Interpretation wirtschaftlicher Zahlen bei Bauträgerunternehmen

20. September 2017 in Kategorie Kredit, Kredit / Immobilien

von
Michael Ziegler
Abteilungsleiter Projektfinanzierungen, Sparkasse Pforzheim Calw


Zur Interpretation wirtschaftlicher Zahlen eines Bauträgerunternehmens bedarf es gegenüber konventionell produzierender Unternehmen abweichender Analyseinstrumente. Der folgende Beitrag soll dazu erste Anregungen und Instrumente aufzeigen. Er ist Teil eines Gesamtkonzepts.

Der abweichende Analyse- und Informationsbedarf liegt insbesondere in der Art des hergestellten Produktes begründet. Ein Bauträgerunternehmen weist folgende Auffälligkeiten gegenüber sonstigen produzierenden Unternehmen auf, die bei der Interpretation der Zahlen zu berücksichtigen sind:

  • Art der Leistung
  • Auftragsgröße
  • Eigene Leistungen des Bauträgers
  • Mehrperioden-Leistungen

Art der Leistung

Die stufenweise Erstellung der Leistung birgt insbesondere Qualitäts- sowie Kostenrisiken, die von einem professionellen projektfinanzierenden Kreditinstitut laufend überwacht werden. Zu einer professionellen Überwachung zählt die gewerkbezogene Prüfung der Einhaltung der Baukosten mit zusätzlichem Forecast der noch anfallenden Kosten. Dies geschieht, um Kostensteigerungen frühzeitig erkennen und begegnen zu können. Die Kostenüberwachung dient daneben gleichzeitig als Basis zur Plausibilisierung der Bewertung der Vorräte in den Zahlen des Jahresabschlusses.

Hinzu kommt die Überwachung des Baufortschrittes vor Ort. Diese ermöglicht den Abgleich zwischen der tatsächlichen Bauleistung und den bisher valutierten Baukosten. Zudem können in den verschiedenen Stadien der Bauerstellung Qualitätsabweichungen gegenüber der Baubeschreibung sowie offensichtliche Mängel frühzeitig festgestellt werden. Was wiederum schnelle Anpassungen bzw. Korrekturen bei der weiteren Ausführung des Bauvorhabens ermöglicht. Weiter lesen.. »

Einhaltung einer 6-monatigen Wartefrist bei Zwangsversteigerung aufgrund fälliger dinglicher Zinsen

18. September 2017 in Kategorie Sanierung / Insolvenz

von
Ermelinde Bohnacker
Rechtsreferentin, Bereich Recht, Tätigkeitsschwerpunkt Kredit, Volksbank Ulm-Biberach eG


Bisherige Verfahrenspraxis

Nach einer bisher in der Literatur überwiegend vertretenen Meinung konnte die Regelung in § 1193 Abs. 2 S. 2 BGB über die 6-monatige Kündigungsfrist für das Grundschuldkapital mit einer Beantragung des Zwangsversteigerungsverfahrens aus fälligen Grundschuldzinsen umgangen werden. Verfahrensbeschleunigend wirkte sich hierbei insbesondere aus, dass der Gesetzgeber bei den Grundschuldzinsen keine Kündigungsregelungen festgelegt hat. Die geschilderte Vorgehensweise war in der Praxis von den Vollstreckungsgerichten größtenteils nicht beanstandet worden.

BGH, Beschluss vom 30.03.2017, AZ: V ZB 84/169

Mit dem obigen Beschluss hat der BGH dieser Handhabung nun eine klare Absage erteilt. Entschieden wurde über die Rechtsbeschwerde einer Grundschuldgläubigerin, die in dem Verfahren vor dem BGH einen Zwangsversteigerungsantrag wegen rückständiger dinglicher Zinsen aus einer Grundschuld durchsetzen wollte. Die Grundschuld war ca. drei Monate vor Antragstellung gekündigt worden. Nach den Ausführungen des BGH besteht Einigkeit darüber, dass sich die Fälligkeit der Grundschuldzinsen nach allgemeinen Vorschriften, nämlich der Regelung des heutigen § 488 Abs. 2 BGB, richtet.

Strittig war bisher jedoch die Frage, ob sich mit der Neuregelung des § 1193 Abs. 2 S. 2 BGB durch das Risikobegrenzungsgesetz auch die Anforderungen an die Verwertungsreife der Grundschuldzinsen geändert habe. Laut BGH ist dies zu bejahen. Er geht davon aus, dass eine planwidrige Regelungslücke vorliege, die durch eine analoge Anwendung der Regelungen über die Verwertungsreife des Mobiliarpfands gem. §§ 1234, 1193 Abs. 1 S. 3 BGB zu schließen sei. Dies habe nach seinen Ausführungen zur Folge, dass die Zwangsversteigerung wegen dinglicher Zinsen aus einer vollstreckbaren Sicherungsgrundschuld die Kündigung des Kapitals der Grundschuld oder die Androhung der Zwangsversteigerung und das Verstreichen einer Wartefrist von sechs Monaten voraussetze. Weiter lesen.. »

Die neue Institutsvergütungsverordnung – Offenlegungspflichten, insbesondere für kleine Institute

15. September 2017 in Kategorie Personal

von
Dr. Philipp M. Kuhn
Rechtsanwalt, Fachanwalt für Arbeitsrecht, GSK STOCKMANN + KOLLEGEN, Heidelberg


Am 10.08.2016 bereits hatte die BaFin einen Entwurf zur Änderung der bisherigen Institutsvergütungsverordnung (InstVV) sowie der dazugehörigen novellierten Fassung der Auslegungshilfe vorgelegt. Die Umsetzung der Neuregelungen verzögerte sich danach immer wieder. Nach jetzigem Stand der Dinge soll die neue Institutsvergütungsverordnung Anfang Juli 2017 in Kraft treten.

Ein wesentlicher Aspekt der Vergütungsregulierung ist nach wie vor die Offenlegung von Informationen zur Vergütung. Insbesondere kleine, nicht bedeutende Institute sind hiervon in besonderem Maße betroffen. Daher gilt es umso mehr, effizient und gleichzeitig detailliert die erforderlichen Informationen zu veröffentlichen. Mit dem folgenden Beitrag sollen die Offenlegungspflichten insbesondere dieser kleinen, nicht bedeutenden Institute in den Blick genommen werden.

Warum sind Informationen offenzulegen?

Durch die Offenlegung der Vergütungsstruktur sollen die Strategie und die Risikoposition der Institute durch Marktteilnehmer und die Öffentlichkeit beurteilt werden können.

Wonach richtet sich die Offenlegung?

Die InstVV verpflichtet in § 16 alle Institute zur umfassenden Offenlegung über die Einzelheiten ihres Vergütungssystems. Es wird allerdings hinsichtlich der Anforderungen zwischen bedeutenden sowie nicht bedeutenden Instituten unterschieden. § 16 InstVV verweist weitgehend auf die Offenlegungsvorschriften nach Art. 450 der Verordnung (EU) Nr. 575/2013. Für nicht bedeutende Institute gelten nach § 16 Abs. 1 Nr. 2 InstVV allein die Offenlegungsvorschriften der Verordnung (EU) Nr. 575/2013 in Bezug auf alle ihre Mitarbeiter. Für nicht bedeutende Institute, deren Bilanzsumme weniger als drei Mrd. € beträgt, nur Teile davon (§ 16 Abs. 1 Nr. 3). Weiter lesen.. »

Ein richtiger Schritt: der neue FinTechRat des BMF

13. September 2017 in Kategorie IT / Orga / Neue Medien

von
Uwe Krakau
Chief Market Officer Germany, Avaloq


Das erklärte Ziel, dass das Bundesministerium der Finanzen (BMF) mit dem neuen Fin-TechRat verfolgt, ist, Deutschland als Fintech-Hub Nr. 1 in der EU zu etablieren. Auch aus der Perspektive von Avaloq ist diese Initiative absolut begrüßenswert. Alles was dazu beiträgt, den Dialog zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zum Themenkomplex der digitalen Finanzwirtschaft zu fördern, weist in die vollkommen richtige Richtung. Wir sind überzeugt, dass der FinTechRat, der am 22.03.2017 seine erste Sitzung hatte, letztlich auch die Rolle von Deutschland als internationalem Finanzplatz stärken wird.

Fintech der ersten Stunde

Avaloq ist ein Fintech der ersten Stunde, wenngleich wir mit unseren BPO-Centres, unseren 2.000 Mitarbeitern und unseren mehr als 155 Kunden aus dem Bereich der Banken und der Vermögensberater längst kein Startup mehr sind. Wir sind heute international aufgestellt, und Deutschland ist dabei ganz klar einer unserer Kernmärkte, darum auch unser BPO-Centre an den Standorten Berlin und Leipzig. Mit seinen integrierten BPO-Dienstleistungen ist Avaloq der einzige unabhängige Anbieter im Finanzbereich, der seine Software sowohl selbst entwickelt, betreibt und auch Banking-Dienstleistungen damit produktiv erbringt.

Offenes Ecosystem für Fintechs und Banken

Bei Avaloq sind wir überzeugt, dass Fintechs die Finanzbranche von Grund auf verändern. Wir glauben auch, dass dem Konzept der Co-Innovation die Zukunft gehört. Genau aus diesem Grund haben wir ein offenes Fintech-Ecosystem mit offenen Schnittstellen und APIs geschaffen, in dem Banken, Fintechs, freie Entwickler und unsere Fachspezialisten gemein-sam neue Technologien entwickeln. Der besondere Nutzen dieses Ecosystems: Es bietet eine Plattform, um digitale Innovationen sicher zu integrieren. Es ist zudem natürlich ein Marktplatz, der Banken und neue Fintechs sinnvoll zusammenbringt. Avaloq bietet unter developer.avaloq. com für Entwickler, Fintechs und Software- Partner die Möglichkeit, selbstständig tätig zu werden, indem sie dort Zugang zu Entwicklungs- und Integrationstools erhalten. Ebenso unterstützt Avaloq die Fintechs in der Vermarktung ihrer Leistungen, denn vielfach ist es für kleinere Jungunternehmen schwierig, den Zugang zu Bankinstituten zu finden. Weiter lesen.. »

Neue Wege bei der Prüfung des Kreditgeschäfts?

11. September 2017 in Kategorie Geschäftsleitung

von
Jan Meyer im Hagen
CIA, Direktor Revision, Sparkasse Paderborn-Detmold


Regionale Institute befanden sich bis vor kurzem teilweise (noch) in einer komfortablen Situation: Die Jahresergebnisse der Jahre 2015 und 2016 wurden häufig durch positive Bewertungsergebnisse aus dem Kreditgeschäft begünstigt. Ein Umstand, der es trotz der anhaltenden Niedrigzinsphase ermöglichte, dem Eigenkapital nennenswerte Beträge zuzuführen.

Diese Ergebnisse der Vergangenheit konnten allerdings nicht als Grundlage für die Planungen der Zukunft dienen. Derzeit ergeben sich aus dem verminderten EWB-Bestand auch kaum noch Auflösungspotenziale für die nächsten Jahre.

Die aktuellen Prognosen zeigen vielmehr teilweise finstere Szenarien. Ein Anstieg des Zinsniveaus würde sich sowohl auf das Betriebsergebnis vor als auch nach Bewertung auswirken. Während ein Zinsanstieg auf der Passivseite zügig an die Kunden, die ihre Gelder mangels Anlagealternativen überwiegend kurzfristig „geparkt“ haben, weitergegeben werden müsste, werden die Zinserträge aus dem Aktivgeschäft aufgrund der langfristigen Zinsfestschreibungen auf historisch niedrigem Niveau nur moderat steigen können. Dieser, sich daraus ergebenden, rückläufigen Zinsspanne stehen negative Bewertungsergebnisse aus den Eigenanlagen gegenüber.

Vor dem Hintergrund des „Ertragsdrucks“ werden die Passivüberhänge in einigen Instituten aktuell in ein expansives Kundenkreditgeschäft investiert. Eine damit einhergehende Erhöhung von Adressenausfallrisiken könnte im Fall einer konjunkturellen Verschlechterung sehr schnell zu einer Rückkehr zu „alten“ Bewertungsergebnissen aus dem Kreditgeschäft führen. Eine anhaltende Ertragsschwäche und fehlende bzw. bereits ausgeschöpfte Kostensenkungspotenziale könnten in diesem Fall durchaus die wirtschaftliche Selbstständigkeit einiger regionaler Institute in Frage stellen. Weiter lesen.. »