Prüfung der sachgerechten Berücksichtigung von Ertragsrisiken im SREP-Zuschlag

1. September 2017 in Kategorie Banksteuerung / Treasury

von
Prof. Dr. Dirk Heithecker
Professur für Quantitative Methoden und Corporate Finance, Hochschule Hannover, und Fachreferent, Kredit- und Restwertrisikomanagement, Volkswagen Financial Services AG


Mit Umsetzung der Säule 1 Plus im Rahmen des SREP erfolgt erstmalig durch die deutsche Aufsicht eine zusätzliche Anrechnung von Risiken gem. Säule 2 auf die Eigenmittelunterlegung nach Säule 1. Durch die abweichende Ausgestaltung der Methodik zwischen Säule 1 und Säule 2 kann ein sehr schematisiertes Vorgehen bei der Berechnung dieses SREP-Kapitalzuschlags insbesondere bei sonstigen Risiken zu unangemessenen Ergebnissen führen. Ertrags- bzw. Vertriebsrisiken können als Beispiel dienen, dass ggf. eine inhaltliche Prüfung der Säule-2-Risiken für den Ansatz in Säule 1 notwendig ist. Dieser Sachverhalt wird kurz dargelegt.

SREP-Kapitalzuschlag für sonstige Risiken

Die Eigenmittelanforderung gem. Säule 1 sieht neben der definierten Quantifizierung nach CRR Zuschläge für über diese Berechnung hinausgehende, bankenindividuelle Risiken vor. Die Bestimmung solcher Zuschläge für sonstige Risiken stützt sich auf die interne Risikoinventur und Risikoquantifizierung der Banken, die diese mit dem Ziel einer internen Risikotragfähigkeits-( RTF-) Analyse plausibel und nachprüfbar durchführen müssen. Sonstige Risiken sind alle Risikoarten, die über die Standardrisikoarten (Adressenausfallrisiko, Marktpreisrisiko, operationelles Risiko, Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch und im Bankbuch) hinaus identifiziert werden (vgl. Heithecker, Weitere potenziell wesentliche Risikoarten, in: Riediger (Hrsg.), Risikoreporting, erscheint 2017). Weiter lesen.. »

Daten – Last oder Lust?

23. August 2017 in Kategorie Banksteuerung / Treasury

von
Sandra Holz
Chief Data Officer, Leiterin Data Governance Office, Berliner Sparkasse


Daten stellen für Finanzdienstleister mehr denn je eine essenzielle Ressource dar. Ohne sie wird das Bestehen im Zeitalter der Digitalisierung nicht funktionieren. Im fachlichen Kontext liefern sie Informationen, die für die meisten Entscheidungen von wesentlicher Bedeutung sind. Umso wichtiger ist ein effizienter, ordnungsgemäßer und qualitätsgesicherter Umgang mit dem Unternehmenskapital Daten. Nur so können aus Daten korrekte Informationen gewonnen werden, die der richtigen strategischen Ausrichtung sowie den Entwicklungs- und Entscheidungsprozessen dienen.

Die Last der Ordnung

Nach der Finanzkrise 2008 haben die Bankenaufsicht und der Gesetzgeber die Datenhaushalte der Banken in den Fokus genommen. Ihr Ergebnis lautet salopp formuliert: In der Branche wird mit Informationen viel zu hemdsärmelig umgegangen. Daten sind wild verteilt in unzähligen Systemen; eine Nachverfolgung, woher Daten kommen, wozu und von wem sie verwendet werden, ist häufig nicht möglich. In der EU wurden daher die „Principles for effective risk data aggregation and risk reporting“ (BCBS 239) des Basel Committee on Banking Supervision (BCBS) veröffentlicht, um die Finanzbranche im ersten Schritt hinsichtlich der Risikodaten zur Ordnung zu rufen.

Von der deutschen Aufsicht wurden diese Ansätze in die MaRisk (Mindestanforderungen an das Risikomanagement) übernommen und werden derzeit in der Branche „konsultiert“. Aber auch die neue EU-Datenschutzgrundverordnung, die im Mai 2018 in Kraft tritt, hat hohe Anforderungen an den Umgang mit Daten. Ganz zu schweigen von den GoBD (Grundsätze ordnungsgemäßer Führung und Aufbewahrung von Büchern auch in elektronischer Form und zum Datenzugriff ), die bereits lange einen ordnungsgemäßen Umgang mit Daten verlangen. Sie alle fordern die Banken dazu auf, ihre Daten kontrolliert zu managen und Wildwuchs zu verhindern. Daneben drücken die Kosten für die Verarbeitung und Speicherung überflüssiger Daten sowie die Qualität der Informationsgehalte. Weiter lesen.. »

Auswirkung des SREP auf die Risikotragfähigkeitsberechnung von Sparkassen

26. Juli 2017 in Kategorie Banksteuerung / Treasury

von
Stefan Teichmann
Leiter Vorstandsstab/Controlling, Sparkasse Zollernalb


Mit dem Supervisory Review and Evaluation Process (SREP) verfolgt die europäische Bankenaufsicht das Ziel, einheitliche und faire Wettbewerbsbedingungen sicherzustellen. Insbesondere die Sichtweise auf das Risikokapital hat unterschiedliche Auswirkungen auf die bisherigen Risikotragfähigkeitsmodelle aller Institute. Dabei soll die Formel „höhere, risikosensitivere Kapitalanforderungen = bessere Krisenstabilität“ angewandt werden. Die weiteren Ausführungen beziehen sich im Wesentlichen auf die Less Significant Institutes (LSI), zu deren Gruppe die Mehrzahl der Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken gehören. National werden in Deutschland alle betroffenen Institute innerhalb von drei Jahren einer individuellen SREP-Überprüfung und Einstufung unterzogen. Diejenigen Institute, die in der ersten bzw. zweiten Tranche noch keinen individuellen Zuschlag erhalten, werden nach der Allgemeinverfügung behandelt. Diese Vorgehensweise soll gewährleisten, dass mit Beginn der SREP-Anforderungen per 31.12.2016 alle Kreditinstitute erweiterte Kapitalanforderungen zu erfüllen haben. So entsteht weitgehend keine Benachteiligung von Instituten mit individuellem SREP-Bescheid.

Risikotragfähigkeitskonzept vor SREP

In den bisher angewandten Risikotragfähigkeitskonzepten wurde in der Sparkassen- Finanzgruppe häufig der Going- Concern-Ansatz angewandt. Hierbei wurde das gesamte Risikodeckungskapital um die notwendigen Kapitalanforderungen aus der regulatorischen Sichtweise gekürzt, um das zur Risikoabdeckung verfügbare Deckungskapital abzuleiten. Aus dem verfügbaren Deckungskapital kann die Geschäftsleitung aufgrund ihrer Risikopräferenz Kapital in Form von Limits zur Abdeckung von Risiken der Säule 2 bereitstellen. Die beiden strengen Nebenbedingungen der regulatorischen Sichtweise wurden wie folgt berücksichtigt: Weiter lesen.. »

Berücksichtigung des Exposures gegenüber Schattenbanken im Risikomanagement

7. Juni 2017 in Kategorie Banksteuerung / Treasury

von
Michael Evers
Referent für Bankenaufsicht, Bankhaus Lampe, Düsseldorf

Prof. Dr. Stefan Janßen
Studiengangleiter Insurance, Banking and Finance, Jade Hochschule Wilhelms-haven/Oldenburg/Elsfleth, vormals Leiter Bankgeschäftliche Prüfungen, Deutsche Bundesbank, Hauptverwaltung Hannover


Als eine Folge der Finanzmarktkrise sind auch so genannte Schattenbanken in den Fokus der Aufsicht gerückt. Als Schattenbanken werden Unternehmen bezeichnet, die bankähnliche Geschäfte betreiben, jedoch keiner vergleichbaren Beaufsichtigung unterliegen. Die Aufsicht hat allerdings keine direkten Vorgaben für Schattenbanken gemacht. Stattdessen sollen die bereits regulierten Kreditinstitute im Rahmen ihres internen Risikomanagements in ihren Geschäftsbeziehungen zum Schattenbanksektor begrenzt werden.

Dies geht aus der EBA-Guideline EBA/GL/2015/20 sowie dem BaFin-Rundschreiben 8/2016 (BA) hervor. Mit diesem Rundschreiben sind für alle betroffenen Unternehmen in Deutschland seit dem 01.01.2017 die vorgeschriebenen Maßnahmen verbindlich. Die Regelungen der Leitlinie betreffen allerdings nur solche Risikopositionen, die unter Berücksichtigung eventueller Kreditrisikominderungstechniken, (z. B. Barsicherheiten, Grundschulden etc.) größer oder gleich 0,25 % der anrechenbaren Eigenmittel des jeweiligen Kreditinstituts sind. Weiter lesen.. »

Berichtswesen – ein Dauerthema

26. Mai 2017 in Kategorie Banksteuerung / Treasury

von
Henning Riediger, Prüfungsleiter im Referat Bankgeschäftliche Prüfung, Deutsche Bundesbank, Hannover


Change The Bank – Change The Reporting Carefully

Besondere Aufmerksamkeit ist dann angebracht, wenn eingespielte Verfahren und Prozesse geändert werden. Seit der MaRisk- Novelle 2012 gibt es die Anforderungen gem. AT 8.2, welche sich inhaltlich genau mit solchen Konstellationen auseinandersetzen. Wird nun im Rahmen der Berichterstattung ein neues System, eine neue Infrastruktur, eine neue Darstellungsweise oder auch eine neue Methodik der Risikoermittlung eingesetzt, so ist durch entsprechende Kontrollhandlungen sicherzustellen, dass das Fehlerpotenzial minimiert wird.

Übliche Maßnahmen in diesem Zusammenhang sind die Nutzung des Vier-Augen- Prinzips bei der Einstellung von Parametergrößen (z. B. Zinselastizitäten und/oder Ablauffiktionen) und die Verwendung einer Parallelrechnung (z. B. bei neuen oder veränderten Messmethoden) über einen ausreichend langen Zeitraum. Gerade die Parallelrechnungen bieten die Möglichkeit zu überprüfen, ob die nunmehr verwendete Steuerungssystematik sich analog zur bisher verwendeten Methodik verhält. Stellen sich beispielsweise vollkommen unterschiedliche Risikowertentwicklungen ein, muss diese Auffälligkeit nicht nur im Risikocontrolling untersucht, sondern auch dem Berichtsempfänger entsprechend deutlich gemacht werden.

Umfang und Tiefe der Darstellung richtet sich nach dem Empfänger

Eine in der Praxis häufig gestellte Frage ist nach der Art und dem Umfang der Darstellung von risikorelevanten Informationen. Hier wird gerade häufig in den berichteten Organisationseinheiten die Auffassung vertreten: umso mehr, desto besser. Grundsätzlich ist eine umfängliche und vollständige Risikodarstellung wünschenswert; aber entscheidend ist es, ob die Berichtsempfänger bei der Vielzahl an Informationen den notwendigen Überblick behalten werden. Auch hier sind auch die Berichtsempfänger in der Pflicht, genau vorzugebenen, wie und in welchem Umfang über was berichtet werden soll. Hier kann beispielsweise mit Schwellwerten gearbeitet werden, analog der Vorgehensweise bei der Risikoinventur oder der Ableitung der Risikorelevanzgrenze. Weiter lesen.. »