Neue Offenlegungsanforderungen nach CRR II

13. März 2017 in Kategorie Banksteuerung / Treasury

von
Thilo Kasprowicz
Partner, Financial Services, Regulatory, KPMG, Frankfurt/M.


Überblick

Am 23.11.2016 hat die Europäische Kommission unter anderem einen Entwurf für die CRR II vorgelegt. Mit diesem Schritt strebt die Europäische Union gesetzgeberisch verschiedene Zwecke an. Zum ersten die Finalisierung des Basel III-Paketes: Die Einführung der Leverage Ratio soll einen exzessiven Einsatz von Fremdkapital auf das eingesetzte Eigenkapital unterbinden und damit bremsend wirken, falls und wenn Risikogewichte zu stark fallen. Die Net Stable Funding Ratio (NSFR) als verbindliches Maß soll einer übermäßigen Fristentransformation Einhalt gebieten.

Beide Elemente sind zentrale Bestandteile der Basel III-Reformen aus dem Jahr 2010. Zum zweiten wurde mit der CRR II der Beginn der Umsetzung des Basel IV-Paketes eingeläutet: Die Überarbeitung der Risikomessung im Nenner der Kapitalquote. Den größten Regulierungsblock stellen die überarbeiteten Regeln für die Messung von Handelsbuchrisiken – des sog. Fundamental Review of the Trading Book – dar. Neben einer neuen Abgrenzung von Handels- und Bankbuch werden sowohl die Standardansätze als auch die internen Modelle komplett erneuert.

Überraschend findet sich im Legislativpaket mit Zinsänderungsrisiken im Bankbuch auch ein alter Bekannter wieder, der im Baseler Ausschuss keine Mehrheit für eine Säule I-Regulierung gefunden hat. Elemente des dort verworfenen Standardansatzes werden hier wieder aufgegriffen und ihre Anwendung ins Ermessen der Aufseher im Rahmen des SREP gestellt – verbunden mit neuen Offenlegungspflichten der Institute. Weiter lesen.. »

Auswirkungen der aktuellen MaRisk-Vorgaben für die Liquiditätsrisikosteuerung

8. Februar 2017 in Kategorie Banksteuerung / Treasury

von
Daniel Lenze
Bereichsleiter Gesamtbankrisikosteuerung/Controlling und Rechnungswesen, Sparda-Bank Nürnberg eG


Am 19.02.2016 haben die Bundesbank und BaFin gemeinsam das Konsultationspapier (02/2016) zur fünften Novelle der Mindestanforderungen an das Risikomanagement von Kreditinstituten (MaRisk) veröffentlicht. Nachdem die letzte Novellierung aus 2012 einige Zeit zurückliegt, war es aus Sicht der Aufsicht erforderlich, die international in den Fokus gerückten Themen zum Risikomanagement, insbesondere Risikodatenaggregation und Risikoberichterstattung, Risikokultur und Auslagerungen, in die neue Überarbeitung des Rundschreibens einfließen zu lassen.

Der Entwurf sieht auch einige Neuerungen bzw. Verschärfungen für das Liquiditätsrisikomanagement vor. Das aufsichtliche Verfahren zur Beurteilung der Angemessenheit der internen Liquidität (ILAPP) wirft hier bereits seine Schatten voraus. Die finale Version der MaRisk 2016 wird bis Ende des Jahres 2016 erwartet und soll zum 01.01.2017 in Kraft treten.

Aufgrund seiner in den letzten Jahren wachsenden Bedeutung stellt das Liquiditätsrisiko gemäß AT 2.2 MaRisk ebenso wie das Markt-und Kreditrisiko ein wesentliches Risiko dar. Die allgemeinen Anforderungen für das Liquiditätsrisikomanagement für nicht kapitalmarktorientierte Institute werden in BTR 3.1 MaRisk formuliert.

Die Anpassungen in der MaRisk-Novelle 2016 zielen im Bereich der Liquiditätssteuerung im Wesentlichen auf die Harmonisierung im Hinblick auf entsprechende Vorgaben aus der delegierten Verordnung zur Liquiditätsdeckungs-anforderung (EU) Nr. 2015/61 (delVO) sowie der EBA-Leitlinie zu gemeinsamen Verfahren und Methoden für den aufsichtlichen Überprüfungs-und Bewertungsprozess (SREP) ab. Weiter lesen.. »

Stresstests für Risikotragfähigkeit und Kapitalplanung

25. Januar 2017 in Kategorie Banksteuerung / Treasury

von
Dr. Daniel Baumgarten
Teamleiter, Risikotragfähigkeit & Kapital, Sparkasse KölnBonn


Gemäß AT 4.3.3 Tz. 5 der MaRisk sind die Ergebnisse von Stresstests bei der Beurteilung der Risikotragfähigkeit zu berücksichtigen. Zusätzliche Stresstestbetrachtungen innerhalb der Risikotragfähigkeitsanalyse erweitern deren Spektrum und liefern ergänzende Erkenntnisse bzgl. der Angemessenheit der aktuellen Kapitalausstattung sowie potenzielle Steuerungsimpulse. Die Darstellung der Risikotragfähigkeit unter Stressbedingungen macht die Anfälligkeit für institutsrelevante außergewöhnliche, aber plausibel mögliche Ereignisse transparent und erfüllt somit parallel eine Frühwarnfunktion.

Auch innerhalb der institutsinternen Kapitalplanungsverfahren sollten Stresstests bzw. Szenarioanalysen als zentrales Element verankert werden, um die zukunftsorientierte Einschätzung der Angemessenheit der Eigenkapitalausstattung zu fundieren.

Mehrwert für die Analyse der Ergebnisse verteilungsbasierter Risikomodelle

Insbesondere bei Verwendung verteilungsbasierter Risikomodelle in der Risikotragfähigkeitsrechnung ermöglichen Stresstests Analysen bzgl. der Fragestellung, wie sich Risiken abweichend von der Standardparametrisierung bzw. jenseits vom betrachteten Quantil der Standardverlustverteilung entwickeln könnten. Dies hat insbesondere eine hohe Steuerungsrelevanz für Institute, die einen Going Concern-Ansatz als primären oder sogar einzigen Steuerungskreis mit einem tendenziell niedrigeren Konfidenzniveau verwenden. Weiter lesen.. »

Neue MaRisk-Anforderungen bei Liquiditätsrisiken

12. Dezember 2016 in Kategorie Banksteuerung / Treasury, Markt

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Michael Endmann
Direktor Gesamtbanksteuerung, Stadtsparkasse München


Die MaRisk-Novelle 2016 enthält unter BTR 3 einige neue Anforderungen, die eine deutliche Ausweitung der Vorgaben hinsichtlich der Steuerung und Überwachung von Liquiditätsrisiken erkennen lassen. Zu diesen Punkten gehören u. a.

  • Anforderungen an eine Steuerung des untertägigen Liquiditätsrisikos,
  • die Erstellung von Liquiditätsübersichten, die geeignet sind, die Liquiditätslage im kurzfristigen, im mittelfristigen und im langfristigen Bereich darzustellen,
  • Anforderungen an die Zusammensetzung, Granularität und Höhe der Liquiditätsreserve (diese wird in der MaRisk- Novelle nun mit dem Wort Liquiditätspuffer bezeichnet),
  • Definition einer Risikotoleranz in Form eines sog. Überlebenshorizonts, abgeleitet aus definierten Stressszenarios, sowie
  • die Erstellung einer internen Refinanzierungsplanung, die konform mit den Strategien, dem Risikoappetit sowie dem Geschäftsmodell ist.

Die genannten neuen Anforderungen lassen sich auch in den SREP-Guidelines (SREP-GL) der EBA wiederfinden. Gemäß Titel 12 der SREP-GL sind die nationalen Aufseher aufgefordert, die SREP-GL ab 01.01.16 in ihre Aufsichtsprozesse einzubinden. Daher ist anzunehmen, dass die Änderungen in den MaRisk auch auf die Veröffentlichung der SREP-GL zurückzuführen sind. In Teilen sind die SREP-GL deutlich ausführlicher formuliert und lassen insoweit die Erwartungen der Aufsicht deutlicher erkennen, als es die MaRisk tun. Insofern sollten sich alle Institute mit den in den SREP-GL dargelegten Anforderungen beschäftigen und prüfen, ob diese in den eigenen Häusern vollständig umgesetzt wurden.

Von den oben genannten neuen Anforderungen in der MaRisk-Novelle dürfte insbesondere die Erstellung einer internen Refinanzierungsplanung für die meisten Häuser neu sein. Eine aktive Planung der Refinanzierung, gar eine Steuerung der Passivseite war bislang für viele nicht nötig und lag daher auch nicht im Fokus der Banksteuerung. Viele kleine und mittlere Institute in Deutschland sind traditionell passivlastig, so dass sich die Frage nach einer Refinanzierungsplanung auch aus diesem Aspekt heraus nicht stellte. Weiter lesen.. »

FINREP für HGB-Bilanzierer in der Praxis – Relevante Knackpunkte und Implikationen

23. November 2016 in Kategorie Banksteuerung / Treasury

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von
Matthias Brand
Risikocontrolling, Controlling und Rechnungswesen, Kreissparkasse Böblingen


Wer meldet was und wann?

Durch die EZB-Verordnung (EU) 2015/534 wurden die FINREP-Meldepflichten auf sämtliche nach nationalen Rechnungslegungsvorschriften bilanzierenden Einzelinstitute und Gruppen (national GAAP) in abgestufter Intensität ausgeweitet. Der Beitrag soll darstellen, welche Knackpunkte und Implikationen sich insbesondere für nach HGB bilanzierende Institute ergeben. Der Umfang der Meldepflichten orientiert sich zunächst an der Größe des jeweiligen Instituts und damit an der Klassifikation der Gruppe bzw. des Instituts als bedeutend bzw. weniger bedeutend.

Die Bankenaufsicht weist ausdrücklich darauf hin, dass die den aufsichtlichen Meldungen zugrundeliegenden Bilanzierungsvorschriften nicht verändert werden sollen. Die Meldebögen nach n-GAAP für HGB-Bilanzierer unterscheiden sich von den IFRS-Bögen v. a. darin, dass neue Berichtsfelder und Verordnungsverweise für nationale Rechnungslegungsvorschriften hinzugefügt wurden, eine Reihe von Berichtsfeldern nach IFRS-Logik jedoch weiterhin enthalten sind. Dabei sind die zu meldenden Daten von einer hohen Komplexität und Granularität. Folgende Hauptproblemstellungen sind in diesem Zusammenhang zu beachten: Weiter lesen.. »