BankPraktiker 06/2017

Liebe Leserinnen und Leser,

demografischer Wandel, Globalisierung, weltweite Vernetzung, sich immer schneller verbreitende Informationen und sich vermehrendes Wissen sowie damit einhergehende permanente »Innovationen« haben die gesellschaftlichen Veränderungen in den letzten Jahren geprägt. Besonders dynamisch und intensiv wirkt aktuell die »Digitalisierung« in nahezu allen lebens- und arbeitsweltlichen Bereichen. War der sogenannte »digitale Wandel« noch vor kurzer Zeit visionär, so ist er heute alltägliche Realität geworden.

Mit der Digitalisierung der Arbeitswelt stehen Unternehmen und ihre Mitarbeiter vor einer großen Herausforderung. Die meisten Banken setzen dabei auf digitale Anwendungen, sogenannte „Apps“, die es ihren Kunden erleichtern, unterwegs über Smartphone oder Tablet-Computer ihre Bankgeschäfte zu erledigen. Die sogenannten „Millennials“ fordern die Banken auf eine neue Art und Weise. Ihre Affinität zu neuen Technologien und die Nutzung dieser haben die Verhaltensweise dieser jungen Kundengruppe geändert. Einfachheit, Mobilität und das nahtlose Zusammenspiel der Technologien sind die Herausforderungen, vor denen die Banken stehen.

Doch ist das genug?

Die meisten Fachleute stimmen darin überein, dass der entscheidende Weg zum Erfolg in der Finanzbranche über Innovationen durch strategische Partnerschaften mit FinTechs führt. Da die „Millennials“ mehr und mehr nach den neuesten Technologien streben und immer intelligentere Dienstleistungen von ihrer Bank erwarten, müssen sich Banken öffnen um den Anforderungen gerecht zu werden. Interne Hürden, wie fehlendes Know-how oder Verteidigung bestehender Strukturen, müssen gemeistert werden, um die digitale Transformation voranzutreiben.

Der digitale Wandel verändert nicht allein Prozesse und Geschäftsmodelle, sondern stellt auch grundlegend neue Ansprüche an die Menschen im Unternehmen. Mehr noch: Der Erfolg der digitalen Transformation hängt maßgeblich von der Fähigkeit der Mitarbeiter ab, den Digitalisierungsprozess aktiv mitzugestalten – und zwar sowohl hinsichtlich interner Abläufe als auch bei der Interaktion mit externen Partnern und Kunden.

Schnelligkeit und Flexibilität statt Kontrolle, neue digitale Services müssen entwickelt und getestet werden.  Die Banken sollten dringend den Austausch mit ihren Kunden verstärken, Feedback einholen und mehr Angebote für Interaktionen schaffen. Sie sollten außerdem aktiv kommunizieren, dass sie mit FinTechs zusammenarbeiten und digitale Services anbieten – v. a. gegenüber Zielgruppen unter 50 Jahren. Gegenseitiges Stützen beider Parteien erbringt positive Resultate. FinTechs haben die Innovation und Banken die Bestandskunden.

Viele Grüße

Sascha Sychov
Redakteur für Digitalisierungsthemen


AnaCredit: Ein Segen?

Ein Plädoyer für das Data Management

Regulatorik als Chance für die digitale Transformation. Ein cleverer Lösungsansatz für AnaCredit eröffnet neue Möglichkeiten und fördert das notwendige Umdenken im Hinblick auf den Umgang mit den Kunden. Weshalb AnaCredit mehr als nur Meldewesen ist.

PRAXISTIPPS

  • Implementieren Sie Mechanismen zur Qualitätssicherung der zu meldenden Daten.
  • Prüfen Sie Ihre Projekt auf Synergien zu anderen Projekten und Vorhaben.
  • Überdenken Sie Ihren Projektansatz und passen Sie ggf. den Scope an.
  • Prüfen Sie Ihre Architektur.

Autoren:
Alexander Schulz-Sacharow, Abteilungsleiter Meldewesen, HSH Nordbank
Ulrich Santelmann, Head of Financial Services Consulting & SAP Solutions, Line of Business Software, DIEBOLD NIXDORF
Axel Luckhardt, Expert Business Consultant, Line of Business Software, Schwerpunkt Regulatorik und Data Management, DIEBOLD NIXDORF


Schattenbankensektor: Auswirkungen der Regulierung auf das Risikomanagement der Kreditinstitute

Anforderungen von EBA und BaFin an das Risikomanagement von Kreditinstituten zur Begrenzung der Risiken gegenüber Schattenbanken und Umsetzung in den Häusern

Die EBA und BaFin regulieren Schattenbanken nicht über direkte Vorgaben. Stattdessen müssen Kreditinstitute ihre Risiken gegenüber Schattenbanken angemessen im Risikomanagement berücksichtigen. Bei der Umsetzung in den Häusern gibt es einige Besonderheiten zu beachten.

PRAXISTIPPS

  • Operationalisieren Sie den Begriff Schattenbanken und identifizieren Sie entsprechende Exposures.
  • Ermitteln Sie alle ggf. aus diesen Risikopositionen herrührenden potenziellen Risiken und deren Auswirkungen, beachten Sie dabei auch Verbindungen/Konzentrationen mit Bezug zu anderen Risiken/Positionen des Instituts.
  • Äußern Sie sich in der Geschäfts- und Risikostrategie zum Umgang mit Schattenbanken und legen Sie ggf. entsprechend Limite fest.
  • Stellen Sie ggf. einen internen Rahmen zur Ermittlung, Steuerung, Kontrolle und Minderung der Risiken aus Schattenbankpositionen auf.
  • Beziehen Sie ggf. die Exposures gegenüber Schattenbanken gesondert in die Überprüfung der Angemessenheit des internen Kaptals (ICAAP) sowie die Kapitalplanung ein.

Autoren:
Prof. Dr. Stefan Janßen, Studiengangsleiter Insurance, Banking and Finance, Jade Hochschule Wilhelmshaven/Olden-burg/Elsfleth, vormals Leiter Bankgeschäftliche Prüfungen, Deutsche Bundesbank Hauptverwaltung Hannover
Michael Evers, Referent für Bankenaufsicht, Bankhaus Lampe, Düsseldorf


Organkredite: Im Fokus der Aufsicht

Kredite an Mitglieder von Aufsichts- und Verwaltungsräten von Kreditinstituten

Die in § 15 KWG kodifizierten besonderen Anforderungen an Organkredite sollen potenziellen Interessenkonflikten entgegenwirken, ohne jedoch berechtigte Kreditwünsche zu verwehren. Den Risiken des Missbrauchs und unangebrachter Einflussnahme aus sachfremden (i. d. R. persönlichen) Erwägungen, die sich hieraus ergeben könnten, soll insbesondere dadurch begegnet werden, dass gem. § 15 Abs. 1 KWG derartige Kredite nur bei einem einstimmigen Beschluss sämtlicher Geschäftsleiter sowie unter ausdrücklicher Zustimmung des Aufsichtsorgans des Kreditinstituts gewährt werden dürfen.

PRAXISTIPPS

In der Prüfungspraxis zeigt sich, dass Organkreditverhältnisse, aufgrund der nunmehr bestehenden verpflichtenden Berichterstattung nach § 33 PrüfbV, immer wieder zu Rückfragen seitens der Aufsicht führen. Zur Sicherstellung der Ordnungsmäßigkeit des Organkreditgeschäfts können folgende Hinweise dienen:

  • Bestehen ergänzende Regelungen zur Sicherstellung der Ordnungsmäßigkeit des Organkreditgeschäfts in der schriftlich fixierten Ordnung, die den besonderen Anforderungen der Aufsicht gerecht werden?
  • Wurden die Mitglieder des Aufsichtsorgans über die Anforderungen aus § 15 KWG informiert und haben sie die Kenntnisnahme schriftlich bestätigt?
  • Ist sichergestellt, dass bestehende Vorratsbeschlüsse regelmäßig kritisch überprüft und dies nachvollziehbar dokumentiert wird?
  • Umfassen die Vorratsbeschlüsse auch mögliche Überziehungen? Falls ja, sind die bestehenden Überziehungsregelungen üblich?
  • Ist die Überprüfung der Einhaltung der Organkreditvorschriften in den Prüfungsplan der Internen Revision einbezogen?
  • Wird möglichen Anhaltspunkten für Verstöße mit der gebotenen Dringlichkeit und Nachhaltigkeit nachgegangen?
  • Bestehen interne Regelungen, wie mit problembehafteten Engagements umzugehen ist?
  • Ergeben sich aus den Prüfungsberichten der Internen Revision oder des Abschlussprüfers Anmerkungen zu § 15 KWG? Falls ja, welche Maßnahmen müssen ergriffen werden?

Abschließend wird darauf hingewiesen, dass für die Ordnungsmäßigkeit der Organkreditvergabe die gesamte Geschäftsleitung und das Aufsichtsorgan als Ganzes verantwortlich sind. Es liegt im originären und persönlichen Interesse aller Funktionsträger, dass den Anforderungen aus § 15 KWG ordnungsgemäß Rechnung getragen wird.

Autor: Björn Reher, Diplom-Wirtschaftsjurist (FH), Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Partner, Roever Broenner Susat Mazars GmbH & Co. KG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


FinVermV: quo vadis?

Zu erwartende Änderungen der Informations-, Beratungs-, Dokumentations- und Organisations-pflichten für freie Finanzanlagenvermittler/Honorar-Finanzanlagenberater durch die MiFID II

PRAXISTIPPS

  • Soweit noch nicht geschehen, sollten sich Finanzanlagenvermittler und Honorar-Anlagenberater unbedingt zeitnah mit den neuen Anforderungen, die mit der MiFID II auf die Branche zukommen, beschäftigen. Unabhängig davon, wann eine Neufassung der FinVermV zwecks Anpassung der Verordnung an die Mindeststandards der MiFID II veröffentlicht wird, werden die neuen Vorgaben ab dem 03.01.2018 zu beachten sein.
  • Insbesondere was die Umsetzung der neuen Vorschriften der MiFID II zur Kostentransparenz und zur Product Governance angeht, wird der bestehende Informationsaustausch zwischen Einzelvermittlern-/beratern, Vermittlerpools, Fondsplattformen und -gesellschaften etc. erheblich ausgeweitet werden müssen. Nur, wenn alle Glieder der Vertriebskette zusammenarbeiten, wird es gelingen, die umfangreichen neuen Pflichten in den wenigen noch verbleibenden Monaten umzusetzen. Da die konkrete Handhabung zahlreicher Regelungen der Aufsichtspraxis noch im Fluss ist, werden alle Beteiligten dabei bereit sein müssen, die Umsetzung auch auf Basis von Prämissen voranzutreiben, die gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal anzupassen sind.

Autor: Carsten Lang, Leiter Stabsstelle B27 Compliance, Geldwäsche und Betrugsprävention, European Bank for Financial Services GmbH (ebase®).


Erschienen im BankPraktiker, Ausgabe 06/2017
Weitere Infos unter http://www.bankpraktiker.de/


 

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