Daten – Last oder Lust?

23. August 2017 in Kategorie Banksteuerung / Treasury

von
Sandra Holz
Chief Data Officer, Leiterin Data Governance Office, Berliner Sparkasse


Daten stellen für Finanzdienstleister mehr denn je eine essenzielle Ressource dar. Ohne sie wird das Bestehen im Zeitalter der Digitalisierung nicht funktionieren. Im fachlichen Kontext liefern sie Informationen, die für die meisten Entscheidungen von wesentlicher Bedeutung sind. Umso wichtiger ist ein effizienter, ordnungsgemäßer und qualitätsgesicherter Umgang mit dem Unternehmenskapital Daten. Nur so können aus Daten korrekte Informationen gewonnen werden, die der richtigen strategischen Ausrichtung sowie den Entwicklungs- und Entscheidungsprozessen dienen.

Die Last der Ordnung

Nach der Finanzkrise 2008 haben die Bankenaufsicht und der Gesetzgeber die Datenhaushalte der Banken in den Fokus genommen. Ihr Ergebnis lautet salopp formuliert: In der Branche wird mit Informationen viel zu hemdsärmelig umgegangen. Daten sind wild verteilt in unzähligen Systemen; eine Nachverfolgung, woher Daten kommen, wozu und von wem sie verwendet werden, ist häufig nicht möglich. In der EU wurden daher die „Principles for effective risk data aggregation and risk reporting“ (BCBS 239) des Basel Committee on Banking Supervision (BCBS) veröffentlicht, um die Finanzbranche im ersten Schritt hinsichtlich der Risikodaten zur Ordnung zu rufen.

Von der deutschen Aufsicht wurden diese Ansätze in die MaRisk (Mindestanforderungen an das Risikomanagement) übernommen und werden derzeit in der Branche „konsultiert“. Aber auch die neue EU-Datenschutzgrundverordnung, die im Mai 2018 in Kraft tritt, hat hohe Anforderungen an den Umgang mit Daten. Ganz zu schweigen von den GoBD (Grundsätze ordnungsgemäßer Führung und Aufbewahrung von Büchern auch in elektronischer Form und zum Datenzugriff ), die bereits lange einen ordnungsgemäßen Umgang mit Daten verlangen. Sie alle fordern die Banken dazu auf, ihre Daten kontrolliert zu managen und Wildwuchs zu verhindern. Daneben drücken die Kosten für die Verarbeitung und Speicherung überflüssiger Daten sowie die Qualität der Informationsgehalte.

Die Lust an der Information

Zahlreiche (System-)Migrationen in der Vergangenheit und heterogene Systemlandschaften haben die Datenmengen der Finanzdienstleister in großem Umfang anwachsen lassen und erschweren den effizienten Zugriff auf geeignete Informationen. Damit Daten nicht belasten, sondern einen Mehrwert an Informationen erzeugen, muss nicht nur aus gesetzlichen und aufsichtsrechtlichen, sondern auch aus Effizienzgründen Sinnvolles von Unnötigem getrennt werden. Was häufig fehlt, ist ein systematischer, möglichst automatisierter Datenlebenszyklus und eine strukturierte Ordnung, diesen zu unterstützen.

Zudem muss das Verständnis bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erzeugt werden, dass Daten regelmäßig zu überprüfen sind, nur Notwendiges archiviert und Unnötiges konsequent gelöscht wird. Denn wie heißt ein deutsches Sprichwort: „In einem geordneten Haushalt findet sich alles wieder an.“ Das schont Ressourcen. Wer nicht mehr veraltete Daten mit neuen abgleichen muss, um herauszufinden, welches die korrekten Informationen sind, hat wieder ausreichend Kapazitäten, sich seinen eigentlichen Aufgaben zu widmen.

Der Chief Data Officer

Um diesen Lernprozess anzustoßen und entsprechend automatisiert unterstützte Datenlebenszyklus-Prozesse zu etablieren, hat in der Berliner Sparkasse das seit 2007 bestehende Informationsqualitätsmanagement daher seinen Fokus erweitert und bündelt diese Themen als neu geschaffene Stabseinheit Data Governance Office unter der Leitung eines Chief Data Officers. Der Chief Data Officer (CDO) verantwortet in der Berliner Sparkasse die Koordination, Steuerung und Kontrolle der Data Governance- Aktivitäten sowie deren Inhalte und Akteure.

Er überwacht die übergreifenden Datenhaushalte bzgl. der Ausrichtung nach der Strategie. Dabei hält er unternehmensweit die Umsetzung gesetzlicher und aufsichtsrechtlicher (z. B. MaRisk, BCBS 239, EU-DSGVO, GoBD) sowie interner Vorgaben hinsichtlich des Umgangs mit Daten in den Geschäftsfeldern und Fachbereichen nach und sorgt für die Prüfung der Informationsqualität sowie Initiierung von Bereinigungsmaßnahmen.

Dem CDO kommt hierbei eine herausgehobene Unterstützungs-, Multiplikatorenund Vorbildfunktion im Unternehmen zu. In diesem Zusammenhang vertritt er die Interessen des Unternehmens aktiv nach innen und außen. Er prägt entscheidend die Führungskultur und das Leitbild des Unternehmens bzgl. des effizienten, ordnungsgemäßen und qualitätsgesicherten Umgangs mit Daten. Er trägt damit wesentlich zur strategischen Erfolgssicherung des Unternehmens bei.

PRAXISTIPPS

  • Ein Erfolgsfaktor sind Sponsoren, die das Thema unterstützen und mit vertreten. Es hat sich als Vorteil gezeigt, rechtzeitig mit dem Management die Notwendigkeit des Aufräumens der Datenhaushalte zu erörtern.
  • Der Chief Data Officer benötigt als weiteren Erfolgsfaktor ein robustes Mandat, um das „unpopuläre“ Thema „Datensteuerung“ durchsetzen zu können.
  • Außerdem sollte der Chief Data Officer im Unternehmen gut vernetzt sein und entsprechende Soft Skills mitbringen, die der Kommunikation dienen und Akzeptanz schaffen.
  • Nicht zuletzt sollten klare Verantwortlichkeiten (z. B. Data Ownerschaften) festgelegt werden.

SEMINARTIPPS

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Dieser Beitrag ist erschienen im Newsletter Banken-Times SPEZIAL Banksteuerung/Treasury,
Ausgabe Juli/August 2017
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