Forderungspraktiker 09-10/2016

Cover ForderungsPraktikerLiebe Leserinnen und Leser,

vor einiger Zeit konnte man in der F.A.Z. (20.04.2016, S. 25) unter der Überschrift „Mit faulen Krediten Geld verdienen“ eine auf den ersten Blick scheinbar erstaunliche Kolumne zur Kenntnis nehmen, die sich auf den zweiten Blick als Darstellung des Geschäftsmodells eines Unternehmens zeigte, das seit einigen Jahren eine Internetplattform zur Veräußerung von (Kredit)Forderungen der Banken von Unternehmen bzw. von Insolvenzverwaltern auf dem Wege von Auktionen zur Verfügung stellt („Debitos Forderungsbörse“, Frankfurt) und eine „gute Resonanz“ (F.A.Z.) und europaweite Führung sowie ein hohes versteigertes Volumen (Homepage) für sich reklamiert.

Die zugrunde liegende Thematik ist den Kreditinstituten geläufig: Zum Bankgeschäft gehören trotz aktueller Zinspolitik der EZB und deren Auswirkungen auf die Erträge heute und künftig das verzinsliche Kreditgeschäft. Damit wiederum ist ein statistisches Ausfallrisiko verbunden, so dass in den Häusern stets auch notleidende Engagements über alle Finanzierungsprodukte hinweg bestehen, die sog. „non performing loans“, auf die sich das Augenmerk von Investoren in solche Investments richtet – vorausgesetzt, die zum Verkauf stehenden Forderungen erweisen sich aus dortigem Blick prognostisch als rentabel im Hinblick auf die Relation zwischen der erwarteten Rückzahlungsrate des Schuldners und dem Kaufpreis. Weiter lesen.. »

Forderungspraktiker 07-08/2016

FP_07_08_2016_TitelseiteLiebe Leserinnen
und Leser,

die See ist spiegelglatt, keine noch so leichte Welle kräuselt das Wasser. Die Luft steht still, es ist heiß, sehr heiß. Der Horizont flimmert, das Auge findet nirgendwo Halt. Außer in den wenigen schattigen Ecken auf Deck, wo ein paar Matrosen-Kollegen, schweißnass von der drückenden Hitze, matt herumlungern. Zu tun gibt es nichts. Es ist eben Flaute. Da zerreißt das eine neue E-Mail begleitende „Pling“ die Stille an Deck, respektive in der Abwicklungsabteilung. Eine Pressemitteilung informiert uns:

Der BGH hat am 19. Januar Anno Domini 2016 geurteilt, dass die Bank keine Vorfälligkeitsentschädigung (VFE) berechnen darf, wenn sie die Kündigung eines Verbraucherdarlehens ausspricht (AZ: XI ZR 103/15). Das verdient nicht nur ein einfaches „Pling“: Es ist ein Paukenschlag. Und ein überraschender noch dazu: Denn die Bundesrichter haben kurzerhand in den § 497 Abs. 1 BGB hineininterpretiert, dass die dort genannte Verweisung auf die Verzugszinsregelung des § 288 Abs. 1 BGB jede andere Form des Schadensersatzes ausschließe.

Alle juristisch einigermaßen Bewanderten fragen sich nun ziemlich erstaunt: Aber mit der VFE soll doch der Erfüllungsschaden ausgeglichen werden. Der hat doch nichts mit dem Verzugsschaden zu tun! Trotzdem, ausgeschlossen ist ausgeschlossen, sagt der BGH. So wolle es der Gesetzgeber, das hätten die Ermittlungen – in Jura spricht man in solch einem Zusammenhang auch von Auslegung – des BGH ergeben. Aber was ist mit der Gerechtigkeit? Sie wissen schon, das ist dieses hehre Wort, das Grundlage aller Rechtsprechung ist. Oder zumindest sein soll. Was sagen die Bundesrichter denn dazu? Weiter lesen.. »

ForderungsPraktiker 05-06/2016

Cover ForderungsPraktikerLiebe Leserinnen und Leser,

die Bankenlandschaft erlebt gravierende Veränderungen. Regional orientierte Banken und Sparkassen spüren in ländlichen Teilen der Republik die gesellschaftliche Veränderung durch die demographische Entwicklung und Landflucht/Urbanisierung der Gesellschaft. Durch geändertes Kundenverhalten und neue Medien verlagert sich der Kontakt zum Kunden noch mehr vom persönlichen zum virtuellen Kontakt. Steigende Kosten durch Investitionen in Technik und Personal, aber auch zur Bewältigung eines regelrechten Regulatorik-Tsunamis bei gleichzeitig sinkenden Zinsmargen verschärfen die Situation.

Zudem drängen global agierende Internetkonzerne z. B. mit Bezahldiensten in Märkte, die Banken vorbehalten schienen. Smartphone und App machen eine weltweite rund-um-die-Uhr-Versorgung des immer anspruchsvolleren Kunden mit Finanzdienstleistungen möglich, alternative und kontaktlose Bezahlsysteme werden sich durchsetzen. Dies alles verlangt von den Finanzinstituten, aber auch von jedem Mitarbeiter und jeder Mitarbeiterin, sehr viel. Weiter lesen.. »

ForderungsPraktiker 03-04/2016

Cover ForderungsPraktikerLiebe Leserinnen und Leser,
das Anfechtungsrecht war schon immer ein Kernstück, vielleicht sogar das Herzstück der Regelungen über den Umgang mit Pleiten von Unternehmen und Personen. Denn jeder Sanierer und Abwickler weiß: Fast immer ist schon lange vor der Pleite „alles weg“. Wobei „alles weg“ bekanntlich nichts anderes heißt, als dass jemand anderes es hat. Man muss „es“ also zurückholen, sonst gäbe es ja nichts zu verteilen.

Und jetzt kommt die Crux: Was und vor allem von wem soll zurückgeholt werden? Was ist denn z. B. mit demjenigen, der das „was“ oder etwas Vergleichbares zuvor dem Schuldner gegeben hatte (z. B. einen Kredit) und es einfach nur noch rechtzeitig vor der totalen Pleite wieder zurückbekommen hat? Soll demjenigen das, was er legitimerweise wieder zurückerhalten hat, nun doch wieder weggenommen werden, ohne, dass er irgendetwas „Böses“ getan hat?

Dazu sagt der Gesetzgeber salomonisch, wie so oft: „Ja, aber.“ Nämlich nur unter bestimmten Voraussetzungen, u. a. in sehr engen zeitlichen Korridoren vor der Insolvenz. Eine gesetzliche Entscheidung, die jeden Angefochtenen zwar schmerzt, aber mit der er letztlich noch ganz gut umgehen und sie kalkulieren kann. Er kann sie also als vernünftig und sachgerecht im Sinne der Gläubigergesamtheit – zu der er selbst ja auch gehört – akzeptieren. Weiter lesen.. »

ForderungsPraktiker 01-02/2016

Cover ForderungsPraktikerLiebe Leserinnen  und Leser,
Weihnachten ist gerade erst vorbei, die Geschenke sind verstaut (oder umgetauscht), die Festtagspfunde werden im Rausch der guten Vorsätze (noch) mithilfe der frisch abgeschlossenen Mitgliedschaft im Fitnessstudio bekämpft, die Dekorationen sind abgehängt. Vielleicht gehören Sie zu denjenigen, die bedauern, dass die besinnliche Zeit schon wieder vorbei ist – oder vielleicht auch eher zu denen, die eigentlich ganz froh sind, dass sie es erstmal wieder für ein Jahr hinter sich haben und sich Erholung an ihrem Arbeitsplatz, z. B. als Sanierer oder Abwickler, versprechen. Denn viel Arbeit gibt es im Sanierungs- und Abwicklungsbereich derzeit ja eher nicht. Doch die Prognose, dass diese Ruhe nicht mehr allzu lange dauern wird, ist mittlerweile nicht mehr allzu gewagt, wie die Schuldnerzahlen jedes Jahr aufs Neue zeigen: Die Verschuldung von Privatpersonen wächst stetig. Weiter lesen.. »