Auswirkung des SREP auf die Risikotragfähigkeitsberechnung von Sparkassen

26. Juli 2017 in Kategorie Banksteuerung / Treasury

von
Stefan Teichmann
Leiter Vorstandsstab/Controlling, Sparkasse Zollernalb


Mit dem Supervisory Review and Evaluation Process (SREP) verfolgt die europäische Bankenaufsicht das Ziel, einheitliche und faire Wettbewerbsbedingungen sicherzustellen. Insbesondere die Sichtweise auf das Risikokapital hat unterschiedliche Auswirkungen auf die bisherigen Risikotragfähigkeitsmodelle aller Institute. Dabei soll die Formel „höhere, risikosensitivere Kapitalanforderungen = bessere Krisenstabilität“ angewandt werden. Die weiteren Ausführungen beziehen sich im Wesentlichen auf die Less Significant Institutes (LSI), zu deren Gruppe die Mehrzahl der Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken gehören. National werden in Deutschland alle betroffenen Institute innerhalb von drei Jahren einer individuellen SREP-Überprüfung und Einstufung unterzogen. Diejenigen Institute, die in der ersten bzw. zweiten Tranche noch keinen individuellen Zuschlag erhalten, werden nach der Allgemeinverfügung behandelt. Diese Vorgehensweise soll gewährleisten, dass mit Beginn der SREP-Anforderungen per 31.12.2016 alle Kreditinstitute erweiterte Kapitalanforderungen zu erfüllen haben. So entsteht weitgehend keine Benachteiligung von Instituten mit individuellem SREP-Bescheid.

Risikotragfähigkeitskonzept vor SREP

In den bisher angewandten Risikotragfähigkeitskonzepten wurde in der Sparkassen- Finanzgruppe häufig der Going- Concern-Ansatz angewandt. Hierbei wurde das gesamte Risikodeckungskapital um die notwendigen Kapitalanforderungen aus der regulatorischen Sichtweise gekürzt, um das zur Risikoabdeckung verfügbare Deckungskapital abzuleiten. Aus dem verfügbaren Deckungskapital kann die Geschäftsleitung aufgrund ihrer Risikopräferenz Kapital in Form von Limits zur Abdeckung von Risiken der Säule 2 bereitstellen. Die beiden strengen Nebenbedingungen der regulatorischen Sichtweise wurden wie folgt berücksichtigt:

§13 KWG – Großkredite

Übersteigen ein oder mehrere anzurechnende Großkredite die Großkreditobergrenze, so sind die übersteigenden Beträge mit haftendem Eigenkapital zu unterlegen. Bei der Bereitstellung von Deckungskapital für die Risikomessung der Säule 2 sollte daher der größte anzurechnende Großkredit unter der 25%-Schwelle des haftenden Eigenkapitals bleiben, um keinen Eigenkapital- Unterlegung zu generieren. Das heißt, die Nebenbedingung für den Großkredit lautet: Das Vierfache des größten anzurechnenden Großkredits ist das Mindestkapital unter Going-Concern- Gesichtspunkten, das nicht zur Abdeckung von Risiken bereitgestellt werden darf.

Gesamtkapitalquote gem. Capital Requirements Regulation 92(2)

Die Kapitaladäquanzverordnung regelt den sukzessiven Aufbau der vorzuhaltenden Eigenmittel in Prozent des Gesamtforderungsbetrags zur Unterlegung von Kredit-, Marktpreis- und Operationellen Risiken. Die Anforderungen erhöhen sich durch einen bis zum Jahr 2019 ansteigenden Kapitalerhaltungspuffer für Stresszeiten auf insgesamt 10,5 %. Zusätzlich kann durch die nationale Aufsicht ein antizyklischer Kapitalpuffer von bis zu 2,5 % festgesetzt werden.

Risikotragfähigkeitskonzept nach SREP

Vom Grundsatz her gelten die oben aufgeführten strengen Nebenbedingungen weiter. Allerdings wurde die CRR-Nebenbedingung nochmals verschärft. Da in 2016 nicht alle LSIs einen individuellen SREP-Bescheid erhalten haben, sind zwei Fallgruppen zu unterscheiden. Diejenigen Institute, die bereits einen individuellen SREP-Zuschlag von der Bankenaufsicht mitgeteilt bekommen haben und die restlichen Institute, die im Rahmen der Allgemeinverfügung über eine Bucket-Berechnung ihren Zuschlag ableiten. Das Grundprinzip ist bei beiden Fallgruppen ähnlich, daher wird im Folgenden auf den Zielzustand nach Erhalt des individuellen SREP-Bescheides eingegangen.

Im SREP-Bescheid wird für das bisher in der Säule 1 nicht berücksichtigte Zinsänderungsrisiko (0,00–3,50 %) und darüber hinaus gegebenenfalls für weitere wesentliche Risiken (0,00–6,00 %) ein Kapitalzuschlag fixiert, der zusätzlich einzuhalten ist. Weiter wird auf Basis der Ergebnisse aus der letzten Niedrigzinsumfrage der Deutschen Bundesbank (2015) eine Eigenmittelzielkennziffer (EMZK) (0,00–7,50 %) festgelegt. Hierbei handelt es sich wiederum um einen Puffer für Stressszenarien. Daher kann die EMZK mit dem aktuell gültigen Kapitalerhaltungspuffer verrechnet werden, so dass der jeweils höhere Betrag unter Stressbedingungen angesetzt werden sollte.

Die Steuerungsmöglichkeiten bzgl. der erweiterten Kapitalanforderungen für die Institute sind begrenzt, sollten dennoch kritisch überprüft werden. Dabei sind folgende Faktoren maßgeblich:

(1) Eingruppierung des Institutes von Seiten der Bankenaufsicht in Risikokategorien,
(2) Verhältnis der negativen Zinsschock- Barwertänderung zur Gesamtrisikoposition und
(3) das Verhältnis der Summe der weiteren wesentlichen Risiken zur Gesamtrisikoposition.

Die erste Position kann durch ein gutes Risikomanagement und stringente Bearbeitung von Prüfungshinweisen bzw. -feststellungen positiv beeinflusst werden, entzieht sich aber der direkten Steuerungsmöglichkeit. In der Position zwei – Zinsänderungsrisiko – sollte eine Grenzbetrachtung der Bucketeinstufung unter Risiko-Ertrags- Gesichtspunkten und einer möglichen Optimierung vorgenommen werden. Die dritte Position ist wiederum nur begrenzt über eine Optimierung der Risikomessverfahren bzw. des Risikomanagements der weiteren Risiken beeinflussbar.

PRAXISTIPPS

  • Durch die Einführung der SREP-Anforderungen und deren Integration in die Risikotragfähigkeit kann das Ziel der Bankenaufsicht erreicht werden, da sich die Höhe der notwendigen Eigenmittel unter sonst gleichen Bedingungen für alle Institute bis 2019 sukzessive erhöhen wird. Weiter werden sich die Institute intensiv mit der Steuerung der Risiken unter Einfluss der erweiterten Kapitalbereitstellung auseinandersetzen müssen.
  • Eine der originären Aufgaben der Banken, die durch die verschärften Regelungen erschwert werden, besteht im Risikotransfer (Losgrößen/ Bonität/Fristen), was wiederum das Potenzial vermindert, Gewinne zu thesaurieren. Insbesondere bei den Sparkassen ist dies die einzige Möglichkeit, die Eigenkapitalbasis zu stärken.
  • Es bleibt daher zu beobachten, in welchem Maße und in welcher Geschwindigkeit die Aufsicht die Anforderungen in Zukunft weiter verändert und welche Auswirkungen dies auf das, in der letzten Finanzmarktkrise weitgehend stabile, dreigliedrige deutsche Bankensystem haben wird.
  • In diesem Kontext wird insbesondere der überarbeitete Leitfaden zur aufsichtlichen Beurteilung von bankinternen Risikotragfähigkeitskonzepten, der in den kommenden Monaten veröffentlicht werden soll, mit Spannung erwartet.

SEMINARTIPPS

BUCHTIPPS

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Praktikerhandbuch Risikotragfähigkeit
2. Auflage

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Dieser Beitrag ist erschienen im Newsletter Banken-Times SPEZIAL Banksteuerung/Treasury,
Ausgabe Juli 2017
. (Kostenlose) Bestellung möglich unter http://www.fc-heidelberg.de/bankentimes
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