Berücksichtigung des Exposures gegenüber Schattenbanken im Risikomanagement

7. Juni 2017 in Kategorie Banksteuerung / Treasury

von
Michael Evers
Referent für Bankenaufsicht, Bankhaus Lampe, Düsseldorf

Prof. Dr. Stefan Janßen
Studiengangleiter Insurance, Banking and Finance, Jade Hochschule Wilhelms-haven/Oldenburg/Elsfleth, vormals Leiter Bankgeschäftliche Prüfungen, Deutsche Bundesbank, Hauptverwaltung Hannover


Als eine Folge der Finanzmarktkrise sind auch so genannte Schattenbanken in den Fokus der Aufsicht gerückt. Als Schattenbanken werden Unternehmen bezeichnet, die bankähnliche Geschäfte betreiben, jedoch keiner vergleichbaren Beaufsichtigung unterliegen. Die Aufsicht hat allerdings keine direkten Vorgaben für Schattenbanken gemacht. Stattdessen sollen die bereits regulierten Kreditinstitute im Rahmen ihres internen Risikomanagements in ihren Geschäftsbeziehungen zum Schattenbanksektor begrenzt werden.

Dies geht aus der EBA-Guideline EBA/GL/2015/20 sowie dem BaFin-Rundschreiben 8/2016 (BA) hervor. Mit diesem Rundschreiben sind für alle betroffenen Unternehmen in Deutschland seit dem 01.01.2017 die vorgeschriebenen Maßnahmen verbindlich. Die Regelungen der Leitlinie betreffen allerdings nur solche Risikopositionen, die unter Berücksichtigung eventueller Kreditrisikominderungstechniken, (z. B. Barsicherheiten, Grundschulden etc.) größer oder gleich 0,25 % der anrechenbaren Eigenmittel des jeweiligen Kreditinstituts sind.

Die Definition der Unternehmen, die im Rahmen der Leitlinie als Schattenbanken gelten, geschieht v. a. durch den Ausschluss von Unternehmen aus der Definition, „,Schattenbankunternehmen‘ sind Unternehmen, die eine oder mehrere Kreditvermittlungstätigkeiten ausüben und bei denen es sich nicht um ausgenommene Unternehmen handelt.“ (Vgl. Abs. 11 EBA/GL/2015/20 bzw. Abs. 13 BaFin-Rundschreiben 8/2016).

Sowohl die Leitlinie als auch das Rundschreiben betonen, dass insbesondere Geldmarktfonds als Schattenbanken zu betrachten sind. Gemäß dieser Definition fallen auch Special Purpose Vehicles (SPVs), solange sie nicht auf konsolidierter Ebene unter Bankenaufsicht stehen, unter den Begriff Schattenbank. Risikopositionen, die die Grenze von 0,25 % der anrechenbaren Eigenmittel überschreiten, müssen in den folgenden Prozessen und Mechanismen berücksichtigt sowie gewürdigt werden:

  • Ermittlung aller aus diesen Risikopositionen herrührenden potenziellen Risiken und deren Auswirkungen.
  • Aufstellung eines internen Rahmens zur Ermittlung, Steuerung, Kontrolle und Minderung der Risiken (beinhaltet klar definierte Analysen des Geschäfts einer Schattenbank sowie der Wahrscheinlichkeit eines Ansteckungseffektes für das Kreditinstitut).
  • Einbeziehung in die Überprüfung der Angemessenheit des internen Kapitals (ICAAP) sowie die Kapitalplanung.
  • Festlegung von internen Risikolimits unter Berücksichtigung des Risikoappetits in Bezug auf Risikopositionen gegenüber Schattenbanken.
  • Aufstellung eines Notfallplans für den Fall einer Überschreitung der zuvor festgelegten Obergrenzen.
  • Analyse der Verflechtungen von Schattenbanken miteinander und/oder mit dem Institut (beinhaltet Risikominderungstechniken für den Fall, dass die Verflechtungen nicht oder nicht ausreichend zu erkennen sind).

Die Obergrenzen für Risikopositionen gegenüber Schattenbanken müssen entsprechend dem Principal- oder dem Fallback- Approach festgelegt werden. Der Principal-Approach ist dabei der umfassendste Ansatz und sieht neben einer Gesamtobergrenze für alle Risikopositionen gegenüber Schattenbanken ebenfalls eine Obergrenze für einzelne Risikopositionen vor. Das Institut sollte dabei die folgenden Daten bzw. Sachverhalte erheben und berücksichtigen:

  • Aufsichtlicher Status und Grad der Beaufsichtigung,
  • Die Finanzlage der Schattenbank,
  • Portfolioinformationen,
  • Einschätzung über die Angemessenheit der Kreditprozesse,
  • Anfälligkeit gegenüber der Volatilität der Asset-Preise und
  • Verflechtungen mit anderen Schattenbanken und dem reguliertem Finanzsektor.

Dem „Principal-Approach“ folgen zwei Abstufungen, die je nach Fähigkeit des Instituts zum Einsatz kommen können. Der „Partial Fallback-Approach“ kann eingesetzt werden, wenn nicht ausreichend Informationen über eine Schattenbank gesammelt werden können. In diesem Fall werden die Risikopositionen, für die nicht genügend Informationen vorliegen, in einer aggregierten Risikoposition (ähnlich unbekannten Kreditnehmern laut BaFin- Rundschreiben 8/2011) zusammengefasst.

Für diejenigen Risikopositionen, zu denen genügend Informationen vorliegen, gilt weiterhin der „Principal-Approach“. Kann ein Institut allerdings qualitativen Kriterien an die Geschäftsführung und die Kontrollmechanismen gem. Abschnitt III BaFin- Rundschreiben 8/2016 nicht einhalten, so gilt für alle Risikopositionen gegenüber Schattenbanken der „Fallback-Approach“.

PRAXISTIPPS

  • Operationalisieren Sie den Begriff Schattenbankunternehmen, um eine angemessene Identifizierung zu ermöglichen.
  • Berücksichtigen Sie Schattenbanken in der Geschäfts- und Risikostrategie.
  • Nehmen Sie eine Bestandsaufnahme der bestehenden Risikopositionen gegenüber Schattenbankunternehmen vor.
  • Legen Sie ein angemessenes Gesamtlimit für Risikopositionen gegenüber Schattenbanken fest.
  • Passen Sie die Risikomanagementprozesse an.

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Prof. Dr. Stefan Janßen / Henning Riediger 

Praktikerhandbuch Risikoinventur

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Prof. Dr. Dirk Heithecker / Dennis Tschuschke

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Stefan Kühn

MaRisk-konforme Risikomessverfahren

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Dieser Beitrag ist erschienen im Newsletter Banken-Times SPEZIAL Banksteuerung/Treasury,
Ausgabe Juni 2017
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