorganisation

Checklisten sind auch für die Baurevision ein unverzichtbarer Bestandteil der Prüfungsorganisation. Gerade in Anbetracht der Revisionsprüfung von Baumaßnahmen durch Nichtbaufachleuten sollten die Grenzen des Einsatzes von Checklisten bei der Prüfung erkannt werden.

Autor: Hans-Peter Lang, Dipl. Ing. Architekt, Baurevisor, Frankfurter Sparkasse, Dozent in verschiedenen Verbänden


Offenlegungsberichte: Prüfung nach neuen aufsichtsrechtlichen Anforderungen

Beurteilung der materiellen und formellen Ordnungsmäßigkeit der Offenlegung gem. CRR durch die Innenrevision

Gemäß Art.433 Abs. 1 CRR veröffentlichen Institute regelmäßig – mindestens jährlich – die in den Art. 435 bis 455 CRR geforderten Angaben. Vor Veröffentlichung des Offenlegungsberichtes sollten sowohl die qualitativen als auch die quantitativen Angaben einer Prüfung unterzogen werden. Daneben sollte überprüft werden, ob das im Art. 431 Abs. 3 CRR geforderte formelle Verfahren implementiert wurde.

Autor: Katja Ries, fachliche Leitung Spezialistenteam Aufsichtsrecht, Genossenschaftsverband e. V.


Zinsrisiken: Wesentliche Anforderungen an die Interne Revision

Praxisorientierte Prüfungsansätze für die Prüfung der aufsichtlichen Meldeanforderungen im Bereich der Zinsrisiken

Die verstärkten aufsichtsrechtlichen Anforderungen an die Beachtung von Zinsänderungsrisiken schlagen sich auch im Meldewesen nieder. Aus den SREP-Anforderungen resultieren in der Folge zinsinduzierte Eigenkapitalanforderungen. Die Erwartungen der Bankenaufsicht an die Interne Revision sind hinsichtlich der Prüfung des Zinsrisikomanagements gestiegen. Der Artikel gibt diesbezüglich grundlegende Prüfungsansätze.

Autor: Stefan Prasser (CIA), Dipl.-Math., Referent Interne Revision für Gesamtbanksteuerung, Kasseler Sparkasse


Risikoprüfung Bauträgerkredite: Mehrwert im ertragsschwachen Bankenumfeld

Schlüsselrisiken erkennen, § 44 KWG-Relevanz und Anregungen für die Prüfungspraxis

Das Bauträgergeschäft zählt zweifellos zu den anspruchsvollen und risikoreichen Geschäftsfeldern von Kreditinstituten. Probleme bis hin zur Insolvenz des Bauträgers sind alltäglich. Erst dann zeigt sich, ob eine Bank und ihr Risikomanagement das Bauträgerkreditgeschäft beherrscht. Deshalb soll dieser Beitrag die Mitarbeiter der Internen Revision auf Besonderheiten in der Prüfung hinweisen und unterstützen zu einem fundierten Urteil zu gelangen.

Autor: Christoph Beth, Prüfungsleiter/Audit Expert, Interne Revision, SÜDWESTBANK AG


 

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