Daten – Last oder Lust?

14. Juli 2017 in Kategorie Banksteuerung / Treasury

von
Sandra Holz
Chief Data Officer, Leiterin Data Governance Office, Berliner Sparkasse


Daten stellen für Finanzdienstleister mehr denn je eine essenzielle Ressource dar. Ohne sie wird das Bestehen im Zeitalter der Digitalisierung nicht funktionieren. Im fachlichen Kontext liefern sie Informationen, die für die meisten Entscheidungen von wesentlicher Bedeutung sind. Umso wichtiger ist ein effizienter, ordnungsgemäßer und qualitätsgesicherter Umgang mit dem Unternehmenskapital Daten. Nur so können aus Daten korrekte Informationen gewonnen werden, die der richtigen strategischen Ausrichtung sowie den Entwicklungs- und Entscheidungsprozessen dienen.

Die Last der Ordnung

Nach der Finanzkrise 2008 haben die Bankenaufsicht und der Gesetzgeber die Datenhaushalte der Banken in den Fokus genommen. Ihr Ergebnis lautet salopp formuliert: In der Branche wird mit Informationen viel zu hemdsärmelig umgegangen. Daten sind wild verteilt in unzähligen Systemen; eine Nachverfolgung, woher Daten kommen, wozu und von wem sie verwendet werden, ist häufig nicht möglich. In der EU wurden daher die „Principles for effective risk data aggregation and risk reporting“ (BCBS 239) des Basel Committee on Banking Supervision (BCBS) veröffentlicht, um die Finanzbranche im ersten Schritt hinsichtlich der Risikodaten zur Ordnung zu rufen.

Von der deutschen Aufsicht wurden diese Ansätze in die MaRisk (Mindestanforderungen an das Risikomanagement) übernommen und werden derzeit in der Branche „konsultiert“. Aber auch die neue EU-Datenschutzgrundverordnung, die im Mai 2018 in Kraft tritt, hat hohe Anforderungen an den Umgang mit Daten. Ganz zu schweigen von den GoBD (Grundsätze ordnungsgemäßer Führung und Aufbewahrung von Büchern auch in elektronischer Form und zum Datenzugriff ), die bereits lange einen ordnungsgemäßen Umgang mit Daten verlangen.

Sie alle fordern die Banken dazu auf, ihre Daten kontrolliert zu managen und Wildwuchs zu verhindern. Daneben drücken die Kosten für die Verarbeitung und Speicherung überflüssiger Daten sowie die Qualität der Informationsgehalte.

Die Lust an der Information

Zahlreiche (System-)Migrationen in der Vergangenheit und heterogene Systemlandschaften haben die Datenmengen der Finanzdienstleister in großem Umfang anwachsen lassen und erschweren den effizienten Zugriff auf geeignete Informationen. Damit Daten nicht belasten, sondern einen Mehrwert an Informationen erzeugen, muss nicht nur aus gesetzlichen und aufsichtsrechtlichen, sondern auch aus Effizienzgründen Sinnvolles von Unnötigem getrennt werden. Was häufig fehlt, ist ein systematischer, möglichst automatisierter Datenlebenszyklus und eine strukturierte Ordnung, diesen zu unterstützen.

Zudem muss das Verständnis bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erzeugt werden, dass Daten regelmäßig zu überprüfen sind, nur Notwendiges archiviert und Unnötiges konsequent gelöscht wird. Denn wie heißt ein deutsches Sprichwort: „In einem geordneten Haushalt findet sich alles wieder an.“ Das schont Ressourcen. Wer nicht mehr veraltete Daten mit neuen abgleichen muss, um herauszufinden, welches die korrekten Informationen sind, hat wieder ausreichend Kapazitäten, sich seinen eigentlichen Aufgaben zu widmen.

Der Chief Data Officer

Um diesen Lernprozess anzustoßen und entsprechend automatisiert unterstützte Datenlebenszyklus-Prozesse zu etablieren, hat in der Berliner Sparkasse das seit 2007 bestehende Informationsqualitätsmanagement daher seinen Fokus erweitert und bündelt diese Themen als neu geschaffene Stabseinheit Data Governance Office unter der Leitung eines Chief Data Officers. Der Chief Data Officer (CDO) verantwortet in der Berliner Sparkasse die Koordination, Steuerung und Kontrolle der Data Governance- Aktivitäten sowie deren Inhalte und Akteure. Er überwacht die übergreifenden Datenhaushalte bzgl. der Ausrichtung nach der Strategie.

Dabei hält er unternehmensweit die Umsetzung gesetzlicher und aufsichtsrechtlicher (z. B. MaRisk, BCBS 239, EU-DSGVO, GoBD) sowie interner Vorgaben hinsichtlich des Umgangs mit Daten in den Geschäftsfeldern und Fachbereichen nach und sorgt für die Prüfung der Informationsqualität sowie Initiierung von Bereinigungsmaßnahmen. Dem CDO kommt hierbei eine herausgehobene Unterstützungs-, Multiplikatorenund Vorbildfunktion im Unternehmen zu. In diesem Zusammenhang vertritt er die Interessen des Unternehmens aktiv nach innen und außen. Er prägt entscheidend die Führungskultur und das Leitbild des Unternehmens bzgl. des effizienten, ordnungsgemäßen und qualitätsgesicherten Umgangs mit Daten. Er trägt damit wesentlich zur strategischen Erfolgssicherung des Unternehmens bei.

PRAXISTIPPS

  • Ein Erfolgsfaktor sind Sponsoren, die das Thema unterstützen und mit vertreten. Es hat sich als Vorteil gezeigt, rechtzeitig mit dem Management die Notwendigkeit des Aufräumens der Datenhaushalte zu erörtern.
  • Der Chief Data Officer benötigt als weiteren Erfolgsfaktor ein robustes Mandat, um das „unpopuläre“ Thema „Datensteuerung“ durchsetzen zu können.
  • Außerdem sollte der Chief Data Officer im Unternehmen gut vernetzt sein und entsprechende Soft Skills mitbringen, die der Kommunikation dienen und Akzeptanz schaffen.
  • Nicht zuletzt sollten klare Verantwortlichkeiten (z. B. Data Ownerschaften) festgelegt werden.

SEMINARTIPPS

BUCHTIPP


Buchheit / Günther / Hauser / Klausch

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Dieser Beitrag ist erschienen im Newsletter Banken-Times SPEZIAL Banksteuerung/Treasury,
Ausgabe Juli/August 2017.
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Berücksichtigung des Exposures gegenüber Schattenbanken im Risikomanagement

7. Juni 2017 in Kategorie Banksteuerung / Treasury

von
Michael Evers
Referent für Bankenaufsicht, Bankhaus Lampe, Düsseldorf

Prof. Dr. Stefan Janßen
Studiengangleiter Insurance, Banking and Finance, Jade Hochschule Wilhelms-haven/Oldenburg/Elsfleth, vormals Leiter Bankgeschäftliche Prüfungen, Deutsche Bundesbank, Hauptverwaltung Hannover


Als eine Folge der Finanzmarktkrise sind auch so genannte Schattenbanken in den Fokus der Aufsicht gerückt. Als Schattenbanken werden Unternehmen bezeichnet, die bankähnliche Geschäfte betreiben, jedoch keiner vergleichbaren Beaufsichtigung unterliegen. Die Aufsicht hat allerdings keine direkten Vorgaben für Schattenbanken gemacht. Stattdessen sollen die bereits regulierten Kreditinstitute im Rahmen ihres internen Risikomanagements in ihren Geschäftsbeziehungen zum Schattenbanksektor begrenzt werden.

Dies geht aus der EBA-Guideline EBA/GL/2015/20 sowie dem BaFin-Rundschreiben 8/2016 (BA) hervor. Mit diesem Rundschreiben sind für alle betroffenen Unternehmen in Deutschland seit dem 01.01.2017 die vorgeschriebenen Maßnahmen verbindlich. Die Regelungen der Leitlinie betreffen allerdings nur solche Risikopositionen, die unter Berücksichtigung eventueller Kreditrisikominderungstechniken, (z. B. Barsicherheiten, Grundschulden etc.) größer oder gleich 0,25 % der anrechenbaren Eigenmittel des jeweiligen Kreditinstituts sind. Weiter lesen.. »

Berichtswesen – ein Dauerthema

26. Mai 2017 in Kategorie Banksteuerung / Treasury

von
Henning Riediger, Prüfungsleiter im Referat Bankgeschäftliche Prüfung, Deutsche Bundesbank, Hannover


Change The Bank – Change The Reporting Carefully

Besondere Aufmerksamkeit ist dann angebracht, wenn eingespielte Verfahren und Prozesse geändert werden. Seit der MaRisk- Novelle 2012 gibt es die Anforderungen gem. AT 8.2, welche sich inhaltlich genau mit solchen Konstellationen auseinandersetzen. Wird nun im Rahmen der Berichterstattung ein neues System, eine neue Infrastruktur, eine neue Darstellungsweise oder auch eine neue Methodik der Risikoermittlung eingesetzt, so ist durch entsprechende Kontrollhandlungen sicherzustellen, dass das Fehlerpotenzial minimiert wird.

Übliche Maßnahmen in diesem Zusammenhang sind die Nutzung des Vier-Augen- Prinzips bei der Einstellung von Parametergrößen (z. B. Zinselastizitäten und/oder Ablauffiktionen) und die Verwendung einer Parallelrechnung (z. B. bei neuen oder veränderten Messmethoden) über einen ausreichend langen Zeitraum. Gerade die Parallelrechnungen bieten die Möglichkeit zu überprüfen, ob die nunmehr verwendete Steuerungssystematik sich analog zur bisher verwendeten Methodik verhält. Stellen sich beispielsweise vollkommen unterschiedliche Risikowertentwicklungen ein, muss diese Auffälligkeit nicht nur im Risikocontrolling untersucht, sondern auch dem Berichtsempfänger entsprechend deutlich gemacht werden.

Umfang und Tiefe der Darstellung richtet sich nach dem Empfänger

Eine in der Praxis häufig gestellte Frage ist nach der Art und dem Umfang der Darstellung von risikorelevanten Informationen. Hier wird gerade häufig in den berichteten Organisationseinheiten die Auffassung vertreten: umso mehr, desto besser. Grundsätzlich ist eine umfängliche und vollständige Risikodarstellung wünschenswert; aber entscheidend ist es, ob die Berichtsempfänger bei der Vielzahl an Informationen den notwendigen Überblick behalten werden. Auch hier sind auch die Berichtsempfänger in der Pflicht, genau vorzugebenen, wie und in welchem Umfang über was berichtet werden soll. Hier kann beispielsweise mit Schwellwerten gearbeitet werden, analog der Vorgehensweise bei der Risikoinventur oder der Ableitung der Risikorelevanzgrenze. Weiter lesen.. »

Neue regulatorische Offenlegungspflichten

19. Mai 2017 in Kategorie Banksteuerung / Treasury

von
Gerhard Klopf
stv. Abteilungsleiter Rechnungslegung/Aufsichtsdatenbanken, Deutsche Bundesbank


Als Folge der Finanzmarktkrise überarbeitet der Baseler Ausschuss in mehreren Schritten auch die Vorgaben zur Säule 3. Die Neuerungen finden sukzessive Eingang in europäisches Recht, die es zu beachten gilt. Zum einen hat am 14.12.2016 die EBA Leitlinien zur Anwendung von Phase 1 der überarbeiteten Baseler Offenlegungsanforderungen (BCBS 309) veröffentlicht . Diese kommen ab dem 31.12.2017 für einen begrenzten Kreis von Instituten zur Anwendung. Zum anderen hat die EU-Kommission am 23.11.2016 einen ersten Entwurf zur Überarbeitung der Capital Requirements Regulation (CRR II) vorgelegt . Neben einer Präzisierung und der inhaltlichen Angleichung der Offenlegungsanforderungen an die Baseler Vorschriften ist auch ein Proportionalitätsansatz im Hinblick auf den künftigen Geltungsbereich vorgeschlagen.

EBA Guidelines on Disclosure

Die EBA-Leitlinien zur Offenlegung zielen darauf ab, den Instituten Hilfestellung und auch Rechtssicherheit für eine zeitnahe harmonisierte Umsetzung der BCBS 309 im Rahmen des derzeit geltenden EU-Rechts zu gewährleisten. Sie beinhalten Präzisierungen und Auslegungshilfen im Fall von Zweifelsfragen zwischen CRR und BCBS 309. Des Weiteren wurden die neu entwickelten Baseler Tabellen im Hinblick auf europäische Ausprägungen angepasst, mit Anwendungserläuterungen versehen und um das Präfix „EU“ ergänzt. Weiter lesen.. »

MaRisk-Öffnungsklauseln

21. April 2017 in Kategorie Banksteuerung / Treasury

von
Christian Schnabel
Bereichsdirektor Unternehmensentwicklung, Sparkasse Hildesheim Goslar Peine


Die vielfältigen nationalen und internationalen Vorhaben zur Bankenregulierung münden in Gesetzen, Verordnungen oder Rundschreiben. Die Anforderungen an das Risikomanagement der Kreditinstitute sind im § 25a KWG fixiert. Die MaRisk legen als norminterpretierende Verwaltungsvorschriften die im KWG verwendeten unbestimmten Rechtsbegriffe weiter aus.

Die Beachtung der Anforderungen des Rundschreibens durch die Institute soll dazu beitragen, Missständen im Kredit- und Finanzdienstleistungswesen entgegenzuwirken, welche die Sicherheit der den Instituten anvertrauten Vermögenswerte dialoggefährden, die ordnungsgemäße Durchführung der Bankgeschäfte oder Finanzdienstleistungen beeinträchtigen oder erhebliche Nachteile für die Gesamtwirtschaft herbeiführen können (AT 2 Anwendungsbereich).

Da die Anforderungen für alle Kreditinstitute in Deutschland gelten, sind die MaRisk prinzipienorientiert aufgebaut und müssen innerhalb des gesetzten Rahmens institutsindividuell interpretiert und umgesetzt werden. Der Gestaltungsspielraum für die Institute resultiert aus den Öffnungsklauseln. Sie erlauben, dass unter Berücksichtigung von Art, Umfang, Komplexität und Risikogehalt der Geschäftsaktivitäten das Risikomanagement grundsätzlich methodenfrei ausgestaltet werden kann, soweit es nach dem Grundsatz der Proportionalität als angemessen beurteilt werden kann. Weiter lesen.. »