Neue Wege bei der Prüfung des Kreditgeschäfts?

11. September 2017 in Kategorie Geschäftsleitung

von
Jan Meyer im Hagen
CIA, Direktor Revision, Sparkasse Paderborn-Detmold


Regionale Institute befanden sich bis vor kurzem teilweise (noch) in einer komfortablen Situation: Die Jahresergebnisse der Jahre 2015 und 2016 wurden häufig durch positive Bewertungsergebnisse aus dem Kreditgeschäft begünstigt. Ein Umstand, der es trotz der anhaltenden Niedrigzinsphase ermöglichte, dem Eigenkapital nennenswerte Beträge zuzuführen.

Diese Ergebnisse der Vergangenheit konnten allerdings nicht als Grundlage für die Planungen der Zukunft dienen. Derzeit ergeben sich aus dem verminderten EWB-Bestand auch kaum noch Auflösungspotenziale für die nächsten Jahre.

Die aktuellen Prognosen zeigen vielmehr teilweise finstere Szenarien. Ein Anstieg des Zinsniveaus würde sich sowohl auf das Betriebsergebnis vor als auch nach Bewertung auswirken. Während ein Zinsanstieg auf der Passivseite zügig an die Kunden, die ihre Gelder mangels Anlagealternativen überwiegend kurzfristig „geparkt“ haben, weitergegeben werden müsste, werden die Zinserträge aus dem Aktivgeschäft aufgrund der langfristigen Zinsfestschreibungen auf historisch niedrigem Niveau nur moderat steigen können. Dieser, sich daraus ergebenden, rückläufigen Zinsspanne stehen negative Bewertungsergebnisse aus den Eigenanlagen gegenüber.

Vor dem Hintergrund des „Ertragsdrucks“ werden die Passivüberhänge in einigen Instituten aktuell in ein expansives Kundenkreditgeschäft investiert. Eine damit einhergehende Erhöhung von Adressenausfallrisiken könnte im Fall einer konjunkturellen Verschlechterung sehr schnell zu einer Rückkehr zu „alten“ Bewertungsergebnissen aus dem Kreditgeschäft führen. Eine anhaltende Ertragsschwäche und fehlende bzw. bereits ausgeschöpfte Kostensenkungspotenziale könnten in diesem Fall durchaus die wirtschaftliche Selbstständigkeit einiger regionaler Institute in Frage stellen. Weiter lesen.. »

MiFID II Umsetzung aus Projektleitersicht

8. September 2017 in Kategorie Compliance

von
Susanne Kalning
Projektleiterin MiFID II, Projektmanagement, Bankhaus Neelmeyer AG


MiFID II/MiFIR zwingt zu einer sehr umfassenden und feingranularen Betrachtungsweise, die sich vom Betrieb bis in den Vertrieb, von der IT-Landschaft über Produkt- und Prozessmanagement bis hin zu Fragen der Vertriebsstrategie und letztlich der Geschäftsstrategie zieht. Noch größere Kreise sind kaum vorstellbar, zumal auch Betriebsrat und Datenschutz einbezogen werden müssen.

Das vorausgeschickt, dürfte jedem klar sein, dass es weder ein Patentrezept noch allgemeingültige Erkenntnisse bei der Umsetzung geben kann, denn bedingt durch unterschiedliche Strategien, Organisationsformen, -Strukturen und IT-Landschaften kämpft hier jede Bank ihren ganz eigenen Kampf. Mein subjektiver Erfahrungsbericht als Projektleiterin einer kleinen Bank im Norden Deutschlands beschreibt die MiFID II-Thematik, wie sie sich für unser Haus aus den Sachzwängen der operativen Umsetzung ergibt. Manches davon wird anderen MiFID II-Betrauten aber sicherlich bekannt vorkommen.

Die Leitung des Projekts wurde mir bereits im Mai 2015 übertragen. Nach einer eingehenden Betroffenheitsanalyse (z. B. betreiben wir keinen Hochfrequenzhandel) sind wir in eine lange Phase der Voranalyse gegangen, die wir nach Bekanntgabe der Verlängerung der Umsetzungsfrist dann im letzten Herbst in die Umsetzungsphase übergeleitet haben. Weiter lesen.. »

Kurzprüfungen als (neues?) Instrument der Revisionsarbeit

6. September 2017 in Kategorie Revision

von
Thorsten Pegelow
Bereichsleiter Revision, Hamburger Sparkasse AG


Die Anforderungen an die Revision bezüglich des Prüfungsumfanges richten sich generell nach AT 4.4.3 Tz. 3 der MaRisk. Dort ist festgelegt, dass die Interne Revision alle Aktivitäten und Prozesse zu prüfen hat. Dabei ist ein risikoorientiertes Vorgehen ebenso unabdingbar wie angewiesen sowie die Ausrichtung der Prüfungshandlungen sowohl auf die internen als auch ausgelagerten Prozesse. Sowohl Breite als auch Tiefe und Rhythmus der Prüfung einzelner Prüfungsfelder obliegen der sachgerechten Bewertung und Disposition der Internen Revision selbst.

Vor dem Hintergrund der Vielzahl an regulatorischen Impulsen sowie des damit steigenden Umfangs der Notwendigkeit sich prüferisch mit den vorgenannten Entwicklungen zu beschäftigen, steht die Interne Revision regelmäßig vor der Frage, wie sinnvoll mit ggf. weniger kritischen/risikobehafteten im Prüfungsuniversum enthaltenen Prüfungsobjekten umzugehen ist.

Unter Berücksichtigung der neu einzuschätzenden Risikolage einzelner Prüfungsobjekte (vgl. MaRisk-E 2017 bzgl. Manipulationsmöglichkeiten von Mitarbeitern in den Prozessen) ist ggf. eine veränderte Ressourcenallokation angeraten, um neben der fachlichen Aufdeckung von Defiziten auch den disziplinierenden Nebeneffekt, den eine Revisionsprüfung zweifellos (unter die Überschrift „Betriebs- oder Prozesstreue”) hat, mit vertretbarem Aufwand ins Haus zu tragen. Nun stehen aber diesen gestiegenen Prüfungsanforderungen nicht in allen Fällen gleichzeitig proportional gestiegene Prüferressourcen gegenüber. Weiter lesen.. »

Zahlung negativer Kreditzinsen an Kreditnehmer

4. September 2017 in Kategorie Bankrecht

von
Prof. Dr. Hervé Edelmann
Rechtsanwalt, Bank- und Kapitalmarktrecht, Thümmel, Schütze & Partner, Stuttgart


In seiner Entscheidung vom 21.03.2017 hat der Oberste Gerichtshof in Österreich, Az. 10 Ob 13/17k, in einem Fall, in welchem es um CHF-Kredite mit Zinsgleit- und Zinsanpassungsklauseln ging, bei welchen sich der vom Verbraucher zu zahlende Darlehenszins aus dem veränderlichen Indikator (z. B. LIBOR) und dem unveränderlich vereinbarten Aufschlag auf diesen Indikator berechnet, in einem dem Unterlassungsklageverfahren in Deutschland ähnlich gestalteten Prozess entschieden, dass beim typischen Fall des Verbraucherkreditvertrages allgemein zwischen Bank und Kunde ein übereinstimmender Parteiwille über Vertragsgegenstand und Vertragsinhalt dahingehend besteht, dass eine – irreführend als „Negativzinsen“ bezeichnete – Verpflichtung der kreditgebenden Bank zur Zahlung von Zinsen an den Kreditnehmer ausgeschlossen ist.

Dies deshalb, weil Vertragsparteien, die eine Zinsgleit- oder Zinsanpassungsklausel vereinbaren, im Allgemeinen bei Vertragsabschluss davon ausgehen, dass der Kreditnehmer als Entgelt für die Zurverfügungstellung eines Geldbetrages durch den Kreditgeber für die jeweilige Zinsperiode Zinsen zu zahlen hat und dass eine rechnerische Entwicklung des Zinsniveaus ins Negative lediglich das für die Zurverfügungstellung des Kredits vom Kreditnehmer zu zahlende Entgelt allenfalls bis auf null reduzieren kann. Weiter lesen.. »

Prüfung der sachgerechten Berücksichtigung von Ertragsrisiken im SREP-Zuschlag

1. September 2017 in Kategorie Banksteuerung / Treasury

von
Prof. Dr. Dirk Heithecker
Professur für Quantitative Methoden und Corporate Finance, Hochschule Hannover, und Fachreferent, Kredit- und Restwertrisikomanagement, Volkswagen Financial Services AG


Mit Umsetzung der Säule 1 Plus im Rahmen des SREP erfolgt erstmalig durch die deutsche Aufsicht eine zusätzliche Anrechnung von Risiken gem. Säule 2 auf die Eigenmittelunterlegung nach Säule 1. Durch die abweichende Ausgestaltung der Methodik zwischen Säule 1 und Säule 2 kann ein sehr schematisiertes Vorgehen bei der Berechnung dieses SREP-Kapitalzuschlags insbesondere bei sonstigen Risiken zu unangemessenen Ergebnissen führen. Ertrags- bzw. Vertriebsrisiken können als Beispiel dienen, dass ggf. eine inhaltliche Prüfung der Säule-2-Risiken für den Ansatz in Säule 1 notwendig ist. Dieser Sachverhalt wird kurz dargelegt.

SREP-Kapitalzuschlag für sonstige Risiken

Die Eigenmittelanforderung gem. Säule 1 sieht neben der definierten Quantifizierung nach CRR Zuschläge für über diese Berechnung hinausgehende, bankenindividuelle Risiken vor. Die Bestimmung solcher Zuschläge für sonstige Risiken stützt sich auf die interne Risikoinventur und Risikoquantifizierung der Banken, die diese mit dem Ziel einer internen Risikotragfähigkeits-( RTF-) Analyse plausibel und nachprüfbar durchführen müssen. Sonstige Risiken sind alle Risikoarten, die über die Standardrisikoarten (Adressenausfallrisiko, Marktpreisrisiko, operationelles Risiko, Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch und im Bankbuch) hinaus identifiziert werden (vgl. Heithecker, Weitere potenziell wesentliche Risikoarten, in: Riediger (Hrsg.), Risikoreporting, erscheint 2017). Weiter lesen.. »