Fit & Proper-Test 2.0 neue Personal-Matrix im SREP

5. Juli 2017 in Kategorie Geschäftsleitung

von
Prof. Dr. Stefan Zeranski
Vorstandssprecher des Zentrums für wissenschaftliches interdisziplinäres Risikomanagement und Nachhaltigkeit


Viele Banken haben die Fit & Proper- Anforderungen aus der EBA-Leitlinie vom 22.11.2012 (Assessment of the suitability of the management body and the key function holders; Prüfung der Eignung der Leitungs-und Schlüsselfunktion; kurz: Fit & Proper- Test) noch nicht vollständig umgesetzt. Die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) hatte dazu bereits im November 2014 ein 38-seitiges Fit & Proper-Rundschreiben veröffentlicht. Am 28.10.2016 haben EBA und ESMA ein neues Konsultationspapier herausgegeben, das sich zur Überprüfung der Eignung der Leitungsfunktionen gleichermaßen an Banken und Kapitalgesellschaften mit einem stark erweiterten Seitenumfang (89 Seiten) und einer großen Matrix zur Personaleignung richtet (kurz: Fit & Proper- Test 2.0).

Im Papier der EBA/ESMA vom 28.10.2016 wird von den Banken und Kapitalverwaltungsgesellschaften eine sehr detaillierte, kritische Selbsteinschätzung zur Personaleignung der Leitungsfunktionen gefordert, wobei die Matrix zur Personaleignung folgende Struktur aufweist:

(0) Instruktionen:

Die Fragen von den Aufsichtsbehörden dienen der laufenden, jährlichen Überprüfung der Eignung der Leitungsfunktionen (sog. management body), die im sog. two-tier-system in Deutschland die gesamte Geschäftsleitung und den Aufsichts- bzw. Verwaltungsrat umfassen. Die von der Aufsicht vorgeschlagene Fit & Proper-Eignungsmatrix muss nicht zwingend verwendet werden, um keine zu strikten Vorgaben zu machen. Es muss jedoch sichergestellt sein, dass die kollektive Eignung der Leitungsfunktionen für die Art, den Umfang, die Komplexität und den Risikogehalt der betriebenen Geschäfte angemessen ist. Weiter lesen.. »

Risikokultur – Schwerpunktthema der neuen MaRisk

26. April 2017 in Kategorie Geschäftsleitung

von
Dr. Michael Schiwietz
Leiter Kreditrevision, UniCredit Bank AG


Eine der wichtigsten und grundlegendsten Neuerungen der aktuellen Überarbeitung der MaRisk ist das Thema der Risikokultur. Mangelndes Risikobewusstsein, unangemessene Geschäftspraktiken und übermäßige Risikoübernahme waren ursächlich für die Schieflagen von Einzelinstituten und in der Konsequenz auch für die Krise des gesamten Finanzsystems.

Vor diesem Hintergrund wurde das Thema der Risikokultur international intensiv diskutiert und hat seinen Niederschlag im aufsichtlichen Überprüfungsprozess (SREP) der EZB als Teil des Verhaltensrisikos („conduct risk“) gefunden. Mit den Anforderungen an eine angemessene Risikokultur im Rahmen der MaRisk zieht die BaFin hier nach.

Kultur ist ein wesentlicher Treiber von Denken und Handeln. Und ohne ausgeprägte Risikokultur sind die etablierten Methoden, Verfahren und Prozesse des Risikomanagements limitiert wirksam. Wesentlicher Bestandteil einer verantwortungsvollen Unternehmensführung ist daher die bewusste Entwicklung und Förderung einer angemessenen Risikokultur auf allen Institutsebenen. Weiter lesen.. »

Negativzinsen im Aktivgeschäft

27. März 2017 in Kategorie Geschäftsleitung

von
Dr. Markus Engel
Direktor Stab Recht, Sparkasse Saarbrücken


Das anhaltende Niedrigzinsumfeld hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich zu einer Senkung der Referenzzinsen geführt. Es stellt sich die Frage, ob Zinsgleitklauseln in Darlehensverträgen im Ergebnis dazu führen können, dass der Darlehensgeber Zinszahlungen an den Darlehensnehmer zu leisten hat. Zu unterscheiden ist zwischen Bestandsverträgen und dem Umgang mit Neuverträgen.

Bestandsverträge ohne Floorklausel

Es ist zweifelhaft, ob Darlehensverträge auch ohne Vereinbarung eines Floors dahingehend ausgelegt werden können, dass ein negativer Referenzzinssatz als Nullzinssatz behandelt werden kann. Folge wäre, dass die Marge erhalten bliebe. Zum Teil wurde es für zulässig erachtet, bestehende Verträge dergestalt auszulegen, dass ein negativer Referenzzinssatz für die Berechnung des Vertragszinssatzes mit Null angesetzt werde (Coen, NJW 2012 S. 3.329 ff.). Ob diese Auslegung indes einer gerichtlichen Überprüfung standhält, ist höchst zweifelhaft. Zumindest in der Literatur wird die Zulässigkeit dieser Auslegung bestritten (Storck/Reul, DB 2015 S. 115 ff.)

Weiter ist zu berücksichtigen, dass je nach Vertragsgestaltung die Marge des Kreditinstituts nicht ausdrücklich vereinbart wird, sondern sich lediglich aus der Differenz zwischen Vertrags- und Referenzzins ergibt. Auch dieser Umstand spricht gegen eine „margenerhaltende“ Auslegung. Weiter lesen.. »

Herausforderungen an ein Beschwerdemanagement

10. März 2017 in Kategorie Geschäftsleitung

von
Uwe Becker
Leiter Beschwerdemanagement, Oldenburgische Landesbank


Die Praxis zeigt unterschiedliche Ausgestaltungen der Funktionen eines Beschwerdemanagements in den verschiedenen Häusern. Häufig steht die Beschwerdebearbeitung im Vordergrund und gesetzliche Vorgaben werden tendenziell manuell umgesetzt und in die Prozesse integriert. Auf Dokumentationen der Arbeitsabläufe und des Einzelfalles wird oftmals verzichtet. Der Gesetzgeber fordert heute und zukünftig entscheidend mehr. Ein digitaler Work-flow-Prozess wirkt hier unterstützend.

Beschwerdebearbeitung eine Herausforderung

Für die Verantwortlichen im Beschwerdemanagement ist es unabdingbar, diese gesetzlichen Anforderungen zusammenzutragen, zu sichten und in die Beschwerdeprozesse zu integrieren. Hierbei gilt es, die gesetzlichen Vorgaben zunächst zu interpretieren, zu analysieren und zu dokumentieren. Die Verankerung der Auflagen und die praktische prozessuale Eingliederung in die tägliche Arbeit eines Beschwerdemanagers stellen eine Herausforderung dar. Die aufsichtsrechtlichen Vorgaben haben internen und externen Prüfungen standzuhalten. Weiter lesen.. »

Neue MaRisk-Anforderungen: Risikokultur

13. Februar 2017 in Kategorie Geschäftsleitung

von
Frank Mosthof
Leiter Interne Revision, Volksbank Ulm-Biberach eG


Die MaRisk in der kommenden Version 6.0 lassen neue Anforderungen erwarten, die sich mit den Themen „Risikokultur“ und „Verhaltenskodex“ befassen. Vom Konsultationspapier ausgehend besteht derzeit noch Interpretationsspielraum, ob bzw. wie diese neuen Anforderungen im Rahmen der Prüfungstätigkeit der Internen Revision zu berücksichtigen sind. Im folgenden Beitrag sollen die Anforderungen kurz beschrieben und etwas präzisiert werden.

MaRisk AT 3 – Gesamtverantwortung der Geschäftsleitung und Risikokultur

Im AT 3 Tz. 1 der kommenden MaRisk wird die Gesamtverantwortung der Geschäftsleitung beschrieben. Neu ist die Anforderung, dass hierzu auch die Entwicklung, Förderung und Integration einer angemessenen Risikokultur innerhalb des Instituts bzw. der Gruppe zählt.

Da der Begriff in dieser Form neu in der MaRisk etabliert wird, ist im Erläuterungsteil auch eine Konkretisierung dieser Anforderung vorgesehen. Insbesondere wird gefordert, dass die Risikokultur beschreiben soll, wie Mitarbeiter im Rahmen ihrer Tätigkeiten mit Risiken umgehen sollen. Erster Adressat dieser Anforderung ist die Geschäftsleitung mit dem Hinweis einer „klaren Bekenntnis zu risikoangemessenem Verhalten“ und der Aufforderung an die Mitarbeiter den „kommunizierten Risikoappetit strikt zu beachten“.

Ergänzend wird in der Tz. 2 formuliert, dass ungeachtet der Gesamtverantwortung der Geschäftsleitung, jeder Geschäftsleiter in seinen jeweiligen Zuständigkeitsbereich für die ordnungsgemäße Geschäftsorganisation und ein wirksames Risikomanagement mit angemessenen Kontroll- und Überwachungsprozessen verantwortlich ist. Weiter lesen.. »