ForderungsPraktiker 05-06/2017

Liebe Leserinnen und Leser,

der Bundesgerichtshof hat sich in einer Vielzahl von Entscheidungen mit den Anforderungen an einen ernsthaften Sanierungsversuch beschäftigt – zunächst v. a. im Zusammenhang mit dem Sanierungsprivileg des § 32a Abs. 3 S. 3 GmbHG a.F., aber auch im Rahmen der Beurteilung einer möglichen Sittenwidrigkeit von Kredit- und Sicherheitenverträgen.

Im vergangenen Jahr hat der BGH ausdrücklich festgestellt, dass ein Sanierungskonzept nicht den formalen Erfordernissen entsprechen muss, die das IDW aufgestellt hat. Dies gelte vor allem bei kleineren Unternehmen.

Allerdings konstatiert der BGH an gleicher Stelle, dass – unabhängig von der Form, in der das Sanierungsgutachten vorliegt – natürlich auch bei kleinen Unternehmen die wirtschaftliche Lage des Unternehmens im Rahmen seiner Wirtschaftsbranche analysiert und die Krisenursachen ebenso wie die Vermögens-, Ertrags- und Finanzlage erfasst werden müssen.

Inhaltlich weicht der BGH in diesem aktuell diskutierten Urteil nicht von seinen bisherigen Anforderungen an Sanierungsgutachten ab. Damit verbleibt es dabei, dass das Krisenunternehmen umfassend zu beurteilen ist. Lediglich hinsichtlich der formalen Anforderungen nimmt der BGH Abstand von den Formerfordernissen des IDW und auch des ISU für die Erstellung von Sanierungskonzepten.

Da aber keineswegs jedes kleinere Unternehmen automatisch weniger komplex ist als ein Großunternehmen, wird sich auch künftig die Frage stellen, ob überhaupt die Erstellung eines zeitlich wie kostenmäßig aufwändigen Sanierungsgutachtens erforderlich ist.

Aus Sicht der Banken gibt es verschiedene Beweggründe, sich hinsichtlich der Sanierungsaussichten ihres Kreditkunden abzusichern: zum einen zur Abwendung von Anfechtungsansprüchen und auch zur Verteidigung gegen Vorwürfe der Sittenwidrigkeit von Verträgen, zum anderen aber auch, um ihren aufsichtsrechtlichen Anforderungen zu genügen.

In allen Fällen, in denen ein Kreditinstitut positiv über ein neues oder erweitertes Kapitalnutzungsrecht entscheidet, ist aus Haftungsgründen die Einholung eines externen Sanierungskonzeptes zu empfehlen.

Lediglich im Fall eines echten Stillhaltens, also etwa der Aufrechterhaltung einer unbefristeten Kontokorrentlinie, kann das Kreditinstitut auf eine externe Begutachtung verzichten.

Viel Spaß beim Lesen dieser interessanten Ausgabe!
Thomas Wuschek
Rechtsanwalt und MBA, Sanierungsberater und Chefredakteur ForderungsPraktiker


Prozesscontrolling in der Sanierung

Ergebnisse einer aktuellen Umfrage im Sanierungsbereich

Das Controlling in der Sanierung von Kreditinstituten ist wichtig, um den Erfolg und die Kosten der außergerichtlichen Aktivitäten zu ermitteln. Grundlage der Steuerung dieses Teils des Problemkreditgeschäfts ist eine ausgestaltete Prozesslandschaft. Auf dieser Basis lassen sich die Ergebnisse der Sanierung aus Bankensicht ermitteln und ein Managemententscheidungssystem kann darauf aufbauend ausgestaltet werden.

PRAXISTIPPS

  • Definition von Kernprozessen: Kreditinstitute sollten im Sanierungsbereich feste Kernprozesse benennen und diese ausführlich beschreiben. Auf diese Weise wird zum einen ein einheitliches Vorgehen bei der Bearbeitung gewährleistet und Risiken einer fehlerhaften Betreuung lassen sich vermeiden. Zum anderen bildet die Prozesslandschaft eine Grundlage zur Erarbeitung eines Controllings im Sanierungsbereich mit der Ermittlung von Kennzahlen und der Erarbeitung von Berichten, um die Transparenz zu erhöhen.
  • Ermittlung der Erfolge, Kosten und Dauer der Sanierung: Es sind Daten zu den Erfolgen aus den Sanierungsschritten, den Kosten sowie der Sanierungsdauer für den Einzelfall und die Gesamtheit der Engagements im Portfolio zu erfassen. Die Kerndaten für die Sanierungsfälle und das Gesamtportfolio sollten zudem nach den gewählten Prozesswegen differenziert dargestellt und ausgewertet werden können.
  • Kennzahlendefinition, laufende Messung und Berichterstattung: Kerndaten in der Sanierung sollten je Engagement und für das Portfolio regelmäßig gemessen und in einem monatlichen oder quartalsweisen Bericht ausgewertet werden. Als wichtige Kennzahlen haben sich die Reduzierung der Einzelwertberichtigung, die Kreditreduzierung und die Rückführungsquote für laufende Messungen und Berichterstattungen, ergeben.

Autor: Prof. Dr. Wolfgang Portisch, Leiter Bereich Bank- und Finanzmanagement an der Hochschule Emden/Leer


Wohnimmobilienkreditrichtlinie: Nagelprobe bestanden?

Ein Blick zurück nach gut einem Jahr: Haben sich die gesetzlichen Neuregelungen in der Praxis bewährt?

Die Wohnimmobilienkreditrichtlinie hat für die Kreditwirtschaft einige Veränderungen und Neuerungen mit sich gebracht, welche in der Praxis unterschiedlich bewertet werden. Insbesondere die Vorschriften zur Kreditwürdigkeitsprüfung scheinen eine dämpfende Wirkung zu haben. Aufgrund vielfach vorgebrachter Kritik sah sich der Gesetzgeber zu einer Nachbesserung veranlasst, welche kurzfristig in Kraft treten soll.

PRAXISTIPPS

  • Führen Sie die Kreditwürdigkeitsprüfung auch künftig unbedingt mit großer Sorgfalt durch! Jeder Fehler kann sich später einmal rächen. Findige Anwälte lauern mittlerweile auf jeden Fehler der Institute.
  • Bei nicht eindeutig zu beurteilenden Fällen: Wägen Sie Ihr Vorgehen genau ab und dokumentieren Sie Ihre Entscheidungsgründe nachvollziehbar für Dritte. Gerade in späteren Streitfällen kann dies hilfreich sein.
  • Eine eindeutige Empfehlung für den Umgang mit Zweifelsfällen kann an dieser Stelle natürlich nicht ausgesprochen werden. Sollte ein Kreditantrag einmal nicht vertretbar erscheinen, sollten Sie eher Abstand hiervon nehmen. Legen Sie dem Kunden Ihre Negativentscheidung auch als Schutz für ihn selbst vor einer nicht zu stemmenden finanziellen Belastung dar, dann dürfte seine Einsicht hierzu die Enttäuschung überwiegen.

Autor: Jens Goeritz, Grundsatzfragen Kreditgeschäft, Sparkasse Essen


Versteigerungsverhinderer: Straffreie Abgabe von Meistgeboten durch zahlungs-unwillige Bieter?

Notwendigkeit des Vorgehens gegen zahlungsunwillige Bieter

Ein neuerdings in Mode gekommenes Ärgernis ist die Abgabe von Meistgeboten in Zwangsversteigerungsverfahren durch Bieter (meistens Briefkasten-GmbHs), die von vornherein nicht die Absicht haben, die Immobilie selbst zu erwerben, sondern sie noch vor dem Verteilungstermin weiterveräußern wollen. Gelingt das nicht, werden die Wiederversteigerung und ggf. Vollstreckungsmaßnahmen in Kauf genommen – mit der vermeintlichen Gewissheit, dass Schuldner ja nur die Birefkasten-GmbH ist. Der Beitrag erläutert, wie und warum es notwendig ist, gegen solche Bieter mit maximalem Vollstreckungs- und Verfolgungsdruck vorzugehen.

PRAXISTIPPS

  • Nutzen Sie konsequent und sofort die Möglichkeit aus dem Zuschlagsbeschluss, ohne Zustellung die Wiederversteigerung zu betreiben.
  • Leiten Sie sofort alles Notwendige zur persönlichen Zwangsvollstreckung ein mit dem Hauptziel, zu erfahren, ob und ggf. wo der Schuldner weitere Immobilien hat, um sodann Zwangssicherungshypotheken eintragen zu lassen und ggf. laufenden anderen Zwangsversteigerungsverfahren beizutreten. Vergessen Sie nicht, Rückgewähransprüche zu pfänden.
  • Muss es besonders schnell gehen, empfiehlt sich der Beitritt aus der persönlichen Forderung.
  • Bei Zustellungsproblemen kann die öffentliche Zustellung helfen, effektiver und schneller ist aber bei jur. Personen als Schuldner die Zustellung am Wohnsitz des Geschäftsführers.
  • Der Insolvenzantrag kann als ultima ratio ausnahmsweise sinnvoll sein. Zum Thema Kostenvorschuss kann man sich mit weiteren Gläubigern abstimmen. Anfechtungsfristen sollten abgewartet werden, bevor man den Antrag stellt. Hauptziel ist es, in Zusammenarbeit mit dem Insolvenzverwalter die Immobilie(n) freihändig zu verwerten.
  • Es gibt gerade nach erfolgloser Vollstreckung einige Anknüpfungspunkte zur Strafverfolgung. Auch diese sollten konsequent (Strafanzeige) verfolgt werden.
  • Strategisches Ziel der Ausübung maximalen Vollstreckungs-/Verfolgungsdrucks auf den unlauteren Bieter ist es, diesen zum Einlenken und zur freihändigen Veräußerung der Immobilie zu bewegen.

Autor: Frank Rehling, Justiziar, Abt. Recht und Sanierung, Sparkasse Lemgo


Forbearance: Umsetzung in der Praxis

Maßnahmen vor dem Hintergrund der MaRisk-Konsultation und Meldepflichten FinRep

Mit Einbettung der Forbearance in die MaRisk (per 2/2017 noch Entwurfsstadium) und auf Basis der Meldeverpflichtungen der FinRep (30.06.2017) werden die Anforderungen an die Behandlung und Meldung von Konzessionen für sich in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befindlichen Kreditnehmer durch die Aufsicht weiter ausgeweitet und stellen hohe Anforderungen an die Identifizierung/Durchführung/ Meldung und Überwachung.

PRAXISTIPPS

  • Mit dem IT-Dienstleister die erfolgte Umsetzung für die Meldung von FinRep klären.
  • Richtlinien und Prozesse im Hinblick Mahnwesen und Einräumung von Stundungen prüfen.
  • Konsultation aus den MaRisk in die Intensiv- und Problemkreditbearbeitung einarbeiten.
  • Unter Kostengesichtspunkten festlegen, wer die Durchführung und Überwachung FBE vornimmt.
  • Über Prozesse und Kreditmonitoring sicherstellen, dass non-performing loans (z. B. 90 Tage Verzüge/ungeregelte externe Kreditlimite) vermieden werden.

Autor: Jürgen Müller, Abteilungsdirektor, Marktfolge Kredit Grundsatzfragen/Immobilien und Meldewesen, Donner & Reuschel AG Hamburg/München


Nicht-risikorelevantes Kreditgeschäft im Sinne MaRisk: Prozessuale Vereinfachungen

Prozessuale Vereinfachungen durch die Nutzung von MaRisk-Öffnungsklauseln

Auch nach der aktuellen Fassung der MaRisk kann jedes Institut gemäß BTO 1.1 Tz. 4 MaRisk für Kreditentscheidungen bei Geschäften bestimmen, die unter Risikogesichtspunkten als nicht wesentlich einzustufen sind, dass nur ein Votum erforderlich ist („nicht –risikorelevante Kreditgeschäfte“). Vereinfachungen sind auch dann möglich, wenn Kreditgeschäfte von Dritten initiiert werden.

PRAXISTIPPS

  • Beziehen Sie den Markt und die Kreditmarktfolge bei der Ermittlung und Festlegung mit ein. Das erhöht die Akzeptanz und evtl. ergeben sich noch bankindividuelle Sonderverhältnisse.
  • Die Abgrenzung sollte möglichst einfach und verständlich sein, damit der Markt sofort erkennt, ob er alleine oder nur mit der Kreditmarktfolge den Kreditbeschluss genehmigen darf.
  • Die jährliche Überprüfung der Abgrenzung sollte im Rahmen der Risikoinventur erfolgen.
  • In der Risikoinventur sollten alle Betragsgrenzen aus den Öffnungsklauseln der MaRisk und weitere genutzte Öffnungsklauseln überprüft werden. Sie dient damit als zentrales Dokument für die Öffnungsklauseln.

Autor: Holger Bernhardt, Leiter Gesamtbanksteuerung/Berichtswesen, CRONBANK Aktiengesellschaft


Praxisprobleme bei der Abgrenzung von Verbrauchern und Unternehmern

Durch die Wohnimmobilienkreditrichtlinie gewinnt die Abgrenzung zwischen Verbraucher und Unternehmer wesentlich an Bedeutung

Verbraucher oder Unternehmer? Eine nicht immer einfache Entscheidung in der Finanzierungspraxis mit erheblichem Schadenpotential für den Kreditgeber.

PRAXISTIPPS

  • Sofern Zweifel an der Eigenschaft als Unternehmer bestehen, sollte der Kreditnehmer/Sicherungsgeber als Verbraucher eingestuft werden und die Verbraucherschutzvorschriften vollumfänglich beachtet werden.
  • Zur Abgrenzung, ob ein Wirtschaftsgut der gewerblichen Tätigkeit dient, kann der Jahresabschluss des Unternehmers Aufschluss geben. Eine Bilanzierung des Wirtschaftsgutes spricht hierbei für eine überwiegend gewerbliche Nutzung.

Autor: Dirk Malter, Abteilungsdirektor Kreditsachbearbeitung, Vereinigte Volksbank eG Dillingen*Dudweiler*Sulzbach/Saar


Wohnimmobilienkreditrichtlinie: Kapitaldienstfähigkeitsrechnung und Kreditwürdig-keitsprüfung

Zulässigkeit und Behandlung von Haushaltspauschalen

Der Beitrag befasst sich mit der in Folge der Umsetzung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie gesetzlich neu geregelten Kreditwürdigkeitsprüfung. Er beleuchtet insbesondere, ob ein Einsatz von Haushaltspauschalen im Rahmen der Kapitaldienstberechnung überhaupt weiterhin zulässig ist und wie diese zukünftig bankindividuell zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen sind.

PRAXISTIPPS:

  • Der Einsatz von Haushaltspauschalen zur Bestimmung der Ausgabenseite des Darlehensnehmers bleibt unverändert zulässig.
  • Die Haushaltspauschalen sollten in ihrer Höhe mindestens an die Pfändungs-freigrenzen angehoben werden.
  • In jedem Fall sind die bislang verwendeten institutsspezifischen Haushalts-pauschalen zu hinterfragen und substantiiert zu begründen.

Autor: Ulrich Friedrich, Leiter Abt. Recht, Sparda-Bank Hannover eG



 

InsoPraktiker 05-06/2017

Liebe Leserinnen und Leser,

die Weichen eines Unternehmensinsolvenzverfahrens werden häufig bereits in den ersten 10–14 Tagen in die richtige oder in die falsche Richtung gestellt.

Maßgebliches Instrument zur Sicherung der frühen Gläubigermitbestimmung ist der vorläufige Gläubigerausschuss. Dieser gibt den Gläubigern die Möglichkeit zur Verfahrenssteuerung und -gestaltung. Dieser kann dann Einfluss nehmen, so u. a. auf die Auswahl des (vorläufigen) Sachwalters/Insolvenzverwalters und die Durchführung einer etwaigen Eigenverwaltung. Insoweit ist er das zentrale Organ für die Mitwirkung der Gläubiger in Detailfragen und stellt ein von der Gläubigerversammlung unabhängiges Organ der Gläubigerschaft dar, das einen eigenen Ermessensspielraum hat und nicht an Weisungen der Gläubigerversammlung gebunden ist, oder dem von dieser Aufgaben zugewiesen werden können.

Antragsberechtigt sind jeder Gläubiger, Schuldner sowie ein bereits bestellter vorläufiger Insolvenzverwalter. Das Insolvenzgericht muss in die Lage versetzt werden, auf der Grundlage des Antrags sowie seiner Anlagen eine sofortige Entscheidung in der Sache treffen zu können.

Es sollte eine konkrete Benennung von Personen, die repräsentativ die unterschiedlichen Gläubigergruppen abbilden, erfolgen. Es empfiehlt sich, den Ausschuss mit fünf Personen zu besetzen, die den Gruppen Kreditwirtschaft, Sicherungsgläubiger, ungesicherte Gläubiger, institutionelle Gläubiger und Vertreter der Arbeitnehmerschaft überschneidungsfrei zuzuordnen sind. Im Antrag sollte der Nachweis der Gläubigerstellung und der jeweiligen Gruppenzugehörigkeit erbracht werden. Zugleich sollte schriftlich von jedem vorgeschlagenen Mitglied die Bereitschaft zur Übernahme des Amtes erklärt werden.

Mit der Erklärung zu einer Beschränkung oder dem Verzicht auf Vergütungsansprüche können die vom Gericht ggf. zu erwägenden Risiken überhöhter und damit unverhältnismäßiger Kosten genommen und zugleich nachteilige zeitliche Verzögerungen vermieden werden.

Den vorgeschlagenen Mitgliedern steht es frei, sich bereits vor der Antragsstellung zu einer konstituierenden Sitzung unter dem Vorbehalt einer gerichtlichen Bestellung zu treffen, eine Geschäftsordnung zu beschließen und dies entsprechend zu protokollieren.

Gerade um der Gefahr der Bestellung eines nicht unabhängigen Insolvenzverwalters vorzubeugen, sollte zugleich mit dem Antrag auch eine persönliche Erklärung des Vorgeschlagenen zu seiner Unabhängigkeit allen Beteiligten vorgelegt werden.

Sprechen Sie mich wegen der Teilnahme an (vorläufigen) Gläubigerausschüssen an, wir erledigen das für Sie kostenneutral.

Viel Spaß beim Lesen dieser interessanten Ausgabe!
Ihr Thomas Wuschek, Rechtsanwalt und MBA, Sanierungsberater und Chefredakteur InsoPraktiker


Zahlungsschwierigkeiten: Hilfestellung für Verbraucher

Wie kann ein Kreditinstitut die Leitlinie 4 der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) zu Zahlungsrückständen und Zwangsvollstreckungsmaßnahmen interessengerecht umsetzen?

In der EBA-Leitlinie zu Zahlungsrückständen und Zwangsvollstreckungsmaßnahmen werden Kreditinstitute aufgefordert, Verbrauchern in Zahlungsschwierigkeiten Hilfestellungen zu leisten. Aus der geleisteten Hilfe können sich aber insbesondere insolvenzrechtliche Probleme für das Kreditinstitut ergeben. Im Beitrag werden für einen Kundenberater, der sich im beruflichen Alltag nicht regelmäßig mit diesen Fragstellungen auseinanderzusetzen hat, diese Probleme und ihre Hintergründe mit Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt. Daneben wird auch erläutert wie damit umzugehen ist, dass ein Kreditinstitut einem Schuldner in finanziellen Schwierigkeiten einerseits entgegenkommen soll, gleichzeitig aber dieses Entgegenkommen eine positive Kreditwürdigkeitsprüfung gemäß der Wohnimmobilienkreditrichtlinie voraussetzt.

PRAXISTIPPS:

  • Sowohl aus insolvenzrechtlicher Sicht als auch bei einer Kreditgewährung im Rahmen von WKR ist eine umfassende Kreditwürdigkeitsprüfung bei der Gewährung von Zugeständnissen gem. der Leitlinien EBA zu Zahlungsrückständen und Zwangsvollstreckungsmaßnahmen unerlässlich.
  • Selbst wenn eine Hilfestellung keine Kreditwürdigkeitsprüfung nach WKR erforderlich macht, so sollte zur erfolgreichen Abwehr von insolvenzrechtlichen Anfechtungsansprüchen dokumentiert werden, dass sich die Bank vor der Gewährung eines Zugeständnisses davon überzeugt hat, dass es dem Kunden möglich ist, die geforderten Zahlungen zu erbringen, ohne dabei seine Zahlungsverpflichtungen gegenüber Dritten zu vernachlässigen.
  • Bei der Gewährung von nur für einen kurzen Zeitraum von etwa drei Monaten befristeten Maßnahmen erscheint eine Kreditwürdigkeitsprüfung nach WKR entbehrlich.
  • Macht die vom Kreditinstitut gewährte Hilfestellung eine Kreditwürdigkeitsprüfung nach WKR erforderlich, muss herausgearbeitet werden, dass die Rückführung der bereits fälligen Verbindlichkeit durch die Hilfestellung wahrscheinlicher wird, als sie es ohne die Hilfestellung wäre.

Autor: Markus Spieß, Betreuer im Bereich Sanierung/Abwicklung, Volksbank Darmstadt-Südhessen eG


Gepfändete Bankguthaben: Kreditinstitute im Interessenkonflikt

Das Kreditinstitut zwischen den Interessen des Pfandgläubigers, des Schuldners und des Insolvenzverwalters

Die Auswirkungen einer im Vorfeld der Insolvenz aufgrund streitiger Steuerforderungen bewirkten Kontopfändung sind selbst dann für das Kreditinstitut nur schwer einzuschätzen, wenn die Pfändung selbst insolvenzfest ist. Werden im steuerlichen Rechtsbehelfsverfahren vom Finanzamt die Pfändung „ruhend gestellt“ oder die Vollziehung des Steuerbescheids ausgesetzt, ist fraglich ob hieraus ein Recht des Insolvenzverwalters folgt, das gepfändete Guthaben zunächst einzuziehen, um für die Masse gesetzliche Kostenbeiträge zu sichern. In jedem Fall hat das Kreditinstitut zu beachten, dass vor Auszahlung die Verstrickungswirkung der Pfändung beseitigt wird.

PRAXISTIPPS:

  • Auch bei Rückschlagsperre oder Anfechtung der Pfändung ist vom Insolvenzverwalter vor Auskehrung des Guthabens der Nachweis zu verlangen, dass eine förmliche Aufhebung der Kontopfändung oder ein Verzicht des Pfandgläubigers vorliegt.
  • Für die Ruhendstellung einer Pfändung unter Aufrechterhaltung von Pfändungsverfügung und Rangstelle gibt es keine Rechtsgrundlage. Das kontoführende Kreditinstitut muss einer entsprechen Anordnung einer Finanzbehörde nicht Folge leisten.
  • Verzichtet der Pfandgläubiger mit der Ruhendstellung der Pfändung nicht zugleich auf sein originäres Einziehungsrecht, ist der Insolvenzverwalter nicht berechtigt, das wirksam gepfändete Guthaben selbst einzuziehen.
  • Nach Aussetzung der Vollziehung des Steuerbescheids hat das Finanzamt mangels Pfandreife noch keinen Anspruch gegen das Kreditinstitut auf Auszahlung des gepfändeten Guthabens, sondern nur einen Sicherstellungsanspruch gegen den Insolvenzverwalter. Der Insolvenzverwalter ist analog § 173 Abs. 2 InsO ausnahmsweise zur Einziehung des gepfändeten Guthabens berechtigt und kann die gesetzlichen Massekostenbeiträge realisieren.
  • Auch bei Aussetzung der Vollziehung sollte sich das Kreditinstitut vor Auszahlung die Zustimmung des Pfändungspfandgläubigers nachweisen lassen. Es bietet sich eine Treuhandvereinbarung zwischen Finanzamt und Insolvenzverwalter an.

Autor: Dominik Montag, Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter, KÜBLER GbR Hamburg


Reform der Insolvenzanfechtung: Endlich beschlossen

Bundestag beschließt Änderung der Insolvenzanfechtung

Am 16.02.2017 verabschiedete der Bundestag neue Regelungen zum Insolvenzanfechtungsrecht. Dieser Gesetzesänderung vorangegangen waren intensive Diskussionen innerhalb und außerhalb des Parlaments. Die nun angestoßene Reform wird aus Sicht der Autoren nur zu einem bestimmten Teil Auswirkungen auf den Bereich der Insolvenzanfechtungen haben.

PRAXISTIPPS:

  • Es darf nicht verkannt werden, dass auch weiterhin für Schuldner ein rechtssicheres Handeln vor Haftung schützt. Damit sollte auch künftig ein Schuldner, der sich in einer Krise befindet, mögliche Insolvenzantragsgründe frühzeitig prüfen.
  • Für die Banken und Sparkassen gilt auch weiterhin: Bestmöglicher Schutz bedeutet die schriftliche Dokumentation, dass keine Kenntnis von der Zahlungsunfähigkeit des Schuldners vorlag. Dies kann über Konzepte, Planrechnungen und wirtschaftliche Unterlagen erfolgen.

Autoren: Frank J. Horvath, Geschäftsführer und Alexander Park, Geschäftsführer, beide Creditorum GmbH, Mannheim


Erschienen im ForderungsPraktiker, Ausgabe 05-06/2017
Weitere Infos unter http://www.forderungspraktiker.de/


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