RevisionsPraktiker 06-07/2017

Liebe Leserinnen und Leser,

in diesen für Banken nicht ganz einfachen Zeiten läuft die Suche nach neuen Ertragsquellen, die den implodierenden Zinsüberschuss kompensieren könnten, auf Hochtouren. Ideen gibt es in den Häusern sehr viele, nachhaltigen Erfolg versprechende Modelle hingegen sind eher noch selten anzutreffen. Da es auch im Eigenhandel immer schwieriger wird, noch auskömmliche Renditen zu erzielen, ohne das Risikobudget zu sehr in die Höhe zu treiben, entdecken immer mehr Institute die Immobilie als Geldanlage und Ertragsquelle.

Insbesondere in Ballungsräumen haben die Immobilienpreise in den letzten Jahren eine wahre Rallye hingelegt und Wertsteigerungen erfahren, von denen Treasurer nur träumen können. Ein Ende dieses Trends ist trotz aller Unkenrufe von einer Immobilienblase nach wie vor nicht in Sicht, auch wenn die Zeit der größten Wertsprünge wohl vorbei sein dürfte. Vor diesem Hintergrund ist der Aufbau eines Immobilienportfolios mit dem Ziel nachhaltig sichere Erträge zu erwirtschaften eine durchaus sinnvolle Ergänzung der Geschäftsstrategie.

Allerdings sollten bei einer solchen Grundsatzentscheidung alle Aspekte, die diese mit sich bringt betrachtet und angemessen gewürdigt werden. Die Verwaltung eines größeren Immobilienportfolios mit vielleicht mehreren hundert Wohneinheiten erfordert durchaus fundiertes Spezialwissen, mit dem die meisten gelernten Banker i. d. R. nicht ohne einschlägige Weiterbildung dienen können.

Auch darf der damit verbundene Verwaltungsaufwand keinesfalls unterschätzt werden. Entsprechende Mitarbeiterkapazitäten sind daher in jedem Fall einzuplanen, auch hinsichtlich der entstehenden Kosten. In der Aufbauphase, also zum Zeitpunkt des Erwerbs der Immobilien, ist darauf zu achten, dass die Vereinbarungen in den Kaufverträgen vollständig und sachgerecht in den Büchern der Bank umgesetzt werden. Auch auf einen ausreichenden Versicherungsschutz muss in jeder Phase geachtet werden.

Die Mietersuche ist ebenfalls nicht ohne Tücken, hier gilt es, frühzeitig die Spreu vom Weizen zu trennen, um späteren Ärger möglichst klein zu halten. Wer selbst eine Immobilie vermietet kann ein Lied davon singen, welchen Aufwand dies mit sich bringen kann. Da sind Handwerker zu bestellen und zu überwachen, Ablesetermine für Heizung und Wasser, Hausmeistertätigkeiten, Winterdienst und Gartenpflege zu organisieren. Irgendetwas geht immer kaputt und die Mieter wenden sich natürlich zunächst an den Vermieter. Nicht vernachlässigt werden darf auch die Frage, wer für die Bank an den Eigentümerversammlungen teilnimmt und wie dort abgestimmt werden soll.

Hierfür ist ein entsprechender Prozess einzurichten, der sicherstellt, dass die Eigentumsrechte der Bank sachgerecht wahrgenommen werden. Schließlich und ebenfalls sehr wichtig ist die Aufbereitung der Mieten und Nebenkosten für den Jahresabschluss. Eine Globalabstimmung, aus der die Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber den Mietern hervorgehen, ist zwingend erforderlich. Trotz all dieser Nebenwirkungen bleiben Immobilien aber eine zukunftsträchtige Ergänzung des Anlageportfolios, mit der bei professioneller Handhabung nachhaltige Erträge erzielt werden können.

Herzliche Grüße und viel Spaß beim Lesen
Thomas Maurer
 Leiter Interne Revision, Münchner Bank eG



Anzeige- und Meldewesen: Identisch in jeder Bank? Von wegen!

Bei der Prüfungsplanung kommt der Definition des Soll-Objekts eine zentrale Bedeutung zu.

Die von Banken zu erfüllenden Anzeige- und Meldepflichten können zumindest in Teilaspekten voneinander abweichen. Unterschiede sind möglich hinsichtlich Meldeturnus, Meldeinhalten und -umfang sowie dem Zeitpunkt der Erstmeldung. Dies spiegelt einerseits den Proportionalitätsansatz der Bankenaufsicht wieder und ist andererseits auf bestimmte anzeigepflichtige Vorkommnisse zurückzuführen.

Autorin: Christina Geist, Spezialistin Prüfung/Beratung Meldewesen, Audit GmbH Karlsruhe Stuttgart WPG.


Ein Jahr WIKR: Der Praxisrückblick

Das Verbraucherkreditrecht als fortwährende Herausforderung für Kreditorganisation und -überwachung.

Nach über einem Jahr seit Einführung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie ist die Rechtlage zur Unterscheidung von Verbraucher und Unternehmer beim Immobiliar-Verbraucherkredit weiterhin oftmals unklar. Eindeutige ablauforganisatorische Regelungen können hierbei die Sachbearbeitung erleichtern. Zudem lässt sich durch eine Kreditüberwachung bei gezielter Berücksichtigung von Rechtsvorgaben das Institut vor Schäden bewahren.

 Autor: Bastian Enders, Kreditprozessmanagement, -organisation und -überwachung, Volksbank Pinneberg-Elmshorn eG.


 

LCR-Prüfung: Welche Aspekte sind zu beachten?

Beurteilung der formellen und materiellen Anforderungen an die Berechnung der Liquidity Coverage Ratio durch die Innenrevision.

Am 01.10.2015 ist die Delegierte Verordnung (EU) 2015/61 zu den Liquiditätsdeckungsanforderungen („Liquidity Coverage Ratio“ – LCR) in Kraft getreten. Hierdurch ergeben sich verschiedene, teils komplexe und detailreiche Anforderungen an die Berechnung der LCR. Die Prüfung der korrekten Umsetzung stellt auch die Interne Revision vor neue, aber nicht unlösbare Aufgaben. In diesem Beitrag werden die wichtigsten Aspekte der LCR beleuchtet und Anregungen sowie Hinweise für Prüfungshandlungen gegeben.

Autorinnen: Miriam Donie, Sikle Kruse, beide Mitarbeiterinnen Speziallistenteam Aufsichtsrecht, Genossenschaftsverband e.V. und AWADO Deutsche Audit GmbH


 

Datenqualität: Ausgestaltung zum wirtschaftlichen Erfolg der Prüfung

Data-Governance und Datenqualitätsmanagement als zentrales Prüfthema im Fokus der internen Revision.

Data-Governance (Datensteuerung) und Datenqualitätsmanagement bilden den Rahmen für eine kontinuierlich gute Datenqualität und beeinflussen damit unmittelbar den Unternehmenserfolg sowie die Erfüllung aufsichtsrechtlicher Anforderungen. Der Beitrag liefert einen Fragenkatalog, welcher zur Vorbereitung und Ausgestaltung entsprechender Prüfungen und ggf. auch Projektbegleitungen herangezogen werden kann.

Autorin: Claudia Heim, Revisorin, Abteilung Revision IT und Konzernangelegenheiten, Datenanalysen als Tätigkeitsschwerpunkt, Landesbank Baden-Württemberg


 

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