RevisionsPraktiker 08-09/2017

25. August 2017 in Kategorie RevisionsPraktiker, Vorstand / Revision / IT

Liebe Leserinnen und Leser,

die bewusste Inkaufnahme von Risiken gehört zum Bankgeschäft dazu. Je nach Risiko­appetit hat der Vorstand eine Risikostrategie aufzustellen, die auch Aussagen zu entsprechenden Risiken enthalten soll, die bewusst eingegangen werden – gege­benen­falls ohne direkte Absicherung, wenn diese zu kostenintensiv ist oder die Eintrittswahrscheinlichkeit des Schadensfalls als sehr gering eingeschätzt wird.

Zunehmend – so jedenfalls mein Eindruck aus Gesprächen mit Seminarteilnehmern und Seminarteilnehmerinnen in den letzten Monaten – werden auch bewusst Gesetzes­verstöße in Kauf genommen und Grauzonen ausgenutzt, da die Flut an Regulierungen sonst nicht mehr bewältigt werden könnte. Notwendige (Umsetzungs-)Projekte werden nicht angestoßen, um (nicht vorhandene) Budgets einzusparen. Meldungen erfolgen bewusst nicht, da die geforderten Zahlen noch nicht zur Verfügung stehen.

Neue Anforderungen werden nicht beachtet, da es noch keine offiziellen Aussagen dazu gibt, wie genau die Anforderung umzusetzen ist oder wie die neuen Anforderungen seitens der Aufsicht geprüft werden. Teilweise erfolgt die Anweisung, auf diese Weise zu verfahren, von ganz oben und ist auch so schriftlich dokumentiert. Dabei leitet der Vorstand die Geschäfte eigenverantwortlich und hat die Sorgfaltspflicht eines ordentlichen Kaufmanns bei der Führung der Geschäfte anzuwenden.

Somit hat er die Pflicht, gesetzeswidriges Verhalten im Institut zu verhindern bzw. zu unterbinden. Er hat also sicherzustellen, dass sich die Bank als Ganzes und die Mitarbeiter im Einzelnen gesetzeskonform verhalten. Die Pflicht der Vorstände, sich an Satzung, Geschäftsordnung und regulatorische Vorschriften zu halten, ist explizit gesetzlich vorgegeben. Wenn der Vorstand nicht mit gutem Beispiel voran geht, werden die Mitarbeiter i. d. R. ebenfalls kein ausreichendes gesetzeskonformes Verhalten an den Tag legen. Weiter lesen.. »

ForderungsPraktiker 07-08/2017 inkl. InsoPraktiker

Liebe Leserinnen und Leser,

Aufsichtstsunami. Niedrigzinsphase. Digitalisierung. Rechtsrisiken. Alles Katastrophen? Letztlich banale Alltagsthemen im Vergleich zu dem, was wirklich wichtig ist. Der Mitherausgeber des ForderungsPraktiker und unser langjähriger Kollege Christian Merz ist vor wenigen Wochen seiner kurzen, aber schweren Krankheit im Alter von 46 Jahren erlegen. Christian Merz war seit dem Jahr 2000 unser geschätzter Kollege in der Rechtsabteilung der Deutschen Bank. Ein unglaublich hilfsbereiter und umgänglicher Mensch. Dazu ein ausgezeichneter Jurist, der auch bei schwierigen Aufgaben praxisnahe Lösungen erarbeiten konnte.

Im Jahr 2011 ist er dann als Partner zur Kanzlei Clouth & Partner gewechselt. Er hat sich auch dort mit seinen Schwerpunktthemen beschäftigt und v. a. im Bereich Kreditrecht, Verbraucherkreditrecht, Baufinanzierung, Kredite mit derivativen Komponenten und dem Thema Kredite bei negativen Zinsen eine immer größer werdende Beratungspraxis aufgebaut. Er war außerdem intensiv als Prozessanwalt auf dem Gebiet der Anlageberatung tätig. Dabei hat er viele Prozesse zum Thema „Index- Swaps“ geführt und mit dem Thema auch vor dem BGH gewonnen. Dieser kleine Auszug aus seinen Tätigkeiten zeigt, dass er ein extrem engagierter und fleißiger Anwalt war.

Darüber hinaus hat er insbesondere im Finanz Colloquium Heidelberg sehr zuverlässig und erfolgreich seine Tätigkeiten als Referent und Autor zu kreditrechtlichen Themen verfolgt, so war er z. B. Mitautor im von Nobbe und Ellenberger herausgegebenen Kreditrechtskommentar, aber auch im Bankrechtshandbuch des Verlages C.H. Beck. In Notfällen ist er immer eingesprungen und hat auch über Nacht noch Beiträge geschrieben, wenn es nötig war. Selbst nach der Diagnose seiner schweren Krankheit war es eine seiner größten Sorgen, seinen Beitrag für den Kreditrechtskommentar fertigstellen zu können, damit sich das Buch nicht verzögert. Weiter lesen.. »

RevisionsPraktiker 06-07/2017

Liebe Leserinnen und Leser,

in diesen für Banken nicht ganz einfachen Zeiten läuft die Suche nach neuen Ertragsquellen, die den implodierenden Zinsüberschuss kompensieren könnten, auf Hochtouren. Ideen gibt es in den Häusern sehr viele, nachhaltigen Erfolg versprechende Modelle hingegen sind eher noch selten anzutreffen. Da es auch im Eigenhandel immer schwieriger wird, noch auskömmliche Renditen zu erzielen, ohne das Risikobudget zu sehr in die Höhe zu treiben, entdecken immer mehr Institute die Immobilie als Geldanlage und Ertragsquelle.

Insbesondere in Ballungsräumen haben die Immobilienpreise in den letzten Jahren eine wahre Rallye hingelegt und Wertsteigerungen erfahren, von denen Treasurer nur träumen können. Ein Ende dieses Trends ist trotz aller Unkenrufe von einer Immobilienblase nach wie vor nicht in Sicht, auch wenn die Zeit der größten Wertsprünge wohl vorbei sein dürfte. Vor diesem Hintergrund ist der Aufbau eines Immobilienportfolios mit dem Ziel nachhaltig sichere Erträge zu erwirtschaften eine durchaus sinnvolle Ergänzung der Geschäftsstrategie.

Allerdings sollten bei einer solchen Grundsatzentscheidung alle Aspekte, die diese mit sich bringt betrachtet und angemessen gewürdigt werden. Die Verwaltung eines größeren Immobilienportfolios mit vielleicht mehreren hundert Wohneinheiten erfordert durchaus fundiertes Spezialwissen, mit dem die meisten gelernten Banker i. d. R. nicht ohne einschlägige Weiterbildung dienen können. Weiter lesen.. »

BankPraktiker 06/2017

Liebe Leserinnen und Leser,

demografischer Wandel, Globalisierung, weltweite Vernetzung, sich immer schneller verbreitende Informationen und sich vermehrendes Wissen sowie damit einhergehende permanente »Innovationen« haben die gesellschaftlichen Veränderungen in den letzten Jahren geprägt. Besonders dynamisch und intensiv wirkt aktuell die »Digitalisierung« in nahezu allen lebens- und arbeitsweltlichen Bereichen. War der sogenannte »digitale Wandel« noch vor kurzer Zeit visionär, so ist er heute alltägliche Realität geworden.

Mit der Digitalisierung der Arbeitswelt stehen Unternehmen und ihre Mitarbeiter vor einer großen Herausforderung. Die meisten Banken setzen dabei auf digitale Anwendungen, sogenannte „Apps“, die es ihren Kunden erleichtern, unterwegs über Smartphone oder Tablet-Computer ihre Bankgeschäfte zu erledigen. Die sogenannten „Millennials“ fordern die Banken auf eine neue Art und Weise. Ihre Affinität zu neuen Technologien und die Nutzung dieser haben die Verhaltensweise dieser jungen Kundengruppe geändert. Einfachheit, Mobilität und das nahtlose Zusammenspiel der Technologien sind die Herausforderungen, vor denen die Banken stehen.

Doch ist das genug?

Die meisten Fachleute stimmen darin überein, dass der entscheidende Weg zum Erfolg in der Finanzbranche über Innovationen durch strategische Partnerschaften mit FinTechs führt. Da die „Millennials“ mehr und mehr nach den neuesten Technologien streben und immer intelligentere Dienstleistungen von ihrer Bank erwarten, müssen sich Banken öffnen um den Anforderungen gerecht zu werden. Interne Hürden, wie fehlendes Know-how oder Verteidigung bestehender Strukturen, müssen gemeistert werden, um die digitale Transformation voranzutreiben. Weiter lesen.. »

BankPraktiker 05/2017


Liebe Leserinnen und Leser,

träumen Sie als MaRisk-Compliance-Funktion auch von Fachbereichen, die ein hohes Risikoverständnis besitzen; von Mitarbeitern, die den Hintergrund von Kontrollhandlungen verstehen; Prozessverantwortlichen, die intrinsisch motiviert Vorschläge für risikobasierte Kontrollen unterbreiten?

Mit der Implementierung der durch die neue MaRisk aufsichtsrechtlich geforderten „Risikokultur“ kann Ihr Traum wahr werden! Die inhaltliche Befassung mit der Themenstellung dürfte bei allen Veränderungen in der MaRisk die größte Herausforderung darstellen. Dieses resultiert insbesondere aus dem Umstand, dass regelmäßig noch kein gleichartiges Risikoverständnis im gesamten Kreditinstitut vorhanden ist. Darüber hinaus kann eine Risikokultur nicht verordnet werden.

Insbesondere das Bekenntnis der Geschäftsleitung zu einem angemessenen Risikoumgang, die Vorbildfunktion der Führungskräfte und die Schaffung von einheitlichen Sichtweisen auf die Risiken sind wichtige Triebfedern für eine nachhaltige Implementierung. In Ermangelung einer „passt-überall-Lösung“ sind institutsindividuelle Schritte erforderlich. Hier lohnt eine nähere Betrachtung des aufsichtsrechtlich gewünschten Zielbildes sowie den daraus resultierenden Handlungsoptionen; denn die vollständige Risikoaversion stellt grundsätzlich eine falsch verstandene Deutung der Risikokultur dar.

Vielmehr ist im Entscheidungsprozess ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Chancen und Risiken unter Berücksichtigung des hausinternen Risikoappetits erforderlich. Erstaunlicherweise ist zu beobachten, dass nicht alle MaRisk-Compliance-Beauftragte sich als Triebfeder für die Implementierung der Kultur ansehen. Dabei profitiert nicht nur das Kreditinstitut, sondern insbesondere die MaRisk-Compliance-Funktion von der Entwicklung, Förderung und Integration einer ordnungsgemäßen Risikokultur. Weiter lesen.. »