Kurzprüfungen als (neues?) Instrument der Revisionsarbeit

6. September 2017 in Kategorie Revision

von
Thorsten Pegelow
Bereichsleiter Revision, Hamburger Sparkasse AG


Die Anforderungen an die Revision bezüglich des Prüfungsumfanges richten sich generell nach AT 4.4.3 Tz. 3 der MaRisk. Dort ist festgelegt, dass die Interne Revision alle Aktivitäten und Prozesse zu prüfen hat. Dabei ist ein risikoorientiertes Vorgehen ebenso unabdingbar wie angewiesen sowie die Ausrichtung der Prüfungshandlungen sowohl auf die internen als auch ausgelagerten Prozesse. Sowohl Breite als auch Tiefe und Rhythmus der Prüfung einzelner Prüfungsfelder obliegen der sachgerechten Bewertung und Disposition der Internen Revision selbst.

Vor dem Hintergrund der Vielzahl an regulatorischen Impulsen sowie des damit steigenden Umfangs der Notwendigkeit sich prüferisch mit den vorgenannten Entwicklungen zu beschäftigen, steht die Interne Revision regelmäßig vor der Frage, wie sinnvoll mit ggf. weniger kritischen/risikobehafteten im Prüfungsuniversum enthaltenen Prüfungsobjekten umzugehen ist.

Unter Berücksichtigung der neu einzuschätzenden Risikolage einzelner Prüfungsobjekte (vgl. MaRisk-E 2017 bzgl. Manipulationsmöglichkeiten von Mitarbeitern in den Prozessen) ist ggf. eine veränderte Ressourcenallokation angeraten, um neben der fachlichen Aufdeckung von Defiziten auch den disziplinierenden Nebeneffekt, den eine Revisionsprüfung zweifellos (unter die Überschrift „Betriebs- oder Prozesstreue”) hat, mit vertretbarem Aufwand ins Haus zu tragen. Nun stehen aber diesen gestiegenen Prüfungsanforderungen nicht in allen Fällen gleichzeitig proportional gestiegene Prüferressourcen gegenüber.

Diesem Dilemma muss man mit entsprechenden ziel- und sachgerechten Lösungen begegnen. Eine geeignete Möglichkeit stellen sogenannte „Kurzprüfungen” dar. Wesentlich bei diesem Prüfungsansatz sind folgende Aspekte: 1. Auswahl eines geeigneten Prüffeldes (wg. Sicherstellung eines angemessenen Einarbeitungswandes in kurzer Zeit) 2. Abgrenzung gegenüber anderen Prüffeldern 3. Hinreichende Prüffeldgröße zur Erlangung belastbarer Prüfergebnisse Grundsätzlich gelten für derartige Kurzprüfungen alle gängigen Revisionsstandards, wie z. B.: Anwendung Mängelklassifizierung, ggf. Stichprobengröße und -verfahren, Follow-up, Berichterstattung und anschließende Überarbeitung bzw. Anpassung der Prüffeldbewertung.

Als hilfreich für die operative Prüfungsdurchführung können sich auch die von den Verbänden für die Revisionsarbeit erstellten Checklisten erweisen, die – zumindest formal – hinreichend isolierte Sichten auf einzelne Prüffeldabschnitte liefern können. Je nach Häufigkeit derartiger Kurzprüfungen bietet es sich auch an, darüber nachzudenken, eigene Berichts- und Dokumentationsformate für derartige Kurzprüfungen zu schaffen.

Um erste Erfahrungen mit einer Kurzprüfung zu sammeln, besteht eine Möglichkeit darin, aus umfangreicheren Prüfungsthemen eher Prüffelder mit niedrigen Risiken „abzuspalten”, damit isoliert die risikoseitig noch unkritischeren Themen auszugrenzen und in den verbleibenden Themen eine Erst-(„Probe-“)Prüfung durchzuführen.

Das Ausblenden der mit der niedrigsten Risikobewertung versehenen Prüfungsobjekte kann dann möglicherweise sogar dazu führen, dass die Rhythmik über die vorhandenen bspw. drei Jahre auf vier oder fünf Jahre gestreckt werden kann. Dabei wird sich die Revision nicht dem Vorwurf ausgesetzt sehen, Prüffelder unangemessen „lang” nicht zu prüfen, vielmehr ist zu vertreten, dass die Revision ggf. auch ad hoc wichtige Themen gut strukturiert und mit belastbaren Aussagen prüfen kann.

PRAXISTIPPS

  • Sehen Sie in Ihrer Prüfungsplanung Zeiten für die Durchführung von Kurzprüfungen vor.
  • Passen Sie Ihr Revisionshandbuch ggf. auf die Durchführung „anderer” (Kurz-)Prüfungen an.
  • Schaffen Sie klar abgrenzbare Prüfungsfelder mit isolierbaren Risikoscores und ermöglichen Sie damit die Durchführung von Kurzprüfungen.

SEMINARTIPPS

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Dieser Beitrag ist erschienen im Newsletter Banken-Times KLASSIK, Ausgabe September 2017.
(Kostenlose) Bestellung möglich unter http://www.fc-heidelberg.de/bankentimes
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