MiFID II Umsetzung aus Projektleitersicht

8. September 2017 in Kategorie Compliance

von
Susanne Kalning
Projektleiterin MiFID II, Projektmanagement, Bankhaus Neelmeyer AG


MiFID II/MiFIR zwingt zu einer sehr umfassenden und feingranularen Betrachtungsweise, die sich vom Betrieb bis in den Vertrieb, von der IT-Landschaft über Produkt- und Prozessmanagement bis hin zu Fragen der Vertriebsstrategie und letztlich der Geschäftsstrategie zieht. Noch größere Kreise sind kaum vorstellbar, zumal auch Betriebsrat und Datenschutz einbezogen werden müssen.

Das vorausgeschickt, dürfte jedem klar sein, dass es weder ein Patentrezept noch allgemeingültige Erkenntnisse bei der Umsetzung geben kann, denn bedingt durch unterschiedliche Strategien, Organisationsformen, -Strukturen und IT-Landschaften kämpft hier jede Bank ihren ganz eigenen Kampf. Mein subjektiver Erfahrungsbericht als Projektleiterin einer kleinen Bank im Norden Deutschlands beschreibt die MiFID II-Thematik, wie sie sich für unser Haus aus den Sachzwängen der operativen Umsetzung ergibt. Manches davon wird anderen MiFID II-Betrauten aber sicherlich bekannt vorkommen.

Die Leitung des Projekts wurde mir bereits im Mai 2015 übertragen. Nach einer eingehenden Betroffenheitsanalyse (z. B. betreiben wir keinen Hochfrequenzhandel) sind wir in eine lange Phase der Voranalyse gegangen, die wir nach Bekanntgabe der Verlängerung der Umsetzungsfrist dann im letzten Herbst in die Umsetzungsphase übergeleitet haben. Weiter lesen.. »

Kurzprüfungen als (neues?) Instrument der Revisionsarbeit

6. September 2017 in Kategorie Revision

von
Thorsten Pegelow
Bereichsleiter Revision, Hamburger Sparkasse AG


Die Anforderungen an die Revision bezüglich des Prüfungsumfanges richten sich generell nach AT 4.4.3 Tz. 3 der MaRisk. Dort ist festgelegt, dass die Interne Revision alle Aktivitäten und Prozesse zu prüfen hat. Dabei ist ein risikoorientiertes Vorgehen ebenso unabdingbar wie angewiesen sowie die Ausrichtung der Prüfungshandlungen sowohl auf die internen als auch ausgelagerten Prozesse. Sowohl Breite als auch Tiefe und Rhythmus der Prüfung einzelner Prüfungsfelder obliegen der sachgerechten Bewertung und Disposition der Internen Revision selbst.

Vor dem Hintergrund der Vielzahl an regulatorischen Impulsen sowie des damit steigenden Umfangs der Notwendigkeit sich prüferisch mit den vorgenannten Entwicklungen zu beschäftigen, steht die Interne Revision regelmäßig vor der Frage, wie sinnvoll mit ggf. weniger kritischen/risikobehafteten im Prüfungsuniversum enthaltenen Prüfungsobjekten umzugehen ist.

Unter Berücksichtigung der neu einzuschätzenden Risikolage einzelner Prüfungsobjekte (vgl. MaRisk-E 2017 bzgl. Manipulationsmöglichkeiten von Mitarbeitern in den Prozessen) ist ggf. eine veränderte Ressourcenallokation angeraten, um neben der fachlichen Aufdeckung von Defiziten auch den disziplinierenden Nebeneffekt, den eine Revisionsprüfung zweifellos (unter die Überschrift „Betriebs- oder Prozesstreue”) hat, mit vertretbarem Aufwand ins Haus zu tragen. Nun stehen aber diesen gestiegenen Prüfungsanforderungen nicht in allen Fällen gleichzeitig proportional gestiegene Prüferressourcen gegenüber. Weiter lesen.. »

Zahlung negativer Kreditzinsen an Kreditnehmer

4. September 2017 in Kategorie Bankrecht

von
Prof. Dr. Hervé Edelmann
Rechtsanwalt, Bank- und Kapitalmarktrecht, Thümmel, Schütze & Partner, Stuttgart


In seiner Entscheidung vom 21.03.2017 hat der Oberste Gerichtshof in Österreich, Az. 10 Ob 13/17k, in einem Fall, in welchem es um CHF-Kredite mit Zinsgleit- und Zinsanpassungsklauseln ging, bei welchen sich der vom Verbraucher zu zahlende Darlehenszins aus dem veränderlichen Indikator (z. B. LIBOR) und dem unveränderlich vereinbarten Aufschlag auf diesen Indikator berechnet, in einem dem Unterlassungsklageverfahren in Deutschland ähnlich gestalteten Prozess entschieden, dass beim typischen Fall des Verbraucherkreditvertrages allgemein zwischen Bank und Kunde ein übereinstimmender Parteiwille über Vertragsgegenstand und Vertragsinhalt dahingehend besteht, dass eine – irreführend als „Negativzinsen“ bezeichnete – Verpflichtung der kreditgebenden Bank zur Zahlung von Zinsen an den Kreditnehmer ausgeschlossen ist.

Dies deshalb, weil Vertragsparteien, die eine Zinsgleit- oder Zinsanpassungsklausel vereinbaren, im Allgemeinen bei Vertragsabschluss davon ausgehen, dass der Kreditnehmer als Entgelt für die Zurverfügungstellung eines Geldbetrages durch den Kreditgeber für die jeweilige Zinsperiode Zinsen zu zahlen hat und dass eine rechnerische Entwicklung des Zinsniveaus ins Negative lediglich das für die Zurverfügungstellung des Kredits vom Kreditnehmer zu zahlende Entgelt allenfalls bis auf null reduzieren kann. Weiter lesen.. »

Prüfung der sachgerechten Berücksichtigung von Ertragsrisiken im SREP-Zuschlag

1. September 2017 in Kategorie Banksteuerung / Treasury

von
Prof. Dr. Dirk Heithecker
Professur für Quantitative Methoden und Corporate Finance, Hochschule Hannover, und Fachreferent, Kredit- und Restwertrisikomanagement, Volkswagen Financial Services AG


Mit Umsetzung der Säule 1 Plus im Rahmen des SREP erfolgt erstmalig durch die deutsche Aufsicht eine zusätzliche Anrechnung von Risiken gem. Säule 2 auf die Eigenmittelunterlegung nach Säule 1. Durch die abweichende Ausgestaltung der Methodik zwischen Säule 1 und Säule 2 kann ein sehr schematisiertes Vorgehen bei der Berechnung dieses SREP-Kapitalzuschlags insbesondere bei sonstigen Risiken zu unangemessenen Ergebnissen führen. Ertrags- bzw. Vertriebsrisiken können als Beispiel dienen, dass ggf. eine inhaltliche Prüfung der Säule-2-Risiken für den Ansatz in Säule 1 notwendig ist. Dieser Sachverhalt wird kurz dargelegt.

SREP-Kapitalzuschlag für sonstige Risiken

Die Eigenmittelanforderung gem. Säule 1 sieht neben der definierten Quantifizierung nach CRR Zuschläge für über diese Berechnung hinausgehende, bankenindividuelle Risiken vor. Die Bestimmung solcher Zuschläge für sonstige Risiken stützt sich auf die interne Risikoinventur und Risikoquantifizierung der Banken, die diese mit dem Ziel einer internen Risikotragfähigkeits-( RTF-) Analyse plausibel und nachprüfbar durchführen müssen. Sonstige Risiken sind alle Risikoarten, die über die Standardrisikoarten (Adressenausfallrisiko, Marktpreisrisiko, operationelles Risiko, Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch und im Bankbuch) hinaus identifiziert werden (vgl. Heithecker, Weitere potenziell wesentliche Risikoarten, in: Riediger (Hrsg.), Risikoreporting, erscheint 2017). Weiter lesen.. »

Projektierung, Bau und Finanzierung kommunaler Glasfasernetze

30. August 2017 in Kategorie Kredit, Kredit / Immobilien

von
Andreas Scheib
Kundenbetreuung Öffentliche Hand, Landesbank Baden-Württemberg


Ziel der Bundesregierung von mind. > 50 Mbit/s Netzzugang und Fördervolumen von ca. 2,8 Mrd. € bis 2018.

Im Rahmen der Breitbandoffensive 4.0 in Baden-Württemberg beträgt die Landesförderung ca. 300 Mio. € bis 2020.

Internetverbindungen, die auch große Datenmengen schnell übertragen, gehören zu einer modernen kommunalen Infrastruktur und haben sich zu dem wichtigen Standortfaktor entwickelt. Dies gilt insbesondere auch für die Kommunen im ländlichen Raum. Die bisher in vielen Teilen des Landes fehlende Breitbandversorgung ist ein großes Innovationshindernis. Baugrundstücke, insbesondere gewerbliche, ohne schnellen Internetanschluss sind kaum zu vermarkten. Die derzeitige Entwicklung ist gekennzeichnet durch einen sich landesweit intensivierenden Ausbau der Glasfasernetze, der sowohl von einzelnen Kommunen als auch durch Zusammenschlüsse von Kommunen auf Kreisebene in Form von Zweckverbänden stattfindet.

Um hier im Wettbewerb nicht an Boden zu verlieren sind die Kommunen gefordert. Gleichwohl sind viele finanziell aufgrund der Haushaltssituation oder der Bindung der Haushaltsmittel nicht in der Lage, diesen Aufbau von moderner Infrastruktur im gewünschten Umfang und der notwendigen Geschwindigkeit zu realisieren. Hinzu kommt die derzeit hohe personelle Ressourcenbindung, z. B. durch Flüchtlingswohnen. Der Handlungsdruck auf die Kommunen wächst. Auch die Unklarheit in der gesamten Wertschöpfungskette Planung, Bau, Finanzierung und Vermarktung führt zu Verzögerungen.

Um diese entscheidenden Mehrwerte für alle Phasen aus einer Hand zu bieten, haben LBBW (mit Sparkassen) und die KE (LBBW Immobilien Kommunalentwicklung GmbH) eine sog. „Netzkooperative“ gebildet. Unterstützt werden sie hierbei im technischen Bereich durch RuFuss-Beratung (Dipl. Ing. Rudolf Fußhöller). Diese Netzkooperative bietet Kommunen umfassende Unterstützung auf dem Weg zu einem eigenen, kommunalen Glasfasernetz. Damit kann die Lücke zwischen den teilweise von den Landkreisen verlegten „Backbone- oder Carrier-Netzen“ und den oft lückenhaften und wenig leistungsfähigen Netzen in den Kommunen selbst, geschlossen werden. Weiter lesen.. »