BankPraktiker 05/2017


Liebe Leserinnen und Leser,

träumen Sie als MaRisk-Compliance-Funktion auch von Fachbereichen, die ein hohes Risikoverständnis besitzen; von Mitarbeitern, die den Hintergrund von Kontrollhandlungen verstehen; Prozessverantwortlichen, die intrinsisch motiviert Vorschläge für risikobasierte Kontrollen unterbreiten?

Mit der Implementierung der durch die neue MaRisk aufsichtsrechtlich geforderten „Risikokultur“ kann Ihr Traum wahr werden! Die inhaltliche Befassung mit der Themenstellung dürfte bei allen Veränderungen in der MaRisk die größte Herausforderung darstellen. Dieses resultiert insbesondere aus dem Umstand, dass regelmäßig noch kein gleichartiges Risikoverständnis im gesamten Kreditinstitut vorhanden ist. Darüber hinaus kann eine Risikokultur nicht verordnet werden.

Insbesondere das Bekenntnis der Geschäftsleitung zu einem angemessenen Risikoumgang, die Vorbildfunktion der Führungskräfte und die Schaffung von einheitlichen Sichtweisen auf die Risiken sind wichtige Triebfedern für eine nachhaltige Implementierung. In Ermangelung einer „passt-überall-Lösung“ sind institutsindividuelle Schritte erforderlich. Hier lohnt eine nähere Betrachtung des aufsichtsrechtlich gewünschten Zielbildes sowie den daraus resultierenden Handlungsoptionen; denn die vollständige Risikoaversion stellt grundsätzlich eine falsch verstandene Deutung der Risikokultur dar.

Vielmehr ist im Entscheidungsprozess ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Chancen und Risiken unter Berücksichtigung des hausinternen Risikoappetits erforderlich. Erstaunlicherweise ist zu beobachten, dass nicht alle MaRisk-Compliance-Beauftragte sich als Triebfeder für die Implementierung der Kultur ansehen. Dabei profitiert nicht nur das Kreditinstitut, sondern insbesondere die MaRisk-Compliance-Funktion von der Entwicklung, Förderung und Integration einer ordnungsgemäßen Risikokultur. Weiter lesen.. »

RevisionsPraktiker 04-05/2017

Liebe Leserinnen und Leser,

etwas über ein Jahr ist nun seit Einführung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie vergangen und man kann sicher behaupten, dass es für die Bankenbranche eine bisweilen schwere Geburt war. Die Eingriffe des Gesetzgebers unter dem Anstrich des Verbraucherschutzes sind weitreichend, in manchen Fällen gar dramatisch. Der faktische Ausschluss älterer Menschen vom Kreditmarkt, die Stigmatisierung befristet Beschäftigter als nicht nachhaltig kreditwürdig und der massive Eingriff in die persönliche Lebensgestaltung, wie z. B. das Verbot, die Rückführung des Darlehens aus dem finanzierten Objekt zu ermöglichen sind geschaffene Tatsachen, welche man sich vor einigen Jahren nicht einmal im Traum vorstellen konnte.

Den wohlgemeinten Ansatz, den Verbraucher vor Negativeffekten zu schützen, wie sie in der Immobilienkrise in den USA entstanden sind, darf man dabei nicht verkennen und im aktuellen Marktumfeld werden zunehmend Warnungen vor solchen Immobilienblasen vorgetragen.

Doch es war sicher nicht das Geschäftsmodell der deutschen Immobilienfinanzierer, überteuerte Immobilien zu verkaufen und immer höher zu beleihen, um weitere Kredite vergeben zu können. Die Kreditausfälle der Vergangenheit haben gezeigt, dass zum einen die Banken grundsätzlich mit Augenmaß Kredite vergeben haben und zum anderen die Kreditnehmer „fürs Häusle“ bereit sind, auch weitreichende Einschränkungen in der individuellen Lebensführung hinzunehmen, um die Immobilie zu halten. Einschränkungen wohlgemerkt, die sich der Kreditnehmer selbst auferlegt, nicht der Gesetzgeber! Weiter lesen.. »

BankPraktiker 03/2017

Liebe Leserinnen und Leser,

die Einführung der SREP-Guidelines durch die EBA im Dezember 2014 hat den aufsichtlichen Überprüfungsprozess um die Analyse und Bewertung der Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells der Banken erweitert.

Gleichzeitig geraten die seit Jahrzehnten im Vergleich mit anderen Branchen nur wenig veränderten Geschäftsmodelle durch die zunehmend spürbare Negativzinsphase weiter unter Druck. Insbesondere deutsche Banken sind im internationalen Vergleich aufgrund ihrer Struktur anfällig, da etwa drei Viertel ihres Ergebnisses aus dem gefährdeten Zinsüberschuss resultiert. Der technologische Fortschritt verstärkt diese Entwicklung in einem bisher nicht erlebten Tempo.

Die systematische Nutzung der schnellen und intelligenten Verarbeitung riesiger Datenmengen (Big Data) erfordert spezielles Wissen und eine Unternehmenskultur, die in FinTechs selbstverständlich ist, in den meisten Banken aber nur langsam Einzug hält. Gesetzliche Initiativen hinsichtlich der Fremdnutzung von Kundendaten (PSD II) erleichtern weitere Angriffe auf das Geschäftsmodell.

Über die unter den herausfordernden Wettbewerbsbedingungen zunehmende Regulatorik wird gerne – sicher nicht immer zu Unrecht – geschimpft. Lösungen werden oft in der zusätzlichen Übernahme von Risiken gesucht. So werden nicht selten die Eigenanlagen um spekulative Anlageklassen erweitert. In einer Phase, in der die Märkte aufgrund übergeordneter politischer Ziele der EZB mit Liquidität geflutet sind, ein zunehmend riskanter Weg. Weiter lesen.. »

RevisionsPraktiker 02-03/2017

24. Februar 2017 in Kategorie RevisionsPraktiker, Vorstand / Revision / IT

Liebe Leserinnen und Leser,

2017 wird wieder einmal ein sehr spannendes Jahr für die Banken und die Bankenaufsicht: Die neue MaRisk-Novelle, eine erneute Umfrage zum Niedrigzinsumfeld und im Rahmen des SREP Kapitalfestsetzungen für die Masse der Less Significant Institutions (LSI).

Hatten 2016 mehr als 300 LSI den individuellen SREP-Bescheid erhalten, sind 2017 die „restlichen“ über 1.300 LSI an der Reihe. Die flächendeckenden SREP-Kapitalfestsetzungen stellen einen Wendepunkt in der deutschen Aufsichtshistorie dar und spiegeln letztlich den neuen stark quantitativen Aufsichtsansatz der EZB wider.

Neu ist auch, dass erstmals qualitative Einstufungen im bankaufsichtlichen Risikoprofil – über einen bucket-Ansatz – unmittelbare Auswirkungen auf die Mindesteigenkapitalhöhe jedes LSI haben. Während sich die qualitative Komponente des Zinsänderungsrisikos im Anlagebuch noch gut von den Banken thematisch eingrenzen lässt, ist das bankaufsichtliche Betrachtungs- und Beurteilungsspektrum bei ICAAP und Internal Governance wesentlich breiter.

So werden bei Internal Governance im Wesentlichen die Organisations-, Kontroll- und Berichtsstrukturen der gesamten Bank (einschließlich Risikocontrolling- und Compliance-Funktion), das Zusammenwirken von Vorstand und Aufsichtsgremium sowie das Interne Kontrollsystem (einschließlich Interner Revision) von der Bankenaufsicht kritisch bewertet.

Dieser Fokus der Bankenaufsicht auf Internal Governance ist insoweit verständlich, zeigt doch die langjährige Erfahrung, dass Schieflagen bei Banken sich zunächst in den sog. „soft facts“ – hierzu gehört Internal Governance – abzeichnen. Weiter lesen.. »

BankPraktiker 02/2017

Liebe Leserinnen und Leser,

viele Banker sehen mit zunehmender Sorge den steigenden Druck, unter den die Ertragslage vieler Institute in den nächsten Jahren geraten wird. Bedingt ist diese Entwicklung durch zwei Faktoren: Einerseits verringern die historisch niedrigen Zinsen und die daraus entstehende verringerte Zinsmarge das Ergebnis. Eine Aufholung der einbrechenden Erträge aus dem nicht zinstragenden Geschäft ist dabei schwierig, insbesondere da weitere Ertragsquellen ein stark umkämpfter Markt sind.

Andererseits verschärfen sich aufsichtsrechtliche Anforderungen in einer nie dagewesenen Geschwindigkeit. Die Erfüllung dieser Anforderungen bindet Personalressourcen und führt zu Kostensteigerungen. Ein Ausweg aus dieser Situation ist nur schwer zu finden und kann lediglich über mehrere kleine Schritte erreicht werden. Es ist zunehmend eine Abwehrhaltung der zuständigen Stellen auf regulatorisch getriebene Neuerungen erkennbar.

Neben einer strategischen Neuausrichtung kann jedoch auch der Umgang mit neuen aufsichtsrechtlichen Anforderungen entscheidend sein. Es sollten nicht nur große aufsichtsrechtlich getriebene „Papiertiger“ aufgebaut und ausschließlich die Erfüllung der Vorschriften in den Fokus gerückt werden.

Oft kann es sich lohnen, den Grund der Regulierung zu hinterfragen und darin einen Sinn zu erkennen. Damit ist in manchen Fällen eine Umsetzung von neuen Anforderungen dergestalt möglich, dass neben der Einhaltung von Aufsichtsrecht auch ein tatsächlicher betriebswirtschaftlicher Nutzen entsteht, also sprichwörtlich: „Aus der Not eine Tugend machen!“. Weiter lesen.. »